Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Donnerstag, 21. Februar 2019

Glasbau

Transparente Sicherheit

Von Fabian Kurmann | 13. September 2018 | Ausgabe 37

Um ein Gebäude terrorsicher zu machen, muss es heutzutage nicht mehr aussehen wie ein Betonklotz – dank neuer Konzepte und Glastechnik.

Glas (2)
Foto: dpa Picture-Alliance/ZUMA Press/Ray Tang

Terrorsicherer Glaswürfel: Die US-Botschaft in London sieht nicht aus wie ein klassischer Bunker, soll aber bombensicher sein.

Ein wenig erinnert die Außenhaut der neuen US-Botschaft in London an einen Tannenzapfen, ansonsten sehen dem Glaswürfel nur Experten an, dass es sich dabei um eine neue Generation von Sicherheitsbunker handelt.

Der Anfang des Jahres eröffnete Bau ist für die USA ein Novum: Erstmals verabschiedet man sich vom Show-Force-Konzept, bei dem die Sicherheitsmerkmale als Abschreckung inszeniert werden. „Es geht hin zu Hide-Force, bei der nur noch Experten die Sicherheitsmaßnahmen erkennen“, sagt Norbert Gebbeken, Professor für Baustatik an der Universität der Bundeswehr in München.

Verbundsicherheitsglas (VSG) sowie Sicherheitsfenster und -türen erlauben mittlerweile den Verzicht auf traditionelle Bunkerarchitektur. In Paris werden gerade um den Eiffelturm Zäune durch Glaswände ersetzt, weil sie besser aussehen, ohne weniger sicher zu sein. Die 15 cm dicken Scheiben in London sollen sogar einer Panzerfaust standhalten.

Die Glasfassade ist explosionssicher, weil sie aus mehreren Schichten Glas und Folie besteht, aus sogenanntem Verbundsicherheitsglas. Bei einer Explosion bildet sich eine Art Segelform nach innen aus, ohne dass die Fassade versagt, weil die Folien die Glassplitter zusammenhalten.

Damit das funktioniert, gibt es technische Voraussetzungen. „Dieser Effekt kann sich nur ausbilden, wenn die Ränder der Scheiben besonders geklemmt sind“, sagt Gebbeken. Experten erkennen sichere Fassaden beispielsweise daran, dass die Stege zwischen den Scheiben breiter sind als normalerweise, weil die Scheiben tiefer gefasst sind.

„Bei der Planung sensibler Bauwerke geht man von verschiedenen Szenarien aus, gestaffelt nach deren Bedeutung – von der Taschenbombe bis zum Sprengstoff-Lkw“, sagt Franz-Hermann Schlüter vom Ingenieurbüro SMP. In London spielt bei der Abwehr auch die Gestaltung des Umfelds eine entscheidende Rolle.

Das zwölfgeschossige Gebäude steht auf einem Hügel und ist ähnlich wie Burgen im Mittelalter von Teichen und Wassergräben umgeben. Es gibt diverse Geländesprünge und als Sitzbänke getarnte Barrieren. Die Zufahrtswege sind gewunden, um die Geschwindigkeit von Fahrzeugen zu beschränken.

Beim Terrorschutz werde üblicherweise aus wirtschaftlichen Gründen abgewogen, wie viel Sicherheit nötig sei, sagt Schlüter. Auch die Eintrittswahrscheinlichkeit werde berücksichtigt, so das Mitglied des VDI-Fachbeirats für Bautechnik. Je nach Bedrohungsszenario können bis zu 30 % an Mehrkosten entstehen.

Die neue US-Botschaft setzt allerdings auch hier neue Maßstäbe. Sie soll mit über 1 Mrd. $ (ca. 860 Mio. €) die teuerste jemals gebaute Botschaft sein. Daher werden ähnliche Bauten wohl auf sich warten lassen. „Ich habe das im Außenministerium einmal angesprochen, aber die Bereitschaft, so viel Geld für eine Botschaft in die Hand zu nehmen, haben offenbar nur Amerikaner“, erklärt Norbert Gebbeken.