Vorausschauende Systeme 14. Nov 2019, 20:00 Uhr Peter Kellerhoff

Technik soll Unfallzahlen im Straßenverkehr senken

Nach Vorgabe der EU soll ab 2050 kein Mensch mehr bei Unfällen im Straßenverkehr sterben. Vorausschauende Systeme spielen dabei eine große Rolle.

Um die Zahl der Unfälle auf Deutschlands Straßen signifikant zu reduzieren, sind moderne Sicherheitstechnologien gefragt.
Foto: panthermedia.net/chungking

Dank Sicherheitstechniken wie Gurten, Airbags und definierter Knautschzonen ist die Zahl der Verkehrstoten von 21 000 im Jahr 1970 auf zuletzt 3265 gesunken. Und das, obwohl heute mehr als dreimal so viele Pkw unterwegs sind wie damals. Doch obwohl die EU sich auf die Fahnen geschrieben hat, die Zahl der Verkehrstoten alle zehn Jahre zu halbieren und in der „Vision Zero“ bis 2050 auf Null zu senken, stagniert der Wert in Deutschland seit etwa zehn Jahren.

„Wir kommen nicht wirklich runter damit“, meint Thomas Brandmeier, wissenschaftlicher Leiter des Forschungs- und Testzentrums Carissma der TH Ingolstadt, das sich der Verkehrssicherheit verschrieben hat. Aber er weiß, wo der Hebel anzusetzen ist: „Wir brauchen einen Technologiesprung, um eine deutliche Verringerung der Unfallzahlen zu erzielen, z. B. durch vorausschauende Systeme.“

Zusammenspiel von Radar, Kamera und Sensorik

Tatsächlich verspricht das intelligente Zusammenspiel von Radar, Kameras, Lidar und Sensorik die Zahl der Unfälle bzw. deren Folgen signifikant zu reduzieren. Hinzu kommt die Car-to-x-Kommunikation, der Echtzeitaustausch von Informationen und Daten zwischen einzelnen Fahrzeugen sowie Infrastrukturen und Leitstellen. „Die Weiterentwicklung der Sensorik ermöglicht zunehmend Gefahrensituationen in der Vorunfallphase zu erkennen“, erklärt Rodolfo Schöneburg, Chef der Fahrzeugsicherheit bei Mercedes.

Vorzeitiges Erkennen bedeutet einen manchmal lebenswichtigen Zeitvorsprung zu gewinnen – Zeit um Unfallvermeidungsmanöver einzuleiten, Unfallfolgen zu minimieren, aber auch Zeit, im Falle eines Aufpralls die Fahrzeuginsassen sowie Unfallteilnehmer außerhalb des Fahrzeugs effektiver schützen zu können. „Zeitgewinn ist ein wichtiger Schlüssel für bessere Schutzmaßnahmen“, pflichtet Brandmeier bei. Schöneburg spricht in diesem Fall von einer „virtuellen Knautschzone“.

Gesamten Verkehr absichern

Vorausschauende Systeme schützen jedoch nicht nur einzelne Fahrzeuge und deren Insassen, sondern sichern über die Car-to-x-Kommunikation im Idealfall den gesamten Verkehr ab. Den größten Sprung für die Verkehrssicherheit erwartet Schöneburg allerdings davon, dass spätestens beim autonomen Fahren die Unfallursache Nummer eins aus dem Verkehr gezogen sein wird: der Fahrer. Schließlich beruhen laut des ACE Auto Club Europa rund 90 % aller heutigen Unfälle auf menschlichem Versagen – und nicht auf technischem.

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