Nordirland 26. Okt 2018, 00:00 Uhr Von Peter Odrich und Peter Steinmüller

Brexit: Der grünen Insel droht die harte Grenze

In den Brexit-Verhandlungen spielt die Grenze durch Irland eine wichtige Rolle. Ein Scheitern hätte verheerende wirtschaftliche Folgen.

„Keine EU-Grenze in Irland“ fordert das Plakat im nordirischen Newry, direkt an der Grenze zur Republik.
Foto: Charles McQuillan/Getty Images

Heute ist die rund 500 km lange Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland, die sich sogar durch einzelne Häuser zieht, kaum zu bemerken. Die Nordiren zahlen zwar in Pfund, ihre Nachbarn mit dem Euro. Jeder akzeptiert aber die Währung des anderen. Der Norden misst in Meilen, der Süden in Kilometern. Das wirtschaftliche und private Leben spielt sich ab, als ob es keine Grenze gäbe. Doch das kann sich ändern, wenn die Brexit-Unterhändler der EU und der britischen Regierung nicht eine gütliche Einigung finden.

Rund 500 km zieht sich die Grenze durch die irische Insel. Der für Nordirland wichtige Hafen Dublin liegt jenseits der Grenze in der Republik Irland.

Im schlimmsten Fall zöge sich eine EU-Außengrenze mit Passkontrollen und Zollabfertigung durch die grüne Landschaft. Diese „harte Grenze“ würde nicht nur den nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg erzielten Frieden gefährden, sondern auch die wirtschaftlichen Lebensadern der Insel durchschneiden. Mehr als 100 Mio. Menschen wechseln jedes Jahr über die noch unsichtbare Linie. Gesundheitseinrichtungen, Universitäten und Schulen werden gemeinsam genutzt. Nicht zu vergessen die mehr als eine halbe Million Schweine, die pro Jahr von den Bauernhöfen der Republik ihre Reise ohne Wiederkehr in die Schlachthöfe des Nordens antreten. In umgekehrter Richtung wird ein Viertel der nordirischen Milchproduktion in der Republik verarbeitet.

13 000 grenzüberschreitende Transporte pro Tag

Die britische Logistikervereinigung FTA geht von täglich 13 000 grenzüberschreitenden Transporten zwischen Irland und Nordirland in beide Richtungen aus. Der Lkw-Verkehr von Nordirland zum britischen Festland verläuft zum allergrößten Teil über den großen Hafen von Dublin. Denn von dort ist die Entfernung für die vielen Fähren quer durch die Irische See viel kürzer als von Nordirland aus. Und die irischen Lastzüge, die Waren im Verkehr mit dem europäischen Kontinent befördern, setzen von Dublin aus nach Wales oder England über und gelangen via Kanal­tunnelfähren auf das Festland.

Bis zu vier Fünftel dieses Frachtverkehrs fließt über Großbritannien, sodass das EU-Mitglied Irland Gefahr läuft, durch eine harte Grenze vom direkten Zugang zum Binnenmarkt abgeschnitten zu werden. Dabei investiert die Regierung in Dublin gerade massiv in die internationalen Transportwege: Von diesem Jahr bis 2027 sollen 4,8 Mrd. € in Flug- und Seehäfen fließen. Die Flughäfen Dublin und Limerick-Shannon sollen ausgebaut und die Dockanlagen von Cork und der Hauptstadt modernisiert werden.

Beziehungen massiv beeinträchtigen

Eine harte Grenze würde aber auch die engen Wirtschaftsbeziehungen zwischen beiden Teilen der irischen Insel massiv beeinträchtigen. Die Republik ist der wichtigste Handelspartner für Nordirland. In der Gegenrichtung ist das Vereinigte Königreich mit einem Drittel der Einfuhren wichtigster Lieferant der Republik. Zudem war das Vereinigte Königreich 2017 Irlands zweitwichtigster Auslandsmarkt mit einem Anteil von 13,4 %.

Der Brexit gefährdet auch den wirtschaftliche Aufschwung in Nordirland: Dort erlebte der Schiffbau ein Comeback. Begonnen hat das mit der Modernisierung älterer Kreuzfahrtschiffe. Daneben spielt traditionell der Flugzeugbau eine wichtige Rolle. Heute fertigt das Bombardier-Werk in Belfast wesentliche Komponenten für den kleineren Verkehrsjet Airbus 220. Mittlerweile hat sich Nordirland zu einem Hightech-Center entwickelt – nicht zuletzt dank der angesehenen Technischen Hochschule in Belfast.

Religiöse Grenze ist geblieben

Nordirland ist Teil eines Geflechts angelsächsischer Wirtschaftszentren, die bei dem Export und Import von und nach Europa eine wichtige Rolle spielen: neben dem britischen Festland und der Republik Irland sind das vor allem die USA und Kanada.

Auch wenn die politischen Grenzen an Bedeutung verloren haben, so sind die religiösen geblieben. Nach wie vor sind die allermeisten Belegschaften in den Betrieben entweder Protestanten oder Katholiken.

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