Verteilung der Vermögen 13. Mrz 2020, 12:00 Uhr Von Wolfgang Schmitz/idw

Reiche werden immer reicher

Die reichsten 50 % der Deutschen haben ihr Vermögen seit der Wiedervereinigung verdoppelt, die ärmsten 50 % haben praktisch nichts hinzugewonnen. Das zeigt eine aktuelle Studie der Universitäten Bonn und Köln.


Foto: panthermedia.net/ Andriy Popov

Die Studie „Die Verteilung der Vermögen in Deutschland von 1895 bis 2018“ bildet die erste umfassende Analyse von langfristiger Vermögensungleichheit in Deutschland. Grundlage für die Ergebnisse sind historische Steuerdaten, Studien und Umfragen sowie Reichenrankings der letzten 125 Jahre. Bundesfinanzminister Olaf Scholz nahm die Studie in Berlin entgegen.

Demnach wurde seit der Wiedervereinigung die obere Mittelschicht deutlich reicher, während die Armen weiter arm blieben. Seit 1993 konnten die reichsten 50 % der Deutschen ihr Realvermögen verdoppeln, im Gegensatz dazu gewannen die ärmsten 50 % fast nichts an Vermögen hinzu. Der Anteil der unteren 50 % der Deutschen am Gesamtvermögen hat sich seit 1993 sogar fast halbiert.

Vor allem der Aktien- und Immobilienboom habe zu dieser Entwicklung geführt. Denn wer ein Haus, eine Wohnung oder andere Vermögenswerte besitzt – und vorher bereits genügend Vermögen auf der Seite hatte, um sich solches zu leisten – konnte im vergangenen Jahrzehnt von den gestiegenen Preisen profitieren. An den Haushalten der unteren Vermögensverteilung ist die Entwicklung nahezu vorbeigegangen.

Sozialer Zusammenhalt gefährdet

Der französische Wirtschaftswissenschaftler Thomas Piketty, Professor an der Paris School of Economics, kommentierte die Studie in Berlin: „Es wird deutlich, dass die Wohlstandsunterschiede nach wie vor extrem hoch sind und seit den 1990er-Jahren zugenommen haben. Der begrenzte Zugang zu Eigentum und wirtschaftlicher Teilhabe der unteren Bevölkerungshälfte sowie die große Konzentration von Reichtum und wirtschaftlicher Macht an der Spitze sollten Deutschland und Europa insgesamt Sorgen bereiten.“

Das Auseinanderklaffen von Reich und Arm stützen weitere Zahlen: Während 1993 die oberen 10 % der Haushalte im Mittel noch 50-mal reicher waren als die unteren 50 %, verdoppelte sich auch diese Zahl bis 2018.

„Für eine kluge und durchdachte Politik ist eine solide Bestandsaufnahme unabdingbar“, lobt Bundesfinanzminister Olaf Scholz die Studie. „Sozialer Zusammenhalt kann nur gelingen, wenn alle am Wachstum und Erfolg unserer Gesellschaft teilhaben.“

Kapitalgesellschaften falsch eingeschätzt

Aktuelle Statistiken bewerten zudem das Gesamtvermögen der deutschen Haushalte zu niedrig. Insbesondere die vielen Kapitalgesellschaften sowie Quasikapitalgesellschaften werden in Deutschland statistisch viel zu gering eingeschätzt. „Wenn man internationale Bewertungsmethoden anlegt, dann sehen wir, dass das deutsche Betriebsvermögen 2018 rund 4 Billionen € und das Immobilienvermögen mehr als 9 Billionen € betrug. Damit wurde das deutsche Betriebsvermögen um bis zu 2 Billionen € zu niedrig bewertet“, erläutert Ökonom und Studienautor Moritz Schularick die Ergebnisse.

Die Studie ist im Rahmen von ECONtribute entstanden. Es handelt sich dabei um den einzigen wirtschaftswissenschaftlichen von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Exzellenzcluster, getragen von den Universitäten in Bonn und Köln.

Stellenangebote

Hochschule Merseburg

Professur Fertigungstechnik (W2)

Merseburg
Hochschule Merseburg

Professur Konstruktionstechnik (W2)

Merseburg
THD - Technische Hochschule Deggendorf

Professor oder Professorin (m/w/d) Unternehmensführung und Technologiemanagement (W2)

Pfarrkirchen
Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften

Technische Referendare / Bauoberinspektor-Anwärter (m/w/d)

Hannover
Westsächsische Hochschule Zwickau (FH)

Professor (m/w/d) für Automatisierungstechnik und Mikroprozessor-Systeme W2

Zwickau
Staatliches Baumanagement Niedersachsen

Technische Referendare / Bauoberinspektor- Anwärter (m/w/d)

Hannover
Hochschule Osnabrück

Professur (W2) für nachhaltige Lebensmittel- und Verpackungstechnik

Osnabrück
Hochschule für angewandte Wissenschaften München

W2-Professur für Bauproduktionsplanung und Prozessoptimierung (m/w/d)

München
Hochschule Hannover

W2-Professur Physik und Messtechnik

Hannover
Hochschule Ruhr West

Kanzler der Hochschule Ruhr West (m/w/d)

Mülheim an der Ruhr
Zur Jobbörse

Das könnte Sie auch interessieren

Empfehlungen der Redaktion

Top 10 aus der Kategorie Finanzen