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Samstag, 16. Februar 2019

Energiewirtschaft

Viel Planung, wenig Bau

Von Stephan W. Eder | 26. April 2018 | Ausgabe 17

Der Branchenverband BDEW warnt vor einer Kapazitätslücke im konventionellen Kraftwerkssektor.

Trotz großer Fortschritte beim Aufbau von Ökostromkapazitäten war Stefan Kapferer am Montag auf der Hannover Messe alarmiert: „Es beginnt der Prozess, dass kommerzielle Kraftwerke Schritt für Schritt aus dem Markt gedrängt werden. Dieser Prozess wird sich beschleunigen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Zwar baue sich damit auch eine Überkapazität ab, aber falls gar keine neuen Kapazitäten im Bereich kommerzieller Kraftwerke mehr zugebaut würden, käme es genau in der Zielgeraden auf das Jahr 2030 hin zu einer Verknappung gesicherter Kapazitäten.

Bis zu 62 % Ökostromerzeugung wolle Deutschland 2030 erreichen. Das sei aber in Gefahr, machte Stefan Kapferer deutlich und mahnte an: „Weitere Kohlekraftwerke können in den 2020er-Jahren nur vom Netz genommen werden, wenn CO2-arme Ersatzkapazitäten geschaffen werden“, sprich, neue Gaskraftwerke gebaut würden. Deren finden sich in der gleichzeitig vorgestellten Kraftwerksliste des BDEW gleich 22, aber nur zehn mit konkreten Realisierungszeiträumen bis 2022. Und mit dem Überschuss an „gesicherter Leistung“ werde es bis 2023 vorbei sein, erklärte Kapferer.

Dem bis 2023 zu erwartenden Zubau an Kraftwerken mit insgesamt 4400 MW stehen laut Kraftwerksliste Anlagen mit 18 600 MW gegenüber, die vom Netz gehen. Hier spielt auch die Bundesnetzagentur eine Rolle. Wenn sie die Systemstabilität gefährdet sieht, kann sie das Stilllegen von Anlagen untersagen. Der BDEW rechnet 2023 mit 75 300 MW an gesicherter konventioneller Kraftwerkskapazität, die Bundesnetzagentur dagegen mit 81 800 MW. Wie die Lücke geschlossen werden soll, ist bisher unklar.

Kapferers Horrorszenario ist es daher, dass die Politik den Abbau von Kohlekapazitäten beschließt und anordnet, aber die Bundesnetzagentur das Abschalten aufgrund der Systemrelevanz der Anlagen verbietet. Auch Kapazitätsreserven im Ausland helfen perspektivisch nicht weiter, so Kapferer. „Die Möglichkeiten, sich bei den Nachbarländern mit gesicherter Leistung zu versorgen, sind begrenzt.“

Hinzu komme, dass durch den schleppenden Netzausbau der von Offshore-Windparks im Norden Deutschlands erzeugte Strom nicht in den Süden gebracht werden könne. Beides zusammen gefährde das Erreichen des 2030er-Klimaschutzziels, zu dem sich die Bundesregierung bekannt habe.