Corona-Krise 25. Feb 2021 Von Wolfgang Schmitz

Angst vor Karriereknick

Berufstätige Akademikerinnen und Akademiker sorgen sich um ihre Karriere, Fachkräfte um ihr Einkommen und die Sicherheit, so eine aktuelle Studie.


Foto: panthermedia.net/get4net

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Arbeitswelt und die Jobsuche aus? Pauschal lässt sich diese Frage kaum beantworten. Das liegt zum einen an der unterschiedlichen Betroffenheit der einzelnen Wirtschaftsbereiche. Zum anderen scheint es auch vom Ausbildungsniveau der Berufstätigen abzuhängen. So machen sich Akademikerinnen und Akademiker vor allem Gedanken um ihre Karriere, während gelernte und ungelernte Fachkräfte stärker von finanziellen Sorgen getrieben sind. Das ergibt eine Befragung von über 12 000 Berufstätigen und Jobsuchenden durch die Plattform Indeed.

Sorge um psychische Gesundheit

Nicht alle trifft die Corona-Krise gleichermaßen: Auf die Frage nach den größten Bedenken zu ihrer Arbeitssituation während der Corona-Krise nannten Akademikerinnen und Akademiker an erster Stelle die Angst vor einer stagnierenden Karriere (41,7 %). Bei Berufstätigen und Jobsuchenden mit anderen Abschlüssen dominieren hingegen eher Ängste vor finanziellen Einbußen (34,5 %). Bei beiden Gruppen folgt die Sorge um die eigene psychische Gesundheit, die allerdings bei Wissensarbeiterinnen und Wissensarbeitern mit Hochschulabschluss noch etwas ausgeprägter ist (37,6 % vs. 33,8 %). Jede fünfte (21,9 %) gelernte oder ungelernte Fachkraft hat Angst vor Jobverlust; diese Befürchtung ist bei Menschen mit Hochschulabschluss etwas geringer (17,5 %).

Die Arbeitgeberbindung ist während der Pandemie bei vielen Beschäftigten gesunken – jedoch stärker bei Akademikerinnen und Akademikern als bei Fachkräften (35,0 % vs. 28,6 %). Zudem liebäugelt fast die Hälfte der befragten Angestellten mit Hochschulabschluss mit einem neuen Job: 49,9 % berichten von einer leicht oder stark gestiegenen Wechselbereitschaft. Hauptgrund ist hierfür, dass sich ihr Arbeitgeber während der Krise nicht zufriedenstellend verhalten hat (38,8 %). Neben mangelnder Kommunikation seitens des Arbeitgebers sind hier auch fehlende Schutzmaßnahmen die Ursache, etwa die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten.

Neue Kriterien für Arbeitgeberattraktivität

Grundsätzlich fällt die Wechselbereitschaft bei Fachkräften noch höher aus. Im Allgemeinen scheinen Akademikerinnen und Akademiker etwas mehr auf Sicherheit bedacht als andere Berufstätige, vermutet man bei Indeed. Unter denjenigen mit Hochschulabschluss, deren Wechselambitionen gesunken sind, geben 69,6 % an, dass sie ihren sicheren Arbeitsplatz nicht riskieren möchten. Bei den Fachkräften sind es zur selben Fragestellung nur 59,4 %.

Die Krise scheint laut Studie die Attraktivität von Arbeitgebenden neu zu definieren: Statusthemen wie Prestige und Unternehmensgröße können nur einen Bruchteil der Akademikerinnen und Akademiker begeistern (7,4 %). Das Unternehmensimage ist immerhin noch einem Viertel der Befragten wichtig (25,3 %). Insbesondere Akademikerinnen und Akademiker wünschen sich ein Unternehmen mit Innovationskraft (33,7 %) und wollen in einem internationalen Umfeld (20,8 %) arbeiten.

Was erwarten Jobsuchende vor allem von einer neuen Tätigkeit? Diese sollte in erster Linie interessante Arbeitsaufgaben mit sich bringen. Das geben 70,7 % der Befragten an. Akademikerinnen und Akademiker wünschen sich zudem mehr Eigenverantwortung als Fachkräfte (42,8 % vs. 32,9 %). Die Studie zeigt auch: Eine Mehrheit von 56,8 % der Jobsuchenden aus dem akademischen Bereich wünscht sich eine generelle Home­office-Regelung im neuen Job.

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