STRATEGIE 09. Jul 2019, 14:33 Uhr Chris Löwer

Auf ein Neues nach der vermasselten Probezeit

In der Probezeit den Job zu verlieren, ist ein Rückschlag, gerade für Berufsstarter. Jetzt heißt es, nicht in Schockstarre zu fallen. Es gibt ein Berufsleben danach. Ein paar Regeln helfen.

Der junge Maschinenbauingenieur hatte Pech. Das erste Unternehmen, bei dem er anheuerte und einen guten Start hinlegte, geriet in schweres Fahrwasser und musste einen großen Teil der Belegschaft kündigen. Auch ihn. Doch ein neuer Job ließ nicht lange auf sich warten. Er wechselte in ein Unternehmen mit anderen Strukturen: erheblich weniger Mitarbeiter, wenige Ingenieure seines Alters, ein wenig komplexes Produkt.

Die fünf größten Fehler in der Probezeit

Schlechte Arbeitsleistung

-Nehmen Sie Ihre Aufgaben in der Probezeit sehr ernst. Auch kleine und vielleicht unbedeutende Aufträge können genau benotet werden oder als Test dienen, ob man Ihnen auch verantwortungsvolle, größere Aufgaben übertragen kann.
Unpünktlichkeit

-Wenn Sie mal zu spät kommen, verschlafen oder sogar einen Termin verpatzen, wird man Ihnen sicher noch verzeihen. Aber nur dann, wenn es nicht zur Gewohnheit wird, denn Pünktlichkeit gehört zu den wichtigsten Arbeitstugenden.
Achten Sie genau so akribisch auf vereinbarte Abgabetermine für Ihre Arbeiten.
Kritik und Besserwisserei

-Angebrachte und richtig vorgetragene Kritik sind zwar nicht verboten, aber halten Sie sich besser mit Äußerungen zurück. Vorgesetze und Kollegen schätzen allzu offenherzige Kritik eines Neuen in der Probezeit nicht. Sie sind womöglich nicht der Erste, dem etwas ein- oder aufgefallen wäre. Warten Sie lieber ab. Und vor allem glauben Sie nicht, Sie wüssten alles besser und müssten alles und jeden gleich umkrempeln.
Lockeres Mundwerk

-Die Regel gilt eigentlich immer, aber in der Probezeit ist sie womöglich die wichtigste: Viel hören, viel sehen, wenig sagen! Mit diesem Vorsatz beobachten Sie Ihre neue Umgebung am besten und erfahren fast alles. Hören Sie genau hin. Wie sprechen die anderen Kollegen mit- und übereinander? Wer kann mit wem? Tratsch zu hören, kann man nicht immer vermeiden, aber halten Sie sich selbst mit jeglichen Äußerungen zurück.
Kein Feedback einholen

-Prüfen Sie sich kritisch, ob die neue Tätigkeit Ihren Erwartungen und Fähigkeiten entspricht und beurteilen Sie sich selbst und Ihre Leistung. Entsprechen das Unternehmen und die Aufgaben Ihren Erwartungen? Suchen Sie notfalls aktiv das Gespräch Ihrem Vorgesetzten, um ein erforderliches Feedback zu erhalten.   C.L.

Quelle: Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader

„Nach fünf Monaten, die wohl für alle Beteiligten aufreibend bis schmerzlich verlaufen waren, kam der Vorgesetzte zu dem Schluss, dass man den Mitarbeiter nicht länger im Unternehmen haben wolle“, berichtet Sabine Kanzler, Bewerbungstrainerin aus Ingelheim. Ein herber Schock, den manch einer nur schwer überwindet, zumal das Selbstwertgefühl einen gehörigen Knacks bekommen hat. „Neueinsteiger trifft das härter als erfahrene Kräfte, die im Laufe ihrer Karriere mal einen Rückschlag erleiden“, sagt Kanzler. Die Gefahr ist groß, sich von nun kleiner zu manchen, als man ist, passiv zu werden oder in Bewerbungsrunden fatale Fehler zu begehen.

Diese sind dem jungen Ingenieur, von dem Kanzler berichtet, nicht unterlaufen: In der folgenden Bewerbungsphase kommunizierte er, dass er aufgrund einer gewissen Unerfahrenheit diesen Arbeitgeber und die Tätigkeit falsch eingeschätzt habe, er deshalb unglücklich aufgetreten sei, woraus letztlich die vorzeitige Kündigung resultierte. Dennoch habe er in dieser Zeit eine Menge gelernt. Kanzler: „Der Wechsel in ein Umfeld, das seinem ersten Arbeitsverhältnis eher ähnelte, klappte nach relativ wenigen Bewerbungen – und es hielt auch einige Jahre!“

Nach einer vermasselten Probezeit lautet die Grundregel: Weitermachen! Allerdings nicht wie bisher. Denn zunächst sollte man sich selbst ins Gebet nehmen. Zur kritischen Bestandsaufnahme zählen Frage wie: Warum bin ich gescheitert? Habe ich meine Fähigkeiten falsch eingeschätzt? Habe ich mich im Vorstellungsgespräch zu übertrieben dargestellt? „Wenn diese Analyse nicht ordentlich erfolgt, bleibt das Problem und ein weiteres Scheitern ist vorprogrammiert“, sagt Kanzler.

