Hochschulstudie 17. Feb 2021 Von Wolfgang Schmitz

Gute digitale Lehre auf Dauer gefährdet

Eine Studie des Hochschulforums Digitalisierung zeigt: Die Corona-Pandemie hat der digitalen Lehre an deutschen Hochschulen einen starken Schub gegeben. Doch die Finanzierungsmodelle sind oft kurzfristig angelegt.


Foto: PantherMedia / Wavebreakmedia ltd

Von der pandemiebedingten Umstellung auf digitale Lehre sind insbesondere Strukturen für Studium und Lehre betroffen. Einrichtungen wie Rechen- und Medienzentren, Bibliotheken und Servicestellen für digitales Lehren stellen an ihren jeweiligen Hochschulen die dafür notwendige technische Infrastruktur bereit und bieten darüber hinaus Beratungs- und Qualifizierungsangebote für Lehrpersonal an.

Die vom Hochschulforum Digitalisierung veröffentlichte „Studie zu Veränderungsprozessen in Unterstützungsstrukturen für Lehre an deutschen Hochschulen in der Corona-Krise“ zeigt aber: Es fehlt den Hochschulen eine nachhaltige Finanzierungsstrategie, um den digitalen Fortschritt zu halten und weiterzuentwickeln.

Anschlussfinanzierung bitter nötig

Nach den drei wichtigsten Maßnahmen gefragt, die in den letzten Monaten ergriffen wurden, nannten knapp 40 % der befragten Hochschulmitarbeiter Kommunikationsplattformen und Videokonferenzsysteme. Dafür nutzen Hochschulen neben dem Marktriesen Zoom und Web­Ex auch Open-Source-Lösungen wie BigBlueButton. Hinter dieser technischen Unterstützung belegen virtuelle Schulungen von Lehrkräften mit 29 % den zweiten und Onlinesprechstunden oder Hotlines (26 %) den dritten Platz. Neben der Bereitstellung digitaler Infrastruktur liegt die Hauptaufgabe der Unterstützungseinrichtungen in der Krise also darin, Lehrpersonal als Vermittler zwischen Mensch und Technologie zu qualifizieren und zu beraten.

 „Unterstützungsstrukturen für Digitalisierung in Studium und Lehre haben maßgeblich dazu beigetragen, die Corona-Pandemie an Hochschulen zu bewältigen, da sie mit anpassungsfähigen Strukturen, Flexibilität und agiler Teamarbeit den Hochschulbetrieb aufrechterhalten haben“, sagt Lavinia Ionica, Programmmanagerin beim Stifterverband. „Gleichzeitig ist klar: Ohne eine nachhaltige Anschlussfinanzierung kann das jetzt gelebte digitale Niveau an den Hochschulen nicht gehalten werden.“

 Personalmangel kündigt sich an

Die in der Pandemie neu geschaffenen oder deutlich ausgebauten Angebote werden laut Befragung sowohl von Studierenden als auch von Lehrenden sehr gut angenommen. Jeweils mehr als 70 % sind zufrieden oder sehr zufrieden mit der Akzeptanz und Umsetzung der schnell beschlossenen Maßnahmen.

 Zwar wurden hierfür kurzfristig Mittel bereitgestellt, langfristige Perspektiven, zum Beispiel für die personelle Ausstattung, fehlen jedoch häufig. So glaubt nur knapp ein Viertel der Befragten, dass es für die digitale Lehre künftig mehr Personal geben wird. Die Hälfte ist optimistisch, dass die finanziellen Mittel wachsen werden.

 Neben der Finanzierung sehen die Autoren Strategiebildung und Vernetzung als Kernelemente nachhaltigen Fortschritts für die digitale Lehre. Sie fordern die Hochschulen auf, eigene Digitalisierungsstrategien (weiter) zu entwickeln und verstärkt auf Kooperation untereinander zu setzen. Zusätzlich brauche es konkrete Anforderungen für gute digitale Lehre und entsprechende Qualifizierungsangebote für Lehrende.

Das Hochschulforum Digitalisierung …

… ist eine gemeinsame Initiative des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) und der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).

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