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Montag, 22. Januar 2018

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„Weihnachten spüren wir schon im Frühling“

Von Simone Fasse | 21. Dezember 2017 | Ausgabe 51

Der größte bayerische Lackhersteller hat seinen Stammsitz in Fürth – die Leonhard Kurz Stiftung & Co. KG.

ISkin
Foto: Kurz

Dünnste Schichten aufbringen zu können, darauf hat sich der Technologiespezialist Kurz aus Fürth fokussiert.

Die Flakonverpackung glitzert, das Logo auf der Pralinenschachtel strahlt in Goldlettern – wenn zum Fest die Geschenke ausgepackt werden, sorgt häufig auch das Know-how der Leonhard Kurz Stiftung & Co. KG für ein bisschen mehr Glanz. „Wir spüren Weihnachten schon im Frühling“, sagt Vice President Markus Hoffmann. Der Maschinenbau-Ingenieur ist bei der Kurz-Gruppe verantwortlich für Sales und Marketing und zudem Mitglied der Geschäftsleitung. „Hochwertige Prägefolien haben eigentlich ganzjährig Saison, das geht inzwischen vom Parfum über Spirituosen bis hin zum Hundefutter.“

Leonhard Kurz Stiftung & Co. KG

Kurz ist Spezialist für Heißpräge- und Beschichtungstechnologie: Ob Autoteile, Notebooks, Fernseher, Flaschenetiketten oder Bankkarten – überall dort, wo besonders dünne Beschichtungen benötigt werden, kommt die Expertise des größten bayerischen Lackherstellers ins Spiel.

Foto: Kurz

Markus Hoffmann: Der Maschinenbau-Ingenieur leitet bei der Kurz-Gruppe Sales und Marketing und ist zudem Mitglied der Geschäftsleitung.

„Kurz-Beschichtungen dekorieren Produkte, kennzeichnen Waren, schützen Oberflächen und verhindern Fälschungen“, erläutert Hoffmann. „Wir liefern weltweit Innovationen in der Dünnschichttechnologie – von der Entwicklung bis zur Serienproduktion. Hier liegt unsere Kernkompetenz.“

Die Kompetenz hat eine lange Tradition, die ihren Ursprung in der Herstellung und dem Vertrieb von Blattgold hat. Denn um die Jahrhundertwende bildeten die Städte Fürth, Nürnberg und Schwabach das Zentrum der deutschen Blattgoldindustrie. Anfang der 1930er-Jahre gelang es Konrad Kurz, dem Sohn des Firmengründers Leonhard, Gold im Vakuum auf ein Trägerband aufzubringen. Die Schicht wurde damit dünner und gleichmäßiger – ein entscheidender Vorsprung gegenüber dem von Hand geschlagenen Blattgold. Ende der 1950er-Jahre führte das Unternehmen die Aluminiumbedampfung ein und legte damit die Grundlage für den Durchbruch der metallisierten Prägefolie.

Schon in den 1960er- und 1970er-Jahren expandierte die Firma nach Asien und in die USA. Bis heute ist die Kurz-Gruppe nach eigener Aussage der weltweit größte Prägefolienhersteller. Dabei konzentrieren sich die inzwischen 5000 Beschäftigten an neun Produktionsstätten weltweit nicht nur auf die eigene Entwicklung von Lacken und Rezepturen. Auch die dazugehörigen Produktionsanlagen werden bei Kurz selbst gefertigt.

„Es gibt bereits viele Standards, aber die Anforderungen sind für jede Industrie anders“, erklärt Marketing- und Vertriebschef Markus Hoffmann. „Deshalb setzen wir auf die Entwicklung eigener Technologien und Maschinen für unsere Kunden.“ Kein leichtes Vorhaben bei wachsender globaler Konkurrenz und immer engeren Termin- und Budgetvorgaben. „Der Faktor Zeit spielt in unserem Geschäft eine große Rolle“, bestätigt Hoffmann.

