WIRTSCHAFT 10. Jul 2019, 14:38 Uhr Michael Vetter

Wie Bankkunden ihre Bonität verbessern können

Die Kreditkonditionen von Banken hängen entscheidend von der Bonitätsbewertung ab. Welche Kriterien fließen ins Scoring ein, was kann man tun für niedrigere Zinsen?

Kreditberatung: Kunden sollten darauf bestehen, dass die Bank erläutert, wie sie beim Scoring die Bonität tatsächlich ermittelt.
Foto: Odilon Dimier/dpa

Jede Kreditvergabe erfolgt grundsätzlich nach den gleichen Kriterien: Neben der persönlichen Kreditwürdigkeit (Ist der Kunde finanziell zuverlässig?) wird die materielle Kreditwürdigkeit (Kann der Kunde die Zins- und Tilgungsraten vertragsgerecht leisten?) vom jeweiligen Bankinstitut geprüft.

Was versteht man unter Scoring?

– Beim Scoring werden Prognosewerte für die Wahrscheinlichkeit berechnet, mit der ein Kunde seine Zahlungsverpflichtungen bei einem Kredit erfüllen kann.

– Dieses Verfahren wenden Wirtschaftsauskunfteien wie die Schufa oder die Creditreform an. Kreditgeber und Versicherungen betreiben aber oft auch ein eigenes Scoring.

– Die Schufa gibt auf Anfrage Auskunft über die gespeicherten Daten, nicht aber über seine Rechenmethode.

– Nach einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) ist die Schufa auch nicht verpflichtet, ihre Berechnungsmethode offenzulegen.

– Gegen dieses Urteil wird jetzt vor dem Bundesverfassungsgericht geklagt.

– Darüber hinaus prüft Bundesverbraucherschutzminister Heiko Maas eine Änderung der Rechtslage, um die Auskunftsansprüche der Bürger zu verbessern. dpa/ps

Wesentlicher Bestandteil dieser Prüfung ist das sogenannte Scoring, das in hohem Maße die Kreditbewilligung insgesamt sowie letztlich auch die Höhe des jeweiligen Kreditzinssatzes beeinflusst.

Einen Schwerpunkt solcher Kreditbeurteilungen bildet die Vertragstreue des Kreditkunden. Diese Vertragstreue geht je nach Bankinstitut über die pünktlichen Zahlungen der Zins- und Tilgungsraten weit hinaus.

So wird bankseitig beispielsweise darauf geachtet, dass etwa Vereinbarungen über die Umsatz- oder Einnahmenverteilung eines Ingenieurbüros (oder auch des Ingenieurs als Freiberufler) strikt eingehalten werden.

Wird im Kreditvertrag also festgelegt, dass 90 % der Umsätze bzw. Einnahmen über das Geschäftskonto der Hausbank geleitet werden müssen, handelt es sich dabei keineswegs um eine unverbindliche Empfehlung. Der Kunde übernimmt damit vielmehr eine klar definierte Verpflichtung, der er auch nachkommen sollte.

Die Bank ist durch die betriebswirtschaftlichen Unterlagen ihres Kunden in der Lage, die Umsatzverteilung nachzuvollziehen. Das Umsatzvolumen ist häufig unmittelbar an die Höhe des Kreditzinses gekoppelt. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass der Kreditgeber auf einer entsprechenden Umsatzvereinbarung besteht – und diese auch kontrolliert. Rudolf Loibl, Unternehmensberater aus Straubing, sieht hier vor allem kundenseitig noch Nachholpotenzial. Nach seinen Erfahrungen werden diesbezügliche kreditvertragliche Verpflichtungen „nicht immer vollständig eingehalten“.

Ein weiterer Punkt, der beim Scoring auffällt, betrifft die Überziehungsqualität: Kunden, die sich nahezu ohne Unterbrechung am (oder gar über) dem Kreditlimit des Geschäftskontos bewegen, müssen mit Abstufungen rechnen. Gleiches gilt für Bankkunden, die regelmäßig Probleme haben, bei der Vorlage von Lastschriften für entsprechende Kontodeckung zu sorgen.

Vor allem dieser Punkt wird von Banken zunehmend automatisiert: Fehlt es bei vorgelegten Lastschriften an der erforderlichen Kontodeckung oder bietet der Überziehungskredit keinen weiteren Spielraum, erfolgt keine Einlösung.

Die Argumentation der Banken erscheint schlüssig: Im Rahmen der Kontodisposition muss der Kunde für entsprechende Deckung sorgen. Hier kann übrigens auch der jeweilige Kundenberater kaum helfen. Auch er erfährt meist nicht, ob die Einlösung einer Lastschrift mangels Kontodeckung verweigert wurde.

Dieser Vorgang wird bei vielen Banken nämlich längst zentral gesteuert. Er ist daher weitgehend unabhängig von der jeweiligen Filiale, bei der das Geschäftskonto geführt wird.

Das Scoringverfahren führt die Bank regelmäßig auf Basis kontenbezogener Kundenmerkmale durch. Dazu gehören auch Informationen wie die Zahl der Monate mit negativem Kontostand, die Zahl der Rücklastschriften bzw. von Rückschecks sowie die Entwicklung der aktuellen Habenumsätze zu den durchschnittlichen Habenumsätzen beispielsweise des vergangenen halben Jahres.

Was können Kunden nun konkret tun, wenn sie ihr Scoring bei Banken verbessern wollen?

-Kunden sollten zunächst ihre Bank – nachdrücklich – um eine Aussage darüber bitten, wie diese ihre Bonität innerhalb des Scoring-Verfahrens en détail ermittelt.

– Die sich daraus ergebenden Rückschlüsse sollten beide Geschäftspartner nutzen, um die Kunde-Bank-Beziehung zu optimieren – etwa durch eine verbesserte Kontoführung oder durch einen intensiveren Informationsfluss.

– Da das Scoring regelmäßig durchgeführt wird, sollte mit der Bank ebenso regelmäßig über die Entwicklung und anzustrebende Verbesserung des Scores geredet werden.

Durch eine solche schrittweise Verbesserung des Scores können Kunden die Kreditkonditionen zum Teil erheblich verbessern.

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