Migration hilft gegen Fachkräftemangel 29. Jul 2021 Von Wolfgang Schmitz

Zugewanderte zum Bleiben bewegen

Durch die Zuwanderung aus Drittstaaten gewinnt Deutschland insbesondere an Hochqualifizierten, so eine aktuelle Arbeitsmarktstudie.


Foto: Fraunhofer IAP

Die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland wird aufgrund der demografischen Entwicklung zwischen 2020 und 2040 um etwa 1,8 Mio. Personen zurückgehen. Das ergeben Daten des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Schon eine geringfügige Erhöhung der Zuwanderung nach Deutschland bzw. eine Verringerung der Abwanderung ausländischer Fachkräfte aus Deutschland um rund 50 000 Personen pro Jahr würde deutlich positive Auswirkungen auf die Entwicklung des Fachkräfteangebots und die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland haben. Dies zeigt die neue Studie des BIBB „Should I stay or should I go?“.

Nur jede zweite Person bleibt

Bei einer erhöhten Zuwanderung nach Deutschland würde der Anteil an Personen aus Drittstaaten an Bedeutung gewinnen, da aufgrund der demografischen Entwicklung in Europa das Zuwanderungspotenzial aus den EU-Staaten zurückgeht. Aufgrund der zurzeit geltenden rechtlichen Zugangsbeschränkungen würde Deutschland durch die Zuwanderung aus Drittstaaten insbesondere an Hochqualifizierten gewinnen, also an Personen, die über Abschlüsse verfügen, die einem Hochschulabschluss oder einer Aufstiegsfortbildung entsprechen. Die BIBB-Studie belegt aber auch, dass nur etwa jede zweite zuwandernde Person langfristig in Deutschland verweilt. Damit würde ein großer Teil der getätigten Bildungs- und Integrationsanstrengungen wieder verloren gehen.

Um langfristig von Zuwanderung zu profitieren, sollte daher nach Auffassung der Autorinnen und Autoren insbesondere die Bleibewahrscheinlichkeit der Zugewanderten erhöht werden – vor allem von Personen mit einer gefragten beruflichen oder akademischen Qualifikation.

Mittlere Qualifikationsebene profitiert

Laut Studie gelingt dies durch die Anerkennung ausländischer Berufsqualifikationen, da diese einen unmittelbareren und stärkeren positiven Effekt auf die wirtschaftliche Entwicklung und das Fachkräfteangebot hat. Vor allem mehr Personen aus EU-Staaten würden bei Anerkennung ihrer Berufsqualifikationen langfristig in Deutschland verweilen. Der Wanderungsgewinn läge bereits ohne zusätzliche Zuwanderung bei knapp 1 Mio. Personen. Das Fachkräfteangebot insbesondere auf der mittleren Qualifikationsebene würde stärker profitieren.

Da das Verhindern von Fortzügen vor allem Personen im erwerbsfähigen Alter betrifft, würden sich auch der private Konsum und die Bauinvestitionen vergleichsweise stärker erhöhen.

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