KARRIERE 09. Jul 2019, 14:31 Uhr Peter Ilg

Am Anfang ist es wichtig, Erfahrungen zu sammeln

Im Werkzeugmaschinenbau kommen unterschiedliche Ingenieurdisziplinen zusammen. Das macht den Job abwechslungsreich, sagt Michael Hoffmann, Konstrukteur bei SHW Werkzeugmaschinen in Aalen. Die Firma baut Maschinen in der Größe eines Mehrfamilienhauses. Das imponiert Hoffmann, der schon im Studium hoch hinaus wollte.

Für Michael Hoffmann, 26, war klar, dass er an einer Universität Maschinenbau studieren würde. Die höchste Hochschulform war für ihn die logische Konsequenz aus dem höchsten Schulabschluss: dem Abitur. Und weil der junge Mann vom Land – er ist auf einem Dorf in der Nähe von Aalen aufgewachsen – auch Mut hat und das Risiko nicht scheut, hat er sich an der Technischen Universität München um einen Studienplatz im Maschinenwesen beworben.

„Ich dachte mir, wenn ich eine Zusage bekomme, ist es perfekt. Wenn nicht, studiere ich gezwungenermaßen an einer anderen Hochschule.“ Doch es klappte und Hoffmann zog vom schwäbischen Dorf in die bayrische Hauptstadt. Das war vor sechs Jahren.

„Das Studium in München war schon sehr anspruchsvoll, vor allem das Grundstudium“, erzählt Hoffmann. Die Hälfte seiner Kommilitonen war nach den ersten Semestern weg. „Man braucht schon eine enorme Portion an Disziplin, um durch ständiges Lernen und Üben am Ball zu bleiben.“ Besonders schwer fand er die Mechanik: ein reines Rechenfach, das Verständnis voraussetzt. Auswendiglernen funktioniert in einer solchen Konstellation nicht.

Nachdem Hoffmann sein Vordiplom geschafft hatte, ließ der Druck etwas nach. „Das schwierigste, die Grundlagen, waren gelegt.“ Im Hauptstudium hatte Hoffmann sich für den Schwerpunkt Produktionstechnik entschieden.

Produziert wird mit Werkzeugmaschinen. Über solche Maschinen verfasste er seine Projektarbeit im Studium und schrieb seine Abschlussarbeit, in der es um das thermische Verhalten von Werkzeugmaschinen ging. „Durch die intensive Beschäftigung mit dem Thema Werkzeugmaschinen habe ich diese Art der Produktionstechnik kennen und schätzen gelernt.“

Ende 2012 hatte Hoffmann sein Studium abgeschlossen und zog von München in sein Heimatdorf. Zurück zu seiner Frau und dem gemeinsamen zweijährigen Sohn. Der junge Ingenieur hatte ganz in der Nähe seines Wohnortes einen Job gesucht und gefunden. Im Februar 2013 fing er bei der SHW Werkzeugmaschinen GmbH in Aalen an.

SHW Werkzeugmaschinen

-Mit 63 Mio. € hatte das Unternehmen 2012 den höchsten Umsatz in der Firmengeschichte. Das war ein Viertel mehr als im Vorjahr. Die Exportquote lag bei 65 %.

-Für 2013 erwartet SHW weiteres Wachstum, bedingt auch durch patentierte Weltneuheiten wie Dynamic Drive. Die Firma hat rund 230 Mitarbeiter. Am Stammsitz Aalen soll die Zahl der Mitarbeiter 2013 ebenfalls steigen. PI

Das mittelständische Unternehmen entstand 2005 durch eine Abspaltung aus den Schwäbischen Hüttenwerken. SHW produziert Maschinen für die zerspanende Bearbeitung, sogenannte Fahrständermaschinen. Bei dieser Technologie fährt nicht das Werkstück an der Maschine entlang, sondern die Maschine entlang des Werkstücks. Und legt im Falle von SHW beeindruckende Wege zurück: bis zu 40 m in der Länge, 8 m in der Höhe und bis 2 m in der Tiefe.

„Das sind teils gewaltige Maschinen in der Dimension eines geräumigen dreistöckigen Hauses“, schwärmt Hoffmann ehrfurchtsvoll. Mit den Maschinen werden Großteile wie Blöcke für Schiffsmotoren, Turbinen oder Naben für Windkraftanlagen gefertigt.

Hoffmann arbeitet in der Entwicklung als Konstrukteur, zuletzt an der Auslegung eines 100 kW starken Elektroantriebs für eine Fräsmaschine. Der Antrieb ist 2,5-mal so kräftig wie der bislang stärkste Standard-Antrieb einer SHW Werkzeugmaschine. „Höhere Antriebsleistung bringt mehr Zerspanvolumen.“ Zeit ist schließlich Geld. Hoffmann sitzt meist vor dem Computer und konstruiert mithilfe des CAD-Programms SolidWorks Maschinenteile.

„Im Werkzeugmaschinenbau hat man es mit unterschiedlichen Disziplinen zu tun.“ Mechanik, Elektrik, Elektronik, Pneumatik und Hydraulik kommen in diesem Produkt zusammen. In diesen Disziplinen müsse man die Grundlagen beherrschen, um als Ingenieur im Werkzeugmaschinenbau zu arbeiten. Hinzu kommen Kenntnisse über die Zerspanung von Material und Werkzeugmaschinen-Komponenten, beispielsweise Antriebe, Spindeln und Führungen.

„Werkzeugmaschinenbau ist Präzisionsarbeit, schließlich sollen mit den Maschinen präzise Teile gefertigt werden, oft mit minimaler Toleranz.“ Das ist bei der Größe der SHW-Maschinen und den damit bearbeiteten Teilen eine besondere Herausforderung, weil sich die mechanischen Komponenten aufgrund der Belastungen zwangsläufig verformen.

Gelöst wird das durch ein neues System, Dynamik Drive genannt. „Mittels eines mechanischen Aufbaus und Software werden die Verlagerungen aufgrund von Belastungen kompensiert“, sagt Hoffmann, der an der Entwicklung dieses Systems beteiligt war.

Hoffmann mag die Vielseitigkeit des Werkzeugmaschinenbaus. „Ich bin noch nicht lange im Job. Für mich ist es zunächst einmal wichtig, Erfahrungen zu sammeln“ – technisch und in der Zusammenarbeit mit Kollegen, Kunden und Lieferanten. Das wird dauern, vermutet er. Doch wenn die Karriere unverhofft kommt, so wie die Zusage aus München, wird er zugreifen.

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