PORTRÄT 09. Jul 2019, 13:54 Uhr Manfred Bergheim

„Ein Thema an der Grenze des Machbaren“

Katrin Jost leitet bei Bosch eine Abteilung, die an Fahrerassistenzsystemen für Nutzfahrzeuge arbeitet. An ihrem Job schätzt sie die Vielfältigkeit.

Mit dicken Brummern kennt sich Karin Jost aus. Trotz des Ehrgeizes, Lkw autonom fahren zu lassen, setzt sie sich selbst gerne hinter das Steuer.
Foto: Bergheim

Wenn man Katrin Jost fragt, wie es derzeit um das automatisierte oder gar autonome Fahren von Nutzfahrzeugen steht, lacht sie und antwortet nur, dass man bei Bosch an diesen Themen arbeite. Es gebe aber auf jeden Fall noch einiges zu tun. „Technisch ist die vollständige Umfelderkennung bereits heute unter idealen Bedingungen möglich. Die Herausforderung besteht darin, sie unter allen Umweltbedingungen zu gewährleisten“, erläutert die 40-jährige Pfälzerin. Denn die Sicherheit der Systeme habe jederzeit Vorrang.

Vor zwei Jahren startete sie mit drei Mitarbeitern, inzwischen sind es 50. Auch im nächsten Jahr soll die Abteilung deutlich wachsen. „Im Grunde genommen arbeite ich hier wie in einem Start-up – mit den Vorteilen der Bosch-Unternehmensumgebung. Zu meinem Team gehören Leute mit unterschiedlichen Qualifikationen. Diversity ist wichtig.“ Es sind Elektrotechniker darunter, Informatiker, Maschinenbauer, Physiker und einige Medizintechniker. Auch etliche Wirtschaftsingenieure sind dabei, die etwa die Produktstrategie entwickeln. „Was wir händeringend suchen, sind Softwareentwickler, die aus dem Automobil- oder IT-Umfeld kommen“, bestätigt sie ein großes Fachkräfteproblem der gesamten Branche.

„Dass ich mikroelektronische Schaltungen entwickeln wollte, wusste ich schon im Studium. Zu meiner Studienzeit war das die Technologie der Zukunft, ähnlich wie das Thema Machine Learning heute“, erinnert sie sich. Ihren Abschluss machte sie im Jahr 2003 an der TU Kaiserslautern in Elektrotechnik mit der Vertiefung Mikroelektronik.

Schon für die Diplomarbeit hatte Bosch sie mit einem Stipendium unterstützt. Folgerichtig stieg sie nach dem Examen im Reutlinger Werk des Unternehmens in die Entwicklung von anwendungsspezifischen integrierten Schaltungen, kurz Asics, ein.

Nach einem zweieinhalbjährigen Abstecher in die Steuergeräteentwicklung bewegte sich Katrin Jost von der Hardware weg und übernahm Verantwortung für ein Softwareprojekt. „Wir haben das erste Mal einen Mikrocontroller in einen Asic integriert. Damals der Traum eines jeden Mikroelektronikers.“ Ausgehend von der Mikroelektronik im Studium habe sie seitdem eigentlich alles, was sie an Wissen benötigt, „on the Job“ gelernt. Seit der Jahrtausendwende sei der Softwareanteil gerade in der Entwicklung der Fahrerassistenzsysteme enorm angestiegen. In den Anfängen seien diese noch hardwarenah angelegt gewesen, inzwischen mache die Software in diesem Bereich rund 90 % aus.

Bei allen Wechseln im Bosch-Konzern habe sie immer schon nach Stellen mit dem Stichwort „Fahrerassistenz“ geschaut – einfach, weil es ein sehr spannendes Aufgabengebiet ist. Doch zunächst wurde Katrin Jost gefragt, ob sie als Gruppenleiterin ein Team von Entwicklern in Japan leiten wolle. Das war vor sechs Jahren. Sie war verantwortlich für die Entwicklung von Active-Safety-Sensoren, für das Produktmanagement in Japan und der Region sowie für den Aufbau eines Entwicklungsteams in Thailand.

„Das war eine sehr interessante Erfahrung. Trotz des deutlich anderen Arbeitsumfeldes hat mich dieses Land geprägt und ist zu einer Art zweiten Heimat geworden“, berichtet Katrin Jost. Überhaupt Asien: Viele Urlaubsreisen hat sie dorthin unternommen, nach Indien, Thailand, Singapur beispielsweise. Immer wieder könne sie dort in kurzer Zeit viele Eindrücke aufsaugen, die in den Alltag hineinwirken.

Seit der Rückkehr ist sie verantwortlich für eine Abteilung, die sich mit der Systementwicklung in der Umfelderfassung und -analyse sowie der Funktionsentwicklung für Lkw beschäftigt. Während Systeme, bei denen der Fahrer von der Automatik nur unterstützt wird oder bei denen die Automatik zwar lenkt, der Fahrer aber jederzeit eingreifen muss, marktreif sind, denkt man nun in Richtung hochautomatisiertes Fahren. Auf diesem Level muss der Fahrer nur nach Aufforderung durch das System wieder die Steuerung übernehmen.

Es sei wichtig, dass an den Hochschulen Themen wie Machine Learning oder neuronale Netze behandelt werden, betont Jost, denn das seien zukunftsweisende Inhalte. Wenn jemand eine sehr gute Grundqualifikation mitbringt, könne sie oder er sich das Thema automatisiertes Fahren auch „on the Job“ aneignen, macht Jost Mut. „Ich habe mehr als zwölf Nationalitäten im Team. Das funktioniert sehr gut und eröffnet uns allen immer wieder neue Perspektiven. Und selbstverständlich sind Bachelorabsolventen bei uns willkommen“, versichert Jost. „Das Thema automatisiertes Fahren ist immer sehr innovativ, an der Grenze des Machbaren. Es ist ein Innovationshub, der schon sehr lange anhält und uns auch noch über mehrere Jahrzehnte beschäftigen wird.“

Worum es bei den Trucks im Speziellen geht, werde den Newcomern am ehesten klar, wenn sie sich mal reinsetzen. Ihre Gesichter zeigten dann, wie sehr das fasziniert, berichtet sie schmunzelnd.

Und wie sieht es mit den Fahrkünsten der Chefin aus? Natürlich könne sie einen Truck fahren. „Für mich ist es selbstverständlicher Teil meines Jobs, einen Truck-Führerschein zu haben und zusätzliche Trainings rund um das Fahrzeug zu durchlaufen“, kontert Katrin Jost.

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