DIW-Studie zu FuE-Ausgaben 23. Nov 2017, 08:56 Uhr Peter Steinmüller

Auslandsinvestitionen deutscher Unternehmen gehen nicht zulasten des Inlands

Die FuE-Aufwendungen deutscher Unternehmen im Ausland haben sich gegenüber dem Jahr 2003 mehr als verdoppelt, zeigt eine aktuelle Studie des DIW. Gleichzeitig stiegen aber auch ihre inländischen Investitionen stark besonders im Kraftfahrzeugbau und der Pharmaindustrie.


Foto: panthermedia.net / ArtemSam

Die FuE-Aufwendungen deutscher Unternehmen im Ausland haben sich gegenüber dem Jahr 2003 mehr als verdoppelt, zeigt eine aktuelle Studie des DIW. Gleichzeitig stiegen aber auch ihre inländischen Investitionen stark besonders im Kraftfahrzeugbau und der Pharmaindustrie.
Deutsche Unternehmen haben in den vergangenen Jahren verstärkt im Ausland in Forschung und Entwicklung (FuE) investiert, ohne dass dies zulasten der Investitionen im Inland gegangen wäre. Zwischen 2003 und 2015 hat sich das jährliche Volumen im Ausland von 10,9 auf 24 Mrd. € mehr als verdoppelt. Der Auslandsanteil an den gesamten FuE-Investitionen deutscher Unternehmen betrug damit 35%. Doch auch im Inland stiegen ihre Aufwendungen für Forschung und Entwicklung um 76% auf knapp 45 Mrd. €. Insgesamt entfielen 60% der zusätzlichen FuE-Investitionen auf Standorte in Deutschland und 40% auf das Ausland.

Das sind die Ergebnisse einer Studie Wirtschaftsforschungsinstituts DIW in Berlin. Es hat die jährlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung der deutschen Unternehmen mit internationalen Aktivitäten auf Basis der Daten der Stifterverband Gesellschaft für Wissenschaftsstatistik mbH untersucht. „Die Entwicklung der FuE-Aufwendungen im In- und Ausland verläuft in den Branchen weitgehend parallel“, konstatiert Studienautorin Heike Belitz. Mit einem Zuwachs oder Rückgang der FuE im Inland gehe oft eine gleichgerichtete Veränderung im Ausland einher. „Diese Korrelation ist deutlich sichtbar, wenngleich sie noch keine Kausalität bedeutet“, sagt die DIW-Ökonomin.

Dabei wird die Ausweitung der FuE-Aktivitäten deutscher Unternehmen im Ausland von solchen Unternehmen getragen, die auch im Inland verstärkt investieren. Dies betrifft vor allem den Kraftfahrzeugbau und die Pharmaindustrie. Auf den Kraftfahrzeugbau entfallen 80% der zusätzlichen FuE-Aufwendungen im Inland seit 2003 und immerhin 42% im Ausland. Dort hat auch die Pharmaindustrie ihre FuE-Aufwendungen stark ausgeweitet und ist damit für 32% des Zuwachses der FuE-Ausgaben deutscher Unternehmen im Ausland verantwortlich. Aber auch im Inland haben die deutschen Pharmaunternehmen ihre FuE ausgebaut. Lediglich die Maschinenbauer verstärkten nach 2009 ihre Anstrengungen im Ausland und schraubten sie gleichzeitig im Inland etwas zurück.

Die FuE-Aufwendungen aller Unternehmen in Deutschland stiegen auf 2% Prozent des Bruttoinlandsprodukts und liegen damit gleichauf mit den USA und deutlich höher als etwa in Frankreich und Großbritannien. Treiber der positiven Entwicklung waren in Deutschland die multinationalen Unternehmen mit FuE im Ausland.

Ausländische Unternehmen tätigten in Deutschland im Jahr 2015 interne FuE-Aufwendungen von insgesamt 13,1 Mrd. €, eine Steigerung von 10% Prozent im Vergleich zu 2013, dem Jahr der letzten Erhebung. Im längerfristigen Vergleich geht ihr Anteil jedoch leicht zurück.Der Anteil der ausländischen FuE-Investitionen an den gesamten FuE-Aufwendungen in Deutschland sank seit 2003 von 25,2 auf 21,5%. Ähnliche Anteile haben Frankreich und die Schweiz, in den USA und Japan sind sie mit 16% beziehungsweise 7% deutlich niedriger. Vor dem Hintergrund der Bestände an Direktinvestitionen aus dem Ausland wären allerdings in diesen Ländern höhere FuE-Aufwendungen ausländischer Unternehmen zu erwarten. „Die Forschungspolitik sollte klären, ob in Deutschland für ausländische Unternehmen Zugangshemmnisse zur Forschungslandschaft bestehen“, fordert DIW-Ökonomin Heike Belitz. „Gerade im Spitzentechnologiebereich, wo ausländische Unternehmen bereits besonders aktiv sind, aber auch darüber hinaus könnte die Beseitigung von Hemmnissen zur Intensivierung des internationalen Wissenstransfers beitragen.“

 

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