Um die richtigen Schlüsse zu ziehen, sei es auch ratsam, das Gespräch mit dem Ex-Chef zu suchen, ihn zu bitten, möglichst detailliert aufzuzeigen, was gut lief und was nicht. Wer sich über seine Stärken und Schwächen klar geworden ist, kann (und muss) Stellenanzeigen sorgsamer studieren, um nicht wieder einen Job mit Anforderungen an Land zu ziehen, die vorher schon zur Kündigung geführt haben.

Für die neuen Bewerbungsrunden muss eine schlüssige Argumentationslinie erarbeitet werden, weswegen es letztes Mal nicht geklappt hat. Das darf ruhig vorher eingeübt werden, damit der Auftritt souverän wirkt, rät die Bewerbungstrainerin. Gut ist, eine selbstkritische Reflexion zu transportieren. Schlecht ist, über den alten Arbeitgeber herzuziehen. „Gefragt ist Loyalität“, sagt Kanzler. Und die Loyalität zum alten Arbeitgeber verbietet auch, detailliert auf Nachfragen einzugehen, warum es in der Probezeit zum Bruch kam. Es hat einfach nicht gepasst – und eine Probezeit dient ja schließlich dazu, dies herauszufinden. Und das Bewerbungsgespräch sollte genutzt werden, um zu klären, wie das Jobprofil genau aussieht und was von dem Anwärter erwartet wird.

Sollte man überhaupt auf die Bruchlandung eingehen? Kommt auf die Dauer des Beschäftigungsverhältnisses an. „Alles unter zwei Monaten kann man im Anschreiben und Lebenslauf unter den Tisch fallen lassen“, sagt Kanzler. Bei einem halben Jahr geht das nicht mehr und auch nicht, wenn die Branche klein ist – es spricht sich herum, wer wo wie lange war. „Schwer ist es auch für hoch spezialisierte Ingenieure“, weiß Kanzler. Man kennt sich. Klappt es mit der neuen Stelle, ist die Kuh noch nicht vom Eis. Jetzt gilt es, aufmerksam zu sein und alte Fehler zu vermeiden. Die Experten vom Berliner Büro für Berufsstrategie Hesse/Schrader empfehlen, sich mental vorzubereiten: „Der erfolgreiche Einstieg in einen neuen Job hängt wesentlich von der inneren Einstellung ab.“ Dazu gehöre, ungeachtet aller Qualifikationen, die man mitbringt, sich als Lernender zu begreifen, bereit zu sein, sich „belehren“ zu lassen. Denn nur so könne man sich rasch mit neuen Aufgaben, dem neuen Umfeld und seinen Strukturen vertraut machen. Nichts wäre schlimmer als tumbe Besserwisserei. Der Expertenrat: „‘Annehmen‘ und auch ‚hinnehmen‘ sind für Jobstarter in der Probezeit unverzichtbare Vokabeln.“

Natürlich sollte vorab alles Erdenkliche über die Firma und die Stelle recherchiert werden. Möglichst viel Wissen erleichtert den Einstieg. Wie auch ausgeprägte soziale Kompetenzen sowie eine gute Beobachtungs- und Auffassungsgabe, um sich unbekannte Zusammenhänge sowie „die Regeln hinter den Regeln“, so Kanzler, rasch zu erschließen. Hier sind offene Ohren und Sensibilität gefordert. Auch bei der Frage, wer den Ton im Team angibt und wer die eigentlichen Schlüsselpersonen im Unternehmen sind.

Bewerbungscoach Kanzler gibt den Neustartern noch einen Tipp mit auf den Weg: Sie empfiehlt ein „Einarbeitungstagebuch“ zu führen. In ihm wird idealerweise täglich notiert, was auffällt, was irritiert, was Fragen aufwirft. „Anfangs hat man noch einen unverstellten Blick“, sagt die Expertin. Nach einigen Wochen sollte man in dem Büchlein blättern, nach Mustern suchen, Ungereimtheiten aufdecken, diese klären und sich selbst fragen, wo und wie man nachjustieren muss, um den Anforderungen gerecht zu werden. Im Zweifel lieber sofort den Chef ansteuern, bevor er den Neuling gegen Ende der Probezeit mit einer wenig erfreulichen Nachricht überrascht …

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