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Dienstag, 23. Januar 2018

Informationstechnik

Taiwanese will mit Komponenten für die Cloud in Europa punkten

Von Ariane Rüdiger | 21. September 2017 | Ausgabe 38

QCT (Quanta Cloud Technologies) präsentiert als einer der ersten Hersteller Server mit Intels neuer Prozessorserie Xeon Scalable Platform. Damit will man im schrumpfenden Markt Anteile hinzugewinnen.

QCT Bild
Foto: Intel

Spezialisten: Intels neueste Xeon-Prozessorfamilie soll in Servern Einsatz finden, die für bestimmte Aufgaben maßgeschneidert sind.

Die taiwanesische QCT (Quanta Cloud Technologies), ein Tochterunternehmen des Auftragsfertigers Quanta und Hersteller von Cloud-Equipment – vom Server übers Rack bis zu Speicher- und Netzkomponenten –, enthüllte in München die zweite Generation ihrer Serverprodukte. Damit ist QCT unter den Ersten, die Produkte mit Intels Mitte Juli präsentierter Prozessorserie Xeon Scalable Platform zeigen. James Jau, Entwicklungschef bei QCT: „Wir haben unzählige Ideen für Implementierungen. Derzeit arbeiten über 1000, bis Jahresende sogar 1500 Ingenieure daran, sie umzusetzen.“

Die Xeon Scalable Platform ermöglicht unterschiedliche, auf bestimmte Aufgaben zugeschnittene Servertypen mit differenzierter, skalierbarer Leistung. Die Prozessoren enthalten beispielsweise Komponenten für die schnellere Vektorverarbeitung sowie die beschleunigte Verschlüsselung und integrieren Netzwerkverbindungen mit bis zu 10 Gbit/s. Spezielle Serverhardware auf Basis solcher Komponenten wird nach Ansicht von Marktbeobachtern den Standard-Intel-Server in vielen Cloud-Applikationen ablösen. Denn daraus resultieren Leistungsgewinne, weil jede Anwendung spezifische Anforderungen an die Hardware stellt.

QCT präsentierte in München über zehn neue Servermodelle der Label QuantaPlex und QuantaGrid, optimiert auf diverse Einsatzfelder – vom Hochleistungscomputing über virtuelle Desktop-Infrastrukturen bis zu künstlicher Intelligenz und Big Data. Einige sind bereits verfügbar, der Rest kommt im Laufe des Herbstes. Weitere neue Produkte, unter anderem sogenannte Edge-Systeme, sollen auf der Kundentagung QSynergy Ende Oktober im kalifornischen San Jose folgen. Edge-Hardware sitzt nahe an den Endpunkten im Internet der Dinge, um beispielsweise die Daten von mehreren Sensoren zusammenzufassen und zu analysieren. Damit kann der Datenverkehr in die Cloud minimiert werden.

Die Ankündigungen fallen in eine Zeit schrumpfender Servermärkte, wobei es mit besonderer Härte den Marktführer HP, aber auch IBM und Lenovo trifft. Alle drei verloren im vierten Quartal 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zweistellig. Die Daten der Marktforscher IDC und Gartner zeigen auch: Etwa ein Drittel des weltweiten Serverumsatzes geht an „sonstige Hersteller“, zu denen auch QTC gehören dürfte. Nach Stückzahlen ist deren Anteil noch größer. Das ist bei Weitem keine Marginalie mehr, sondern bedroht direkt die Etablierten. Großer Gewinner ist übrigens Huawei, die Chinesen konnten ihren Marktanteil fast verdoppelten.

Dafür, dass auch QCT eine Chance hat, sich unter eigener Flagge ein ordentliches Stück vom schrumpfenden Kuchen zu sichern, stehen die Chancen nicht schlecht. Ex-Acer-Manager William Shih, für den Geschäftsaufbau in den Regionen Europa, Naher Osten und Afrika (EMEA) zuständig, will den Marktanteil von QCT, den er heute auf „vielleicht 0,5 %“ beziffert, jedes Jahr verdoppeln oder verdreifachen.

Die Belegschaft der EMEA-Zentrale in Düsseldorf soll noch in diesem Jahr von 21 auf 40 Mitarbeiter wachsen. Shih hat nicht nur die Cloud-Anbieter als Kunden vor Augen, sondern auch Großunternehmen, besonders Automobilbauer. Dabei will man es den Kunden und deren IT-Verantwotlichen leicht machen: So lassen sich alle auswechselbaren Teile der neuen Server ohne Werkzeugeinsatz schnell montieren und demontieren.

Wichtig ist zudem das Thema Stromverbrauch. Produktmanager Alan Chang: „Dieser ist gegenüber der vorherigen Gerätegeneration insgesamt gestiegen, weil wir dichter gepackt und mehr Komponenten auf derselben Fläche untergebracht haben. Aber die Systeme bleiben trotzdem kühler als die Vorgänger.“ Dafür habe man die gesamte systeminterne Kühltechnik grundlegend überarbeitet. Strom sparen sollen auch gerade inaktive Server. Jau: „Wenn sie schon leerlaufen, dann mit möglichst wenig Stromverbrauch.“ Der werde auf unter 10 % des Verbrauchs bei Volllast gesenkt. Gerade diese Argumente könnten in Deutschland verfangen. Dort sind das notorisch knappe IT-Personal und vor allem die hohen Strompreise kritische Themen für Betreiber von Rechenzentren, wie jüngst eine aktuelle Studie des Borderstep-Instituts und des Netzwerks energieeffiziente Rechenzentren ergab.jdb

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