Windkraft an Land steckt in der Krise 23. Jan 2020, 20:00 Uhr Von Stephan W. Eder

Offshore-Windkraft unverzichtbar für Energiewende

Schnell viel Leistung für Ökostrom zubauen, das geht mit Windrädern auf See. Die EU setzt beim Green Deal massiv darauf.


Foto: Siemens Gamesa Renewable Energy

Mitte letzter Woche in Berlin; Peter Alt­maier freute sich: „Wir werden das Zeitalter der Kohleverstromung damit planbar und wirtschaftlich vernünftig beenden“, sagte der Bundeswirtschaftsminister. Bund und Länder hatten in der Nacht zuvor einen Stilllegungsfahrplan für die deutsche Braunkohleverstromung ausgehandelt.

Umweltkollegin Svenja Schulze betonte, dass Deutschland damit das erste Land sei, das „verbindlich aus Atom und Kohle aussteigt“. Nur: Womit die Großkraftwerke ersetzen? Windkraft an Land, bisher Hauptträger des deutschen Ökostromausbaus, steckt in der Krise. Nach vorläufigen Zahlen der Fachagentur Windenergie an Land wurden im letzten Jahr 276 Anlagen mit insgesamt 940 MW Nennleistung neu in Betrieb genommen. Der tiefste Stand seit 20 Jahren.

Hoffnungsträger Offshore-Windkraft

Was an Land nicht geht, könnte auf See noch funktionieren. Nach Angaben der Stiftung Offshore Windenergie waren zum 31. 12. 2019 rund 1500 Anlagen mit einer Gesamtnennleistung von rund 7,5 GW am Netz. Rund 1,1 GW seien zugebaut worden. Laut Übertragungsnetzbetreiber Tennet lieferten die Windparks in der Nordsee 2019 mit 20,21 TWh rund 21 % mehr Strom als im Vorjahr. Hinzu kämen noch 3,95 TWh aus der Ostsee

Wenn die Politik feststelle, der Windausbau an Land werde schwieriger, „dann muss sie rasch Klarheit schaffen, was den Offshore-Windausbau angeht“, sagte Stefan Kapferer, Chef des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz, der Deutschen Presseagentur.

Das gilt auch für die Europäische Union (EU). Der von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geplante Green Deal setzt massiv auf Offshore-Windkraft. Noch in diesem Jahr soll laut dem Zeitplan für die EU-Klimastrategie ein Offshore-Wind-Konzept stehen.

Green Deal setzt auf Wind

Die bisherigen Pläne zum Green Deal würden nach Angaben des europäischen Branchenverbands Windeurope einen Ausbau zwischen 230 GW und 450 GW auf See bedeuten. Heute sind rund 20 GW installiert. „Nach dem Jahr 2030 sind dafür jährliche Installationen von durchschnittlich 18 GW notwendig“, sagt Gunnar Groebler, Chairman von Windeurope und Vorstand bei Vattenfall. Derzeit liegt die Ausbauquote bei etwa 3 GW pro Jahr.

Den Fokus „Offshore Windkraft“ lesen Sie im aktuellen E-Paper der VDI nachrichten.

Tags: Energie

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