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Sonntag, 21. Januar 2018

Parkettnotizen

Trump als gemeinsamer Nenner

Von Stefan Wolff | 21. Dezember 2017 | Ausgabe 51

Nach Krise fühlt sich das nicht an, was sich in diesem Jahr an den Finanzmärkten abgespielt hat. In ein paar Tagen, wenn die Bücher kurz geschlossen werden und Bilanz gezogen wird, wird der Deutsche Aktienindex (Dax) gut und gern 15 % zugelegt haben und das mit einer Rekordmarke jenseits der 13 000-Punkte-Marke im Rücken.

Foto: privat

Stefan Wolff arbeitet als Finanzjournalist u. a. für das ARD-Börsenstudio.

Vor gut zwölf Monaten waren die Zukunftsaussichten und Vorhersagen noch weit zurückhaltender ausgefallen. Beides – Zurückhaltung und Rekordfahrt – hat einen gemeinsamen Nenner: Trump.

Die unerwartete Wahl zum US-Präsidenten hat einen wahren Börsen-Hype ausgelöst. Dabei waren die Kurse stets zurückgekuscht, hatte Trump mal in den Umfragen vorn gelegen. Nun aber hofften die Finanzwelt und die Wirtschaft auf Subventionen, Konjunkturprogramme, weniger Regulierung und niedrigere Steuern.

Bekommen haben sie davon nichts, was die Laune an den Märkten nicht weiter getrübt hat. Immerhin geht die umstrittene Steuerreform nun den Weg durchs Parlament. Ob die Steuererleichterungen jedoch den gewünschten Aufschwung bringen, ist fraglich.

Die noch amtierende Fed-Chefin bezweifelt dies. Janet Yellen hat mit Weitsichtigkeit und einer offenen Kommunikation die Zinswende in den USA eingeläutet und dreimal im Jahr 2017 den Leitzins angehoben, ohne die Märkte zu verschrecken. Dieses Kunststück muss ihr europäischer Kollege, Mario Draghi, noch vollbringen. Immerhin setzte auch die EZB die Segel in Richtung Zinswende. Sie wird ihre Anleihekäufe langsam zurückfahren. Über steigende Zinsen wird wohl nicht vor Ende 2018 diskutiert werden.

Niedrige Zinsen, günstiges Öl und ein gegenüber dem Dollar nicht allzu starker Euro waren die Schmierstoffe für Wirtschaft und Märkte. Die Firmengewinne konnten sich sehen lassen. Die Zahl der Pleiten sank, auch wenn es mit Air Berlin und Solarworld einige spektakuläre Fälle gegeben hat.

An den an sich günstigen Rahmenbedingungen wird sich so schnell nichts ändern. Einige Firmen werden aber Probleme ins nächste Jahr mitnehmen. So dürfte der Dieselskandal die Autohersteller weiter begleiten und belasten. Die brummenden Verkaufszahlen geben zwar für Bedenken keinen Raum, doch ist der Wandel zur E-Mobilität in vollem Gange.

Die Energieversorger plagen ähnliche Probleme. Sie werden den Kohleausstieg nur verzögern und nicht verhindern können. Ebenso knirscht es bei den Banken. Der niedrige Zins stellt das Geschäftsmodell auf den Kopf. Und so würde es kaum verwundern, wäre die Vermählung der Commerzbank mit einem französischen Institut eine der ersten Schlagzeilen des neuen Jahres. Politisch gewollt scheint es ja allemal.

In ihren Prognosen setzen die meisten Beobachter auf weitere Kursgewinne. Sie dürften – zumindest in den ersten Monaten des neuen Jahres – nicht enttäuscht werden. 

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