IW-Konjunkturampel 19. Mrz 2020 Von Michael Grömling

Konjunktur steuert in unbefahrenes Gewässer

Die ökonomischen Folgen der Coronakrise lassen sich seriös noch gar nicht abschätzen.

Die weltweite Stagnation, die die Grafik zeigt, dokumentiert die Lage vor der Coronakrise. Die gerade ablaufenden Entwicklungen werden erst später abbildbar sein.

Die Corona-Pandemie hat die Welt fest im Griff. Neben dem menschlichen Leid stellen sich Fragen nach den ökonomischen Auswirkungen. Der Blick auf die IW-Konjunkturampel liefert uns noch keine Informationen über das Ausmaß der Krise. Vielmehr signalisiert die Ampel lediglich, aus welcher Situation heraus wir in diese Krise gleiten. Denn die notwendigen Daten stehen stets mit Verzögerung zur Verfügung.

Derzeit ringen Ökonomen nur noch um Orientierung. Was sich gerade zusammenbraut, dürfte völlig neu für alle sein. Zunächst standen der Nachfrageeinbruch in China und ausbleibende Zulieferungen aus Asien im Vordergrund. Dann verschob sich der Fokus auf Italien und weiter auf die großen Länder in Europa. Mittlerweile wurde auch die USA von der Pandemie erfasst. Das soziale und wirtschaftliche Leben kommt in allen großen Volkswirtschaften mehr und mehr zum Erliegen.

Kein Vergleich mit Finanzkrise

Das ist nicht zu vergleichen mit der Finanzmarktkrise von 2009. Es zeigt sich Tag für Tag, dass es nicht mehr nur der Rückgang der Auslandsgeschäfte einschließlich der Zulieferungen in den internationalen Wertschöpfungsketten ist, der sich wie Mehltau auf das Wirtschaftsleben legt. Es kommen vielmehr auch die Binnenmärkte zum Erliegen. Die im Inland weit gespannten Verflechtungen kommen durch die eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten und Verzögerungen unter große Anspannung. Das ist unbefahrenes Gewässer und nicht vergleichbar mit den bekannten Angebots- und Nachfrageschocks. Vielmehr erleben wir die Entladung dieser Schocks zur gleichen Zeit und in voller Breite. Soweit man über die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung spekuliert, wird ein Einbruch der Weltwirtschaft in diesem Jahr unvermeidbar sein. Ab März dreht die deutsche Wirtschaft für ein paar Monate in die Rezession. Wie stark ist offen.

Maßnahmen richtig und wichtig

Die Maßnahmen der Bundesregierung sind richtig und wichtig. Es gibt keine ernsthafte Alternative zu den gegenwärtig vorgenommenen Stabilisierungsmaßnahmen. Das Gesundheitssystem muss jetzt funktionieren. Die Kurzarbeit stabilisiert Beschäftigung, Einkommen und Konsum. Die Maßnahmen zur Liquiditätssicherung sollen das Überleben von Unternehmen gewährleisten und damit auch die Erholungschancen nach der unmittelbaren Krise. Diese Maßnahmen verhindern sich selbst verstärkende Abwärtsspiralen. Sorge bereitet, dass die Weltwirtschaft vor allem durch den Protektionismus und Nationalismus bereits geschwächt war. Hier liegt auch die große Chance, die Weichen für eine schnelle Erholung nach der Coronakrise zu stellen.

Die Konjunkturentwicklung in Deutschland zeigt im Zeitverlauf die anhaltende Stagnation. Die Coronakrise ist von den Daten noch nicht erfasst. Grafik: IW

Die Konjunkturentwicklung seit 2008 zeigt noch einmal eindrücklich, wie die Finanzkrise die Wirtschaft schädigte. Aber auch, wie schnell sie sich davon erholte. Die Folgen der Coronakrise sind völlig offen. Grafik: IW

Ein ähnliches Bild zeigt sich für die Eurozone. Die Pandemie wird im BIP der betroffenen Länder heftige Einschnitte hinterlassen. Grafik: IW

Donal Trump will die Konjunktur massiv mit staatlichen Interventionen stützen. In den vergangenen Monaten zeigte sich die Wirtschaftentwickilung der USA stabil. Grafik: IW

Die Volksrepublik China verzeichnete in den vergangenen Monaten keine Zuwächs mehr. Der Coronausbruch wird sich erst in den nächsten Analysen zeiggen, wenn aktuelle Daten vorliegen. Grafik: IW

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