Auf dem Weg zur Klimaneutralität 05. Nov 2020 Von Peter Sieben

Energieeffizienz ist die Säule der Energiewende

VDI-Empfehlung: Nur Überschussstrom in andere Energieträger umwandeln.


Foto: panthermedia.net / jannystockphoto

Das Ziel ist klar: Europa will langfristig klimaneutral werden. Doch fossile Brennstoffe decken noch immer einen nicht unerheblichen Teil des Energiebedarfs. Auch in Deutschland: Fast 80 % des Primärenergie­bedarfs und rund 35 % des Stroms stammen aus fossilen Energiequellen.

Welche echten Alternativen gibt es? Strom aus Kernkraftwerken scheidet aus. Ganz abgesehen von den Risiken, die diese Form der Energiegewinnung birgt, ist er tatsächlich nicht CO2-neutral. Denn besonders vor und nach der Stromproduktion entstehen Treibhausgase: etwa beim Uranabbau sowie beim Bau und Rückbau der Kraftwerke und schließlich bei der Endlagerung von Atommüll. Wasserkraftwerke oder Biomassekraftwerke sind zumindest hierzulande nur bedingt geeignet, den Strombedarf zu decken. Auch die Abscheidung und Lagerung von CO2 aus Kraftwerken ist bei uns in Deutschland eher eine theoretische Option. Eine klimaneutrale Energiegewinnung ist nach Ansicht vieler Experten in Deutschland im Wesentlichen nur mit Windkraft und Photovoltaikanlagen möglich.

Energiewende kann gelingen

Die Energiewende kann nur gelingen, wenn die Energie auch effizient genutzt wird, sagt Jochen Theloke, Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt: „Tatsächlich ist Energieeffizienz eine tragende Säule der Energiewende.“ Doch was bedeutet Energieeffizienz genau? Gut erklären lässt sich das am Beispiel Wärmeerzeugung: Energieeffizienz beschreibt das Verhältnis eines bestimmten Nutzens, eben etwa die Erzeugung von Wärme, zum Energieeinsatz, der dafür aufgewendet werden muss. Die Gleichung ist einfach: Je weniger Energie eingesetzt werden muss, desto energieeffizienter ist das Produkt.

Um beim Beispiel Wärmeerzeugung zu bleiben: CO2-frei ist sie nur direkt mit Strom oder mithilfe synthetischer Brennstoffe möglich. Bei der Erzeugung solcher synthetischer Stoffe wird allerdings deutlich mehr Strom verbraucht, als bei der direkten Stromnutzung. „Da aus Akzeptanzgründen, aber auch aus ökologischen und ökonomischen Gründen die Flächen für Windkraft- und Freiflächen-Photovoltaikanlagen begrenzt sind, sollten wir möglichst zuerst erneuerbaren Strom als Strom nutzen und nur Überschussstrom in andere Energieträger umwandeln“, so Theloke.

Primärenergieverbrauch bis 2050 halbieren

Die Bundesregierung hat das Thema Energieeffizienz längst auf der Agenda: Die deutsche Wirtschaft soll weltweit zur energieeffizientesten Volkswirtschaft werden. Bis 2050 soll der Primärenergieverbrauch gegenüber 2008 halbiert werden. Das ist der richtige Weg, glaubt Jochen Theloke: „Nicht nur die energetische Effizienz, sondern auch die stoffliche Effizienz ist maßgeblich für die Energiewende. Denn durch Einsparung und Wiederverwendung von Rohstoffen kann der Energie- und Rohstoffbedarf reduziert und so direkt die Treibhausgasemission vermindert werden.“

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