Passwort vergessen?  |  Anmelden
 |  Passwort vergessen?  |  Anmelden
Suche

Mittwoch, 20. Februar 2019

Mobilfunk

Vorentscheid mit Folgen

Von Regine Bönsch | 22. November 2018 | Ausgabe 47

Die Bundesnetzagentur hat die Vergaberegeln zur 5G-Auktion veröffentlicht. Netzbetreiber warnen davor, dass der kommende Ausbau sich verzögert.

BU 5G
Foto: R. Bönsch

Die Auktion von 5G-Frequenzen im niedrigen GHz-Bereich ist fürs Frühjahr 2019 geplant. Die jetzt veröffentlichten Rahmenbedingungen sehen einen größeren Ausbau entlang von Verkehrswegen vor und schreiben teils eine Latenzzeit von 10 ms vor.

Der allgemeine Druck auf die Bundesnetzagentur scheint gewirkt zu haben: Bei der Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G hat die Behörde eine Vorentscheidung für den künftigen Ausbau getroffen. Der finale Entwurf muss jetzt noch vom Beirat abgesegnet werden, in dem Politiker am 26. November über das Regelwerk entscheiden.

Beim vorliegenden Entwurf für die Vergaberegeln bei der Auktion im Frühjahr 2019 werden Netzbetreiber stärker in die Pflicht genommen, als dies in einer vorigen Fassung der Fall war. Bis Ende 2022, so die Bundesnetzagentur, sollen mindestens 98 % der Haushalte in Reichweite des schnellen Netzes mit mindestens 100 Mbit/s sein.

Die Gewinner der Versteigerung, aller Voraussicht nach Telekom, Vodafone und Telefónica, sollen dafür sorgen, dass bis Ende 2024 an allen Bundes- und Landstraßen sowie an allen Zugstrecken, Häfen und den wichtigsten Wasserstraßen schnelles Internet verfügbar ist. Schon bis Ende 2022 sollen Autobahnen, wichtige Bundesstraßen und viel befahrene Zugstrecken versorgt sein. Auf ihnen und auf ICE-Strecken sollen dann 100 Mbit/s, auf kleineren Straßen und weniger genutzten Zugstrecken 50 Mbit/s verfügbar sein. Bei diesen Übertragungsraten müssen Netzbetreiber sich nicht auf 5G festlegen, sondern können auch auf LTE-Technik (4G) zurückgreifen.

Allerdings soll die Latenzzeit in Deutschland auf Autobahnen und Bundesstraßen bei max. 10 ms liegen. Automobilbauer hatten sich geringe, flächendeckende Verzögerungsraten gewünscht, um 5G fürs autonome Fahren zu nutzen. Die Crux: In Testumgebungen unter idealen Bedingungen könnte es möglich sein, mit LTE unter 10 ms zu kommen. In kommerziellen Netzen aber dürfte das unrealistisch sein, verraten Netzausstatter.

Die GSMA, die internationale Vereinigung von weltweit rund 800 Mobilfunkbetreibern, begrüßte am Freitag letzter Woche zunächst die Entscheidung der Bundesnetzagentur, das gesamte Spektrum zwischen 3,4 GHz und 3,8 GHz für die nächste Mobilfunkgeneration freizugeben. Doch sie warnte auch, dass einige der vorgeschlagenen Bedingungen für die Zuteilung die 5G-Zukunft verzögern könnten. Bitkom-Präsident Achim Berg hält die Auflagen in vielen Punkten für überzogen. „Sie gefährden das gesamte Verfahren. Es droht ein Szenario, wonach Deutschland beim 5G-Ausbau zurückgeworfen wird und international den Anschluss verliert.“

Die Deutsche Telekom wird deutlich. Die Auflagen für die Auktion gingen weit über das hinaus, was die Behörde zuvor selbst als zumutbar und verhältnismäßig bewertet habe, betont Wolfgang Kopf, Leiter Zentralbereich Politik und Regulierung. Ein solch falsch dimensionierter Ausbau sei wirtschaftlich unrealistisch, setze falsche Prioritäten, werde an bürokratischen Hindernissen scheitern und ignoriere die Grundlagen der Physik. Letzteres, weil sich die zur Vergabe anstehenden Frequenzen gerade nicht für den flächendeckenden Ausbau mit schnellem mobilen Internet eigneten. Die Entscheidung über Milliardeninvestitionen erfordere „Verhältnismäßigkeit und Rechtssicherheit“, so Kopf. Ähnlich sehen das die beiden anderen Mobilfunkbetreiber in Deutschland. Die Vorschläge werden jetzt in Bonn, Düsseldorf und München intensiv juristisch geprüft. Ob es zu einer Klage kommt, stand bis Redaktionsschluss noch nicht fest.