Damit möglichst effizient gefertigt werden kann, sind für das Unternehmen enge Beziehungen zu den Kunden überlebenswichtig. „Wir versuchen sehr proaktiv am Markt zu sein. Die Zukunft für neue Produkte können wir zwar nicht voraussagen, aber wir versuchen möglichst schnell zu reagieren, wenn sich eine neue Entwicklung andeutet. Dafür wollen wir zeitnah verstehen, was die Kunden tatsächlich brauchen und müssen in allen Bereichen immer schnell und beweglich bleiben.“

Kurz setzt zudem auf eine weltweite Präsenz und geringe Distanzen. „China gehört heute zu unseren wichtigsten Standorten – nicht nur für die Fertigung und den Vertrieb, sondern auch für eigene Entwicklungen für die Kunden vor Ort.“

Beispiel Sicherheit: Hier ist das Unternehmen seit 1975 tätig, die von holografischen Prägefolien hat sich zu einem der wesentlichen Standbeine entwickelt. Der Neubau einer separaten Sicherheitsfolienproduktion in Sulzbach-Rosenberg zeigt, wie hoch deren Bedeutung für das Unternehmen heute ist.

Das fränkische „Fort Knox“ ist inzwischen sogar der größte Produktionsstandort des Unternehmens. Hält man beispielsweise die neuen 20- oder 50-€-Scheine in der Hand, kommt der holografische Sicherheitsstreifen darauf von Kurz. Auch der Brexit ist für das Unternehmen kein Beinbruch, werden doch für das neue Pfund die entsprechenden Sicherheitsmerkmale benötigt.

Spezialist fürs Spezielle: Vielfach lassen sich nur mit den Transfertechnologien der Ingenieure aus Sulzbach-Rosenberg besondere Dekorationen herstellen, für die es kaum alternative Verfahren gibt, so zum Beispiel bei hochglänzenden Metallisierungen für moderne Kühlergrille; oder bei der Integration von Touch-Steuerungen im Fahrzeuginnenraum.

Doch so manche Branche ist heute deutlich schnelllebiger und nicht mehr so leicht vorhersehbar, das gilt besonders für die Unterhaltungselektronik. Nicht alle Investitionen zahlen sich am Ende auch aus. Doch dieses Risiko trägt die Inhaberfamilie mit viel Unternehmergeist mit.

Die Eigner seien „dem Geschäft leidenschaftlich verbunden und stets investitionsfreundlich auch für langfristige Ziele“, beschreibt es Hoffmann. Auch die Belegschaft ist immer wieder bei den neuen Entwicklungen gefordert. „Ob Konsumelektronik oder Bankensektor – alle Branchen sind im ständigen Wandel. Darauf reagieren wir so schnell wie möglich. Wir brauchen deshalb Mitarbeiter, die viel Offenheit für Neues und eine Menge geistige Beweglichkeit mitbringen.“

Den passenden Nachwuchs dafür rekrutiert die Kurz-Gruppe unter anderem über ein eigenes Traineeprogramm. „Hier lernen unsere Nachwuchskräfte die Vielfalt unserer Anwendungen kennen, sind international unterwegs und haben genug Zeit, die für sie passende Funktion zu finden.“

Mit Erweiterungen wie der Tochtergesellschaft Kurz Digital Solutions werden neue Marktsegmente angesteuert, zum Beispiel um optische Funktionen mit mobilen Datenzugriffen zu verknüpfen. Auch die gedruckte Elektronik nimmt immer größeren Raum ein; seit 2010 gehört das zunächst als Joint Venture mit Siemens angelegte Unternehmen PolyIC vollständig zur Unternehmensgruppe.

Um nicht sämtliches Know-how in der Organisation selbst aufbauen zu müssen, setzt Kurz auf gezielte Zukäufe, so mit dem Automobilzulieferer Burg Design, der auf die Gestaltung der Wageninnenräume spezialisiert ist, oder der Baier GmbH, einem Hersteller von Heißprägemaschinen.

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