JUBILÄUM 15. Dez 2016 Peter Steinmüller

Die Brücke als System

Vor 75 Jahren erfand Donald Bailey die nach ihm benannte Brücke. Sie brachte ihm den Ritterschlag ein und der Welt ein bis heute im Notfall unverzichtbares Werkzeug.

Stabil und flexibel: Im Jahr 1944 wird testweise eine Bailey-Brücke über einen Fluss errichtet. Das Foto demonstriert die Variantenvielfalt der Konstruktion: Als Pontons werden Leichter verwendet, die Brücke ruht auf Pfeilern, die in den Laderäumen errichtet wurden.
Foto: Interfoto/Science_Society/Past Pix

Die Fahrbahn: Immer die Balance halten

Ursprünglich bestand die Fahrbahn nur aus Holz, die bald als Schutz vor Kettenfahrzeugen mit Metall abgedeckt wurde. Die Fahrbahnteile werden als Gegengewicht auf der landwärtigen Seite der Brücke gestapelt, bevor die Brücke in Position geschoben wird. Das gewährleistet, dass sie waagrecht die Balance behält. Längere Baileys sind am typischen Durchhängen zu erkennen. Den Effekt verursacht die simple Verbindung der Teile durch Bolzen, was die Produktion und Montage vereinfacht. Moderne Konstruktionen nutzen dagegen Schraubverbindungen, bei denen die Bauteile weniger Spiel haben.

Der Alleskönner unter den Brücken

Die Bailey-Brücke ist eine Systembrücke. Der Begriff bezeichnet Brücken, die aus vorgefertigten Elementen in der notwendigen Länge und Tragfähigkeit zusammengebaut werden.
Die Bailey-Brücke war eine der ersten Konstruktionen dieser Art. Zuvor wurden Behelfsbrücken meist aus Holzbalken gebaut.
Die Produktion erfolgte in Standardverfahren bei Auftragsfertigern, alle Elemente sind genormt und damit untereinander austauschbar.
Die schwersten Teile, die Seitengitter, wiegen 259 kg und werden von sechs Männern getragen. Auch die größten Teile passen auf einen 3-t-Lkw von 1940.
Das Verlegen und die Montage sind extrem einfach gehalten. Ein Kran wird nicht benötigt. Die am Ufer montierte Brücke wird mit Muskelkraft oder von einem Fahrzeug in Position geschoben.
Auch die Pfeiler können aus Bailey-Elementen gebaut werden. In Kombination mit Pontons ist eine Schwimmbrücke möglich, mit motorisierten Schwimmkörpern die Verwendung als Fähre. Selbst massive Hängebrücken mit Pylonen und Fahrbahnträgern aus Bailey-Teilen wurden schon gebaut.
Die mit 788 m längste jemals gebaute Bailey-Brücke war von 1975 bis 1977 in Australien in Betrieb.
Die höchstgelegene Brücke der Welt ist eine Bailey-Konstruktion in 5600 m Höhe im indischen Teil des Himalaya.

Die Montage: Muskelkraft ersetzt den Kran

Arbeiter montieren die Seitenteile einer Bailey–Brücke. Zum Einsatz kommen die Bailey-Brücken häufig bei Straßenbauarbeiten: Nur mit Muskelkraft entstehen schnell Behelfsbrücken in einem Gelände, das mit einem Kran nur schwer und für viel Geld zu erreichen ist. Für den Aufbau der von der Bundesverwaltung eingelagerten Systembrücken ist das THW zuständig. Im Ausland errichtete das THW Bailey-Brücken in Honduras, Ruanda und Tunesien.

Donald Bailey: Der Erfinder

Der Ingenieur Donald Bailey war Angestellter im britischen Kriegsministerium, als er im Jahr 1941 die nach ihm benannte Brücke erfand. Sie war aus Stahl einfach zu fertigen und schonte so die knappen Produktionskapazitäten. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Bailey-Teile mit einem Gewicht von fast 0,5 Mio. t produziert. König Georg VI. schlug 1946 Donald Bailey zum Ritter.

Dwight D. Eisenhower: Der Kriegsherr

Für den späteren US-Präsidenten Eisenhower war die Bailey-Brücke zusammen mit dem Radar und dem Langstreckenbomber eine der drei wichtigsten Entwicklungen des Krieges. Alliierte Truppen überquerten mithilfe der Bailey-Brücken von der Orne in der Normandie bis zum Rhein bei Wesel alle wichtigen Ströme, die bei der Befreiung Europas ein Hindernis bildeten. Die US-Armee nutzte das Brückengerät noch bis in die 1980er-Jahre.

Konrad Adenauer: Der Nutznießer

Die erste feste Brücke über den Rhein nach dem Zweiten Weltkrieg war eine Bailey-Konstruktion bei Köln. Sie führte so hoch über den Strom, dass selbst bei Hochwasser die Schiffe ungehindert passieren konnten. Auch die Kollision mit einem Schlepper konnte der Konstruktion nichts anhaben. Konrad Adenauer profitierte für den Weg von seinem Haus im rechtsrheinischen Rhöndorf in die Kölner Innenstadt von der Brücke. 1951 wurde sie abgetragen.

Alexander Dobrindt: Der Brückenwart

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt ist Herr über das Brückengerät, das für den Verteidigungs- und Katastrophenfall eingelagert ist. Gemessen am Gewicht, entfallen 1 % dieses Gerätes auf Bailey-Bauteile, eine Ausmusterung ist nicht geplant. Allein in Nordrhein-Westfalen sind 236 t dieses Musters in den beiden Brückenlagern verstaut. Zum Einsatz kamen die Bauelemente bei den Elbe-Hochwassern von 2002 und 2010. Zugelassen sind Bailey-Brücken für Radfahrzeuge bis zu 30 t Gewicht.

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