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Dienstag, 23. Januar 2018

Blockchain

Vielseitige Kette

Von Christiane Schulzki-Haddouti | 14. September 2017 | Ausgabe 37

Technik der Bitcoins erlaubt rechtssichere Verträge ohne zentrale Kontrollinstanz.

BU Blockchain
Foto: panthermedia.net/the_lightwriter

In einer Blockchain werden Datenblöcke kryptografisch so miteinander verbunden, dass Manipulationen an einzelnen Daten faktisch unmöglich sind.

Bitcoins haben sich seit der weltweiten Bankenkrise im Jahr 2008 als dezentral organisierte Kryptowährung etabliert. Sie kommen ohne Banken aus, da verteilte Transaktionen mit ihnen dank der Technik Blockchain ohne zentrale Clearingstellen möglich sind. Blockchain gilt aber längst auch als Basistechnologie für andere Anwendungsszenarien und verspricht, nicht nur die Bankenwelt zu revolutionieren. In der Energie- und Kreativbranche stehen derzeit spannende Start-ups und Pilotprojekte am Start.

In der Blockchain wird jede Transaktion in einem Datenblock gespeichert. Wenn solch ein Datenblock gemäß eines definierten Mechanismus für gültig befunden wird, wird er mit vorher erstellten Datenblöcken kryptografisch zu einer unveränderlichen Folge verkettet. Daher auch der Name Blockchain, zu Deutsch „Block-Kette“. Die so entstehende Datenbank wird zudem dezentral gespeichert. Jeder Beteiligte hat jederzeit Zugriff auf alle Daten. Damit entfällt die Notwendigkeit einer zentralen Kontrollinstanz.

Wie eine aktuelle Studie des World Economic Forum zeigt, entwickeln derzeit 80 % der Banken Projekte, die auf solchen verteilten Transaktionsregistern basieren. In den letzten drei Jahren wurden über 1,4 Mrd. € Venture-Kapital investiert und über 2500 Patente entwickelt. Über 90 Unternehmen haben sich sogenannten Blockchain-Konsortien angeschlossen, in denen Standards entwickelt werden. Dabei geht es meist darum, Transaktionen unter den Banken effizienter zu gestalten. R3 beispielsweise ist ein solches Konsortium, zu dem 42 führende Banken gehören, darunter die Deutsche Bank, die Commerzbank und UBS.

Ein Bericht der Technologiestiftung Berlin sieht nicht nur für die Finanzindustrie Potenziale. Erfolgversprechend ist das 2015 an den Start gegangene Blockchain-Protokoll Ethereum, das nicht nur wie Bitcoin bestimmte Werte von A nach B schicken kann, sondern auf dem sich auch Verträge, sogenannte Smart Contracts, und dezentrale Anwendungen (dApps) programmieren lassen. Damit können nicht nur Geldtransaktionen, sondern Werte jeglicher Art ausgetauscht werden. Die Ethereum Foundation mit Sitz in der Schweiz unterhält einen Teil ihres Entwicklerteams in Berlin. Auf Ethereum setzen derzeit Projekte von Innogy, ehemals RWE, Thomson Reuters, Microsoft, Bitnation und der Santander Bank, die in den kommenden Monaten erste Ergebnisse liefern sollen.

Das Start-up Ujo Music erprobt derzeit mit der britischen Künstlerin Imogen Heap eine transparentere Form der Musiklizenzierung. Das Ziel ist es, Abrechnungssysteme mit der Verwaltung von Urheberrechten so zu verschmelzen, dass Künstler ihren Anteil unmittelbar – ohne Verlage oder Verwertungsgesellschaften – in dem Moment erhalten, in dem Fans ihre Werke konsumieren.

Perspektivisch könnten Blockchain-Techniken auch die Vormachtstellung aktueller Plattformen wie Amazon, Facebook oder Airbnb brechen, da sie für Transaktionen keine zentrale Datenhaltung mehr verlangen. Eine Transaktion kann über Smart Contracts abgewickelt werden. Dabei handelt es sich um „automatisch ausführbare Programme, die auf der Blockchain aufbauen und vordefinierte Transaktionsspielregeln im Programmcode abbilden“, wie Shermin Voshmgir erklärt, Autorin einer Blockchain-Studie der Technologiestiftung Berlin. Demnach wird eine Transaktion nur dann ausgeführt, wenn alle beteiligten Parteien die vereinbarten Konditionen erfüllt haben. So entwickelt PricewaterhouseCoopers derzeit eine Blockchain-basierte Lösung im Versicherungsgroßhandel für Echtzeit-Auditing.

Überdies können dezentrale autonome Organisationen (DAOs), also z. B. Firmen, die nur virtuell im Internet existieren, sich über solche Smart Contracts organisieren. Doch Shermin Voshmgir räumt ein: „Hier besteht noch viel Forschungs- und Entwicklungsbedarf und es bedarf technologischer Netzwerkeffekte, bevor diese Anwendungen in einer breiten Masse relevant werden können.“

Im Energiebereich experimentiert derzeit Innogy mit Blockchain-Techniken. Ziel ist es, Transaktionskosten zu senken, aber auch neue Geschäftsfelder zu erschließen. Der „Innogy Innovation Hub“ verbindet den Energiehandel über Blockchain-Techniken mit dem Internet der Dinge: Im Projekt „Blockcharge“ sollen Elektrofahrzeuge an jeder beliebigen Ladesäule laden können, ohne vorher einen Vertrag mit einem Stromanbieter oder einer Bank abschließen zu müssen. 

Derzeit scheinen die Hindernisse für eine breite Umsetzung in Deutschland eher regulatorischer Art zu sein. Denn dezentrale Organisationen werfen gesellschaftsrechtliche Fragen auf, die noch zu klären seien, weiß Shermin Voshmgir. Auch für Smart Contracts fehle noch die Erfahrung, wie diese in der Praxis rechtssicher gestaltet werden können. All dies könne aber in konkreten Pilotprojekten evaluiert werden. Ein weiteres Problem sieht Voshmgir noch in der Skalierbarkeit, also in der Frage, wie viele Transaktionen in einem bestimmten Zeitraum durchgeführt werden. Bitcoin-Nutzer berichten beispielsweise, dass die Bestätigung einer Transaktion an der Ladenkasse über 1 min dauern kann.

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