IW-Konjunkturampel 17. Dez 2020 Von Michael Grömling

Wirtschaft: Banges Warten auf das Frühjahr

Die Erholung der Weltwirtschaft hängt wesentlich von den Impferfolgen ab.

Viele Felder in der Konjunkturampel stehen auf Grün. Aber nach den steilen Abstürzen der vergangenen Monate haben die einzelnen Staaten und die Eurozone noch einen langen Weg zum Normalzustand vor sich. Grafik: IW

Das Wirtschaftsleben rund um den Globus wird von den Einschränkungen des gesellschaftlichen und ökonomischen Lebens als Reaktion auf die erneute Welle von Covid-19-Infektionen ausgebremst. Das dämpft Konsum und Investitionen. Es ist zu befürchten, dass auch das erste Quartal 2021 von ansteigenden Belastungen – und in Teilen Überlastungen – der Gesundheitssysteme gezeichnet sein wird. Ein Stop and Go im Wirtschaftsleben scheint unausweichlich – die Investoren gehen in den Wartemodus.

Die Investitionen in Maschinen und Ausstattungen waren in Deutschland bereits über weite Strecken des Jahr 2019 rückläufig. Dieser Rückgang hat sich im ersten Halbjahr 2020 mit hoher Fallgeschwindigkeit fortgesetzt. Die Empfindlichkeit der Ausrüstungsinvestitionen in Konjunk­turkrisen ist bekannt. Positiv überraschend war die starke Erholung im dritten Quartal, die auch in der IW-Konjunkturampel sichtbar ist. Jedoch wird diese Erholung im Winterhalbjahr wieder unterbrochen. Für das laufende Jahr wird ein Rückgang der preisbereinigten Ausrüstungsinvestitionen von 14 % erwartet. Nach dem erwarteten Rückgang im Winterhalbjahr sollte sich ab dem Frühjahr eine kräftige und anhaltende Erholung bei den Investitionen einstellen.

Vorsicht bei Investitionen

Gemäß der vorherigen IW-Konjunkturumfrage sind die Unternehmen bei ihren Investitionserwartungen für 2021 noch vorsichtig. Der Anteil der Unternehmen, die mit höheren Investitionen planen, ist mit 29 % genauso hoch wie der Anteil der Firmen mit rückläufigen Investitionen. Die verbleibenden 42 % erwarten stabile Investitionen. Vor allem kleinere Unternehmen sind pessimistisch.

Unter der Voraussetzung einer sich global aufhellenden Wirtschaftsstimmung werden die Ausrüstungsinvestitionen 2021 in Deutschland um 7 % zulegen. Auch hier dämpft der von Zurückhaltung geprägte Jahresstart den Jahresdurchschnitt. Zum Jahresende 2021 wird das Niveau der realen Ausrüstungsinvestitionen nahezu auf demjenigen vom vierten Quartal 2019 liegen – das ist gleichwohl noch deutlich unterhalb des Durchschnitts der Jahre 2018 und 2019.

Impfoffensiven sorgen für Zuversicht

Diese Erwartung speist sich aus dem aufgebauten Bedarf an Ersatzinvestitionen – sofern die Finanzierungen nicht unter einer eingeschränkten Kreditvergabe der Banken leiden. Eine darüber hinausgehende Investitionstätigkeit wird aber nur dann einsetzen, wenn auch die Weltwirtschaft einen positiven Verlauf einschlägt. Dafür ist entscheidend, dass die Zulassungen von Impfstoffen und damit einsetzende Impfoffensiven wieder Zuversicht für eine nachhaltige Eindämmung der Pandemie schaffen. Bei schnellen globalen Impffortschritten kann sich vieles an aufgestautem Konsum- und Investitionspotenzial schneller und stärker entladen. Gute politische und institutionelle Bedingungen im globalen Rahmen würden dies erleichtern.

Die deutsche Wirtschaft erholt sich seit einigen Monaten wieder. Wie es im nächsten Jahr weiter geht, hängt wesentlich von der Entwicklung des Welthandels ab. Grafik: IW

In Europa kämpfen viele Staaten mit hohen Infektionszahlen. Das spiegelt sich in den Wirtschaftsdaten wider. Grafik: IW

Die Konjunktur in den USA hat seit dem Herbst wieder deutlich zugelegt.
Foto: IW

Nach dem ersten Coronaschock erholt sich die chinesische Wirtschaft seit dem Frühsommer 2020. Das kommt auch der deutschen Industrie zugute. Grafik: IW

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