Karrieren von Frauen in der IT-Branche 03. Mrz 2021 Von Regine Bönsch

Chancengleichheit: Europa hinkt hinterher

Eine weltumspannende Studie über Frauen in der IT-Industrie zeigt: Während sich in den letzten zwei Jahren die Geschlechterparität in Nordamerika beschleunigt hat, verschlechterte sich das Gleichgewicht in Europa.


Foto: PantherMedia / Andriy Popov

Wenige Tage vor dem Weltfrauentag 2021 mit dem Motto „fairändern: #fairsorgen #fairgüten #fairteilen“ hat Kaspersky eine Studie zum Thema „Women in Tech“ veröffentlicht. Dazu hat Arlington Research im Auftrag des IT-Sicherheitsunternehmens Kaspersky 13 000 Menschen aus der IT-Industrie in 19 Ländern – von Großbritannien über Mexiko bis nach Vietnam – befragt; 1000 davon in Deutschland.

Zunächst klingt alles ganz gut: Mehr als die Hälfte der befragten Frauen in Deutschland, die in der Tech-Branche in Deutschland tätig sind, gab an, in den vergangenen zwei Jahren eine merkliche Verbesserung hinsichtlich der Gleichstellung innerhalb des eigenen Unternehmens festgestellt zu haben. Fast zwei Drittel der Frauen (62 %) erklärten, dass sie vom ersten Tag an geschätzt und respektiert wurden. Für mehr als ein Drittel soll das Homeoffice im letzten Jahr positive Effekte auf die geschlechtsspezifische Gleichbehandlung innerhalb von Teams gehabt haben.

Darüber hinaus sind aktuell 68 % der Auffassung, individuelle Fähigkeiten und berufliche Erfahrung werden bei der Bewerbung um eine Stelle in der IT inzwischen vor dem Geschlecht berücksichtigt. Dies zeige, dass es positive Entwicklungen hin zu einer längst überfälligen Gleichstellung innerhalb der Branche gibt. Dennoch – auch das zeigt der Kaspersky-Techreport – besteht weiterhin ein deutlicher Nachholbedarf.

Kulturelle Unterschiede

So bestätigt die Studie, dass sich die Entwicklung in puncto Gleichstellung in den verschiedenen Regionen der Welt sehr unterschiedlich vollzieht. In Europa hat sich in den letzten zwei Jahren das Gleichgewicht zwischen den Geschlechtern offenbar verschlechtert, während die Corona-Pandemie in Nordamerika die Geschlechterparität beschleunigt hat. In Lateinamerika haben Fortschritte hinsichtlich einer verbesserten Bildungssituation von Frauen dazu geführt, dass diese in der Technologiebranche immer häufiger vertreten sind. Dies gilt auch im asiatisch-pazifischen Raum, wo Fälle von Einschüchterungen von Frauen immer öfter durch Erfolgsgeschichten abgelöst zu werden scheinen.

Schlechtere Karriereaussichten in Europa

Im Vergleich zu anderen Teilen der Welt sind die Aussichten für Frauen in Europa, in der Technologiebranche Fuß zu fassen, weniger positiv. Nach Aussage von 52 % der europäischen Befragten besteht die Mehrheit der Teammitglieder aktuell aus Männern, während dies 2018 lediglich 42 % angaben. Einzig in Deutschland gab die Hälfte der Befragen an, dass sich die Gleichstellung der Geschlechter verbessert habe.

Während im Jahr 2018 noch 76 % der europäischen Frauen der Meinung waren, ihre Fähigkeiten und Erfahrungen seien bei ihrem ersten Vorstellungsgespräch für eine Position in der Technologiebranche relevanter gewesen als ihr Geschlecht, bestätigten dies in der aktuellen Umfrage 10 % weniger. Immer noch gaben 28 % europaweit an, unbeabsichtigten Sexismus während des Interviewprozesses für ihre erste Rolle in der IT-/Tech-Branche erlebt zu haben. Weltweit liegt dieser Wert bei 29 %, in Deutschland bei 33 %.

Trotz positiver internationaler Tendenzen erlebt immer noch jede Dritte weiterhin Doppelmoral, Geschlechterstereotypisierung oder negative Konnotationen hinsichtlich ihrer Eignung für eine bestimmte Rolle innerhalb der IT-Branche. Weiterhin sind 44 % in Europa der Überzeugung, Männer kommen im Technologiebereich schneller voran; in Deutschland sind es sogar 51 %. Die Tatsache, dass weltweit noch 41 % der befragten Frauen die Auffassung vertreten, eine gleichmäßigere Verteilung von Frauen und Männern innerhalb der IT-Industrie würde zu einer besseren Karriereentwicklung von Frauen beitragen, zeigt, dass hier in puncto Gleichberechtigung und Chancengleichheit noch deutlicher Nachholbedarf besteht.

Quoten nur kurzfristig erfolgreich

Um die Karrierechancen in der Branche zu stützen, seien verschiedene Initiativen nötig, heißt es in der Studie. Dazu gehören beispielsweise Mentoring- und Praktikumsprogramme, aber auch Quotenregelungen. Doch die Reise müsse viel früher beginnen.

Quoten seien zwar kurzfristig erfolgreich, reichten aber nicht aus, um im IT-Sektor das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern zu beheben oder den Aufstieg von Frauen in leitende IT-Positionen zu fördern, kommentiert Ronda Zelezny, Mitbegründerin und Direktorin von Panoply Digital und Mitglied von Ada‘s List, einer Plattform zur Stärkung von Frauen in der IT-Branche. Eine erste Empfehlung ist aus ihrer Sicht die Einführung von Blindbewerbungen. Zelezny: „Auch der Einsatz entsprechender Einstellungsausschüsse, geschulter Personalvermittler sowie intelligenter Algorithmen, die von divers zusammengestellten Teams entwickelt werden und eine unvoreingenommene Kandidatenidentifizierung unterstützen, könnten hierbei hilfreich sein.“

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