Studie des VDI 19. Dez 2019, 20:27 Uhr Von VDI

Automatisiertes Fahren wird skeptisch betrachtet

Automatisiertes Fahren bringt erhebliche Verbesserungen beim Klimaschutz und bei der Verkehrssicherheit. Es hapert an der Vermittlung dieser Erkenntnisse.

Nur 42 % der Bevölkerung geht davon aus, dass der CO2-Ausstoß durch selbstfahrende Fahrzeuge verringert werden kann.
Foto: PantherMedia / MarkoAliaksandr

Die Ergebnisse der VDI-Studie „Automatisiertes Fahren in der Smart City“ zeigen, dass automatisiertes Fahren erhebliche Verbesserungen in den Bereichen Klimaschutz, Verkehrssicherheit und in Form von adäquaten Mobilitätskonzepten nach sich zieht. Die Studie zeigt, dass die Bevölkerung dem jedoch skeptisch gegenübersteht und die Klimapotenziale des automatisierten Fahrens unterschätzt. Lediglich 42 % der 1000 befragten Bundesbürger gehen davon aus, dass der CO2-Ausstoß durch selbstfahrende Fahrzeuge verringert werden kann.

Die fachliche Sicht auf die Bewertung der klimaschonenden Effekte ist hingegen deutlich positiver. Je nach Fahr­weise der Fahrer sollten sich Kraftstoff­einsparungen von 15 % und mehr realisieren lassen. Grund hierfür sind vor allem Möglichkeiten, mit denen das Fahrverhalten in bestimmten Verkehrssituationen gezielt optimiert werden kann – zum Beispiel beim Anfahren im Stop-and-Go-Verkehr, wo der Kraftstoffverbrauch besonders hoch ist.

Zweifel an Sicherheitsgewinn

Der zweite zentrale Punkt der Studie zielt auf die Verkehrssicherheit ab. Auf fachlicher Ebene wird eine deutliche Steigerung der Verkehrssicherheit prognostiziert, während knapp die Hälfte der befragten Bevölkerung an einem Sicherheitsgewinn eher zweifelt. Verschiedene Studien sagen, dass 91 % aller Unfälle in Deutschland hauptsächlich auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen sind. Durch den vermehrten Einsatz beispielsweise von Antiblockier­systemen ist bereits eine deutliche Minderung der Unfallzahlen sichtbar.

Lediglich 51 % der Befragten sind davon überzeugt, dass die Sicherheit im Straßenverkehr durch automatisierte Fahrzeuge erhöht werden könnte. Ein Grund für diese Einschätzung könnte u. a. in einer großen Angst vor Hackerangriffen liegen. So stimmten acht von zehn Befragten der Aussage zu, dass selbstfahrende Fahrzeuge Ziel von Hackerangriffen sein könnten. Dritte zentrale Erkenntnis ist, dass nur jede vierte befragte Person es begrüßen würde, wenn der ÖPNV in Zukunft komplett ohne Fahrer betrieben würde. „Fahrer­lose Fahrzeuge benötigen nach wie vor Ausnahmegenehmigungen und werden in der Regel nur mit einer Begleitperson bzw. Sicherheitsfahrer betrieben“, kommentiert Lutz Eckstein, Vorsitzender der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik. „Dieser wird mittelfristig in einer Leitwarte sitzen und wie ein Fluglotse für mehrere Fahrzeuge zuständig sein.“

Akzeptanz entsteht aus gelebtem Nutzen

Die Ergebnisse der Bürgerumfrage zeigen: „Wir brauchen Öffentlichkeitsarbeit, Bürgerdialoge und Beteiligungsmöglichkeiten, bei denen Bürgerinnen und Bürger aktiv bei der Ausgestaltung der Mobilität in der Smart City eingebunden werden“, so VDI-Präsident Volker Kefer. Ergänzend meint Lutz Eckstein: „Akzeptanz entsteht mit dem erlebbaren Nutzen. Ein Living Lab könnte es beispielsweise ermöglichen, ein Mobilitätskonzept im Alltag zu ‚erfahren‘ und zu dessen weiterer Optimierung beizutragen.“

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