Studie: Heidelberg hat keine einzige Frau an der Spitze 17. Jul 2020 Von Claudia Burger

Chefinnen in öffentlichen Unternehmen unterrepräsentiert

Öffentliche Unternehmen bleiben in Spitzenpositionen weiterhin eine Männerdomäne. Das ergab eine Kooperationsstudie des Personalberatungsunternehmens zfm und der Zeppelin Universität (ZU).


Foto: panthermedia.net/londondeposit

In Chefetagen öffentlicher Unternehmen sind, wie in der Privatwirtschaft, Frauen weiterhin unterrepräsentiert. Sie besetzen nur 19,7 % der Stellen im Top-Management von öffentlichen Unternehmen auf kommunaler Ebene. Im Vergleich zum vergangenen Jahr sei zwar ein Anstieg von Frauen in Top-Managementpositionen öffentlicher Unternehmen um 0,4 Prozentpunkte festzustellen, jedoch mit großen Unterschieden bei den Entwicklungen im deutschlandweiten Städtevergleich. Dies geht hervor aus der Studie „Repräsentation von Frauen im Top-Management öffentlicher Unternehmen: Ein deutschlandweiter Städtevergleich“ der Zeppelin Universität (ZU) in Kooperation mit der Personalberatung zfm. Ausgewertet wurden Daten zu leitenden Organen wie Geschäftsführung, Geschäftsleitung, Vorstand, Aufsichtsräten und Verwaltungsräten in 1469 öffentlichen Unternehmen, zum Beispiel in Stadtwerken oder Krankenhäusern. Der Vergleich bezieht sich auf bundesweit 69 Städte mit insgesamt 2200 Führungskräften in den öffentlichen Unternehmen. Für das Beratungsunternehmen ist es unverständlich, dass die Quote so niedrig ausfällt. „Es gibt genügend Kandidatinnen auf dem Markt, die die erforderlichen Erfahrungen und Qualifikationen mitbringen. Gefragt sind nach wie vor die Aufsichtsgremien“, so Edmund Mastiaux, zfm-Geschäftsführer.

Die ostdeutschen Bundesländer weisen den höchsten Anteil auf

Den höchsten Anteil an Frauen im Top-Management erreichten abermals die Städte ostdeutscher Bundesländer: in Brandenburg (22,5 %), Mecklenburg- Vorpommern (23,4 %), Thüringen und Sachsen (je 24,7 %). Während auch die Stadtstaaten Berlin (35,7 %) und Bremen (24,7 %) ihre Spitzenpositionen beibehalten, bilden die Städte in Niedersachsen (13,0 %) vor Schleswig-Holstein (10,4 %) und Rheinland-Pfalz (10,3 %) die Schlusslichter. „Besonders bemerkenswert ist, dass in einigen Städten Anstiege bei der Repräsentation erreicht wurden, in vielen weiteren die Repräsentation aber stagniert oder sogar zurückgegangen ist“, resümiert Ulf Papenfuß, Inhaber des Lehrstuhls für Public Management & Public Policy an der ZU. „Das Bundeskabinett hat am 8. Juli 2020 eine ressortübergreifende Gleichstellungsstrategie beschlossen. Gerade für öffentliche Unternehmen ist die öffentliche Hand gehalten, durch konkrete Maßnahmen ihre gesellschaftspolitische Vorbildfunktion und ihre Einflussmöglichkeiten als Eigentümerin wahrzunehmen“, so Papenfuß.

In Heidelberg gibt es keine einzige Frau in Spitzenposition

In der Studie der 69 untersuchten Städte belegt von den baden-württembergischen Städten wie in den Vorjahren Freiburg mit einem Anteil von 33,3 % einen Platz an der Spitze und Karlsruhe mit 21,9 % einen Platz in der oberen Hälfte. Mannheim findet sich mit 18,4 % im Mittelfeld wieder, wohingegen Stuttgart (8,8 %) und Heidelberg mit sagenhaften 0 % mit unterdurchschnittlichen Anteilen im Vergleich deutlich abgeschlagen sind. Unverändert im Vergleich zum Vorjahr ist Offenbach am Main mit mehr als 50 % die Stadt mit dem höchsten Anteil. Insgesamt gestalte sich die Entwicklung der Repräsentation von Frauen in Top-Managementorganen zwischen den Städten sehr unterschiedlich, mit einer zunehmenden Spreizung zwischen Gebietskörperschaften hoher und sehr niedriger Frauenrepräsentationen. „Die öffentliche Hand sollte geeignete Kandidatinnen aktiv ansprechen und ermutigen, ihre Managementfähigkeiten in den entsprechenden Auswahlverfahren unter Beweis zu stellen. Und: Die Arbeitgeber müssen attraktiver werden und in den Chefetagen öffentlicher Unternehmen zum Beispiel vermehrt flexible Arbeitszeitformen etablieren. Der Wettbewerb um talentierte Führungskräfte ist groß. Mit attraktiven New-Work-Angeboten können Unternehmen im öffentlichen Sektor auch gegenüber der Privatwirtschaft punkten“, sagt Edmund Mastiaux.

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