BILDUNG 20. Sep 2013, 10:05 Uhr Peter Ilg

Berufsbegleitend studieren: Vom Hauptschüler zum Ingenieur

An der Hochschule Aalen hat Markus Hopf sein berufsbegleitendes Ingenieur-Studium abgeschlossen. Er ist wohl der erste deutschlandweit, der das an einer staatlichen Hochschule geschafft hat. Und das mit Auszeichnung. Das Modell ist vielversprechend: 90 % dieser Studenten schaffen ihren Abschluss. Bei den Vollzeitstudenten gelingt das nur der Hälfte.

Schritt für Schritt zum Erfolg: Die Hochschule Aalen war die erste staatliche Hochschule in Baden-Württemberg, die einen berufsbegleitenden Studiengang zum Ingenieur mit Bachelor-Abschluss angeboten hat.
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In den vergangenen vier Jahren hat Markus Hopf, 39, die allermeiste Freizeit in seinen beruflichen Traum investiert: Ingenieur zu werden. Im Juni 2013 hatte er sein Ziel erreicht. In einer feierlichen Stunde wurde ihm an der Hochschule Aalen der Ingenieurtitel verliehen und er bekam einen Scheck in Höhe von 500 €. Der Förderverein der Hochschule belohnte ihn mit einem Sonderpreis für die beste Note unter den Absolventen, die beste Abschlussarbeit und er schloss sein Studium nach 3,5 Jahren anstatt geplanten vier Jahren ab. „Ja, ich bin schon richtig stolz auf das, was ich erreicht habe“, sagt Hopf.

Der Studienabschluss als Ingenieur ist für ihn eine „innere Befreiung aus einer meiner schwersten Stunden“. Vor Jahren musste er von der Real- auf die Hauptschule wechseln. Studiert hat er ohne Abitur und berufsbegleitend.

Zunächst war es ausschließlich das Abitur, dann berechtigte eine Berufsausbildung mit Fachhochschulreife zum Studium. 2007 erhielten auch Meister und Techniker von der Kultusministerkonferenz die Berechtigung zum Hochschulstudium, Aufstiegsfortbildung genannt. Schneller als alle anderen Länder hatte Baden-Württemberg schon im Dezember 2008 ein Gesetz erlassen, das Berufspraktikern den Zugang zu den Hochschulen eröffnete.

Die Hochschule Aalen war die erste staatliche Hochschule in diesem Bundesland, wahrscheinlich sogar deutschlandweit, die einen berufsbegleitenden Studiengang zum Ingenieur mit Bachelor-Abschluss angeboten hat. Im September 2009 startete der erste Durchgang in den beiden Fachrichtungen Maschinenbau oder Mechatronik. 25 Studenten waren es insgesamt, davon jeweils ein Drittel mit schulischer Hochschulzugangsberechtigung, Meister oder Techniker. Hopf hatte sich für die Mechatronik entschieden. Nach der Hauptschule holte er die mittlere Reife nach, absolvierte eine Lehre als Industrieelektroniker, qualifizierte sich nebenberuflich zum Techniker in der Elektrotechnik und ist nun schon 21 Jahre bei Bosch Siemens in der Hausgerätesparte in Giengen beschäftigt, dem größten europäischen Produktionswerk im Konzern für Kühlschränke.

Vor und zum größten Teil noch während seines Studiums konstruierte er elektrische Komponenten für Kühlschränke. Kompressoren, Verdampfer, Regler. Dienstagabends, freitagnachmittags und samstags saß er in den Vorlesungen, an den anderen Abenden und sonntags lernte er zu Hause. „Mein Zeitmanagement sowie Mathematik und Physik im Grundstudium waren die größten Herausforderungen.“

Durch den Verzicht auf Freizeit schaffte er das Zeitliche, durch konsequentes Üben und in Lerngruppen die Naturwissenschaften. Bereits während des Studiums stieg die Verantwortung in der Firma, seit einem Jahr ist er Projektkoordinator für eine neue Einbaugeräte-Reihe. „Ja, ich fühle mich als vollwertiger Ingenieur. Bin anerkannt als solcher im Kollegenkreis und vom Unternehmen.“

Von den 25 Studenten, die vor vier Jahren ihr berufsbegleitendes Studium in Aalen aufgenommen haben, sind nur drei ausgestiegen. Bei den Aalener Vollzeitstudenten in den Ingenieurwissenschaften bleibt die Hälfte auf der Strecke. „Manche schreiben sich eben ein, ohne sich vorher zu informieren, was sie erwartet“, sagt Ulrich Schmitt, Studiendekan der beiden berufsbegleitenden Studienfachrichtungen. „Diese Studenten informieren sich gründlich, sie schätzen sich realistisch ein und haben den notwendigen Respekt vor Mathematik und Physik.“

Manche würden sogar vor dem Studienbeginn in Nachhilfelehrer investieren. Bei Vollzeitstudenten hat Schmitt das noch nie erlebt. Hopf ist nach seinen Angaben ein typischer Student, was Alter, Engagement, Qualifikation und Unterstützung durch die Firma betrifft. „Die Allermeisten werden von ihrem Arbeitgeber unterstützt, sei es finanziell oder organisatorisch in Form von Freizeit“, weiß der Professor.

Das Studium kostet 20 000 €, weil Professoren und Lehrbeauftragte in ihrer Freizeit unterrichten. Bei Hopf hat die Hälfte der Studiengebühren Bosch Siemens Hausgeräte übernommen. Und er musste seine Urlaube nicht langfristig planen, sondern konnte flexibel freinehmen, wann immer es Lern- oder Prüfungssituationen erforderten. „Die allermeisten werden wie Hopf in der alten Firma bleiben“, mutmaßt Schmitt. Sie könnten aber auch leicht wechseln. Der Professor zitiert einen Personalleiter: „Bei diesen Absolventen ist mir die Abschlussnote fast egal, denn sie haben gezeigt, dass sie sich organisieren können und Durchhaltevermögen haben.“

In den vergangenen vier Jahren hat sich die Teilnehmerquote bei 20 Studenten eingependelt. Studienbeginn ist im September. „Etwa ein Drittel“, mutmaßt Schmitt, „wird einen Master anhängen.“ Jedoch mit zeitlichem Abstand zum Bachelor, „weil ein Nachholbedarf an Freizeit besteht“.

Ein Master ist für Hopf in ganz weiter Entfernung. Er hat sich eine Eigentumswohnung gekauft, richtet die nun ein. Und er plant seinen Sommerurlaub für nächstes Jahr. „Vielleicht belohne ich mich mit dem Pilotenschein für all meine Mühen.“ Immerhin hat er es vom Hauptschüler zum Ingenieur gebracht. Da darf man abheben. PETER ILG

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