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Dienstag, 23. Januar 2018

Messe Drinktec

Von Craftsekt und Gypsy-Brauern

Von Bettina Reckter | 7. September 2017 | Ausgabe 36

Aktuelle Trends der Getränkeindustrie zeigt die Branche vom 11. bis 15. September auf dem Münchener Messegelände. Dort spannt sich der Bogen von angesagten Szenegetränken über neue Brauverfahren bis hin zu Techniktricks.

Drinktec BU
Foto: Messe München

Abfüllanlagen wie die von Weltmarktführer Krones werden zunehmend digitalisiert. In platzsparender Blockbauweise lassen sich komplette Linien realisieren.

Gut 2 l trinken sollte jeder täglich, so die Empfehlung von Ernährungsexperten. Auf die gesamte Bevölkerung hochgerechnet kommt da eine gewaltige Menge zusammen, die die Hersteller von Getränken liefern müssen, wollen sie den Durst der Deutschen nicht nur mit Leitungswasser stillen. Tatsächlich ist es ein enormer Markt, der sich mit Softdrinks, Smoothies, Trinkjoghurt und auch alkoholischen Getränken ständig neu erfindet, um den wählerischen Geschmack der Konsumenten zu treffen.

Messe Drinktec

Die deutsche Getränkeindustrie erzielte mit Bier, Spirituosen, Wein und Schaumwein sowie mit Mineralwässern und Erfrischungsgetränken 2016 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 20,79 Mrd. € Umsatz. Marktplatz der Produzenten und Zulieferer ist alle vier Jahre die Weltleitmesse Drinktec in München. Vom Familienunternehmen bis zum Global Player tummelt sich hier das „Who is who“ der Getränke- und Liquid-Food-Industrie und stellt seine Konzepte und Branchenlösungen vor.

Rund 1600 Aussteller werden vom 11. bis 15. September in München erwartet, wo sie die gesamte Prozesskette der Getränkeproduktion abbilden: von der Herstellung über die Abfüllung und Verpackung bis hin zum Marketing. Erstmals mit dabei ist die Messe Simei, die bisher in Italien stattfand. Sie zeigt spezifische Weintechnologie – für große Güter, die hauptsächlich vom Export leben, ebenso wie für kleine Winzer, die eher für den regionalen Bedarf keltern.

Waren in den vergangenen Jahren noch Craftbiere angesagt, so etablieren sich derzeit Craftspirituosen als aktuelle Szenegetränke. Nach Erhebungen des Marktforschungsunternehmens Mintel in Düsseldorf haben die Produktneuheiten bei solchen handwerklich gebrannten Spirituosen allein zwischen 2011 und 2015 weltweit um 265 % zugenommen.

Foto: Simei

Champagner will die Cocktailwelt erobern, dafür wird er künftig angereichert mit botanischen Extrakten, exotischen Früchten und Gemüse oder sogar mit Tee und Kaffee.

„In der Alkoholindustrie ist ein wahrer Pioniergeist ausgebrochen“, bestätigt Christoph Witte vom Technologieanbieter Döhler GmbH. „Klassische Spirituosen, Wein oder Sekt erhalten immer ausgefallenere Geschmacksimpulse durch botanische Extrakte, exotische Früchte, Tee, Kaffee und sogar Gemüse.“ Das mache selbst vor Champagner nicht halt: So will beispielsweise Veuve Clicquot mit richtig süßen Champagnern die Grenze zur Cocktailwelt durchbrechen. Besonders hippe Ingredienzien für Mischgetränke sind in diesem Jahr Gurke, Sellerie, Paprika, Ingwer, Ananas, Hibiskusblüte und Grapefruitschale.

 Dennoch: Der größte Teil des Messeangebots wird sich eher um die Bierindustrie drehen. Voll im Trend liegen Gypsy-Brauer, die keine eigene Produktion unterhalten, sondern sich bei den Großen der Branche einmieten. Markus Hoppe ist ein solcher. „Das hat Vorteile für den Gypsy-Brauer, weil er kein Risiko eingehen muss, und es hat Vorteile für die Brauerei, die mit einem verlässlichen Partner ihre Fixkosten decken kann“, erklärt der Geschäftsführer von Hoppebräu in Waakirchen nahe dem Tegernsee.

Für seine Kreationen geht Hoppe einen besonderen Weg. „Ich stelle mir wie ein Koch einfach einen Geschmack vor und packe dann alle Rohstoffe, Zutaten, Energie und Zeit zusammen, um genau das hinzukriegen.“ Zutaten sind normalerweise Wasser, Hefe, Malz und Hopfen – und eben eine gehörige Portion Experimentierfreudigkeit.

Diese zeigt neuerdings auch die Weinbranche. „Die aktuellen Trends in der Weinbranche gehen eindeutig in Richtung leichtere Produkte, also: weniger Alkohol, aber trotzdem viel Geschmack“, sagt Monika Christmann, Präsidentin der Internationalen Organisation für Rebe und Wein. Aromatische Weine mit wenig Alkohol zu produzieren, ist allerdings eine Kunst für sich. „Hier müssen wir auf technologische Hilfen zurückgreifen“, gesteht Christmann. Entweder müsse der Zucker aus dem Most oder der Alkohol aus dem fertigen Wein entfernt werden.

Das gelingt mit Verfahren wie der Destillation oder mit Membrantechniken. „Die große Herausforderung ist es, neben dem Alkohol nicht zu viel flüchtige Komponenten, sprich: Aromen, zu reduzieren“, beschreibt es Matthias Schmitt vom Institut für Oenologie der Hochschule Geisenheim. Der Vorteil der Alkoholreduzierung aber sei, dass sich dabei auch störende Geschmackskomponenten wie etwa Bitterstoffe entfernen lassen.

Auch von einem anderen Weg der Alkoholreduktion profitiert der Charakter des Weins: Die Erbslöh AG stellt mikrobiologisch manipulierte Hefen her, die weniger Alkohol und mehr Glycerin bilden. „Die Stilistik des Weines ändert sich dadurch“, sagt Jürgen Fröhlich, Leiter F&E Biotechnologie bei Erbslöh. Es gehe geschmacklich mehr in Richtung leichter Sommerwein, der dadurch fruchtiger werde.

Für all das braucht es geeignete Maschinen. Die Hersteller von Abfüll- und Verpackungsanlagen wie GEA, KHS oder Krones zeigen einen weiteren Trend auf der Messe Drinktec: die zunehmende Digitalisierung auch der Getränkeindustrie.

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