Neues aus den Topetagen 20. Mrz 2020, 12:14 Uhr

Kaeser räumt Posten

Joe Kaeser tritt den Chefposten bei Siemens an seinen Kronprinzen ab. Bis Februar 2021 soll der Stab an Roland Busch übergeben sein. Und noch andere Neuigkeiten von Führungskräften, u. a. bei ProSiebenSat.1, gibt es in dieser Woche.


Foto: panthermedia.net/ kopitin

Von dpa/Claudia Burger

Siemens

Siemens baut seine Konzernspitze und die Führung der zum Börsengang anstehenden Tochter Energy um. Konzernchef Joe Kaeser wird sukzessive an seinen Stellvertreter Roland Busch übergeben, wie das Unternehmen am Donnerstagabend mitteilte. Spätestens zur Hauptversammlung am 3. Februar 2021 soll der Wechsel vollzogen sein. Auch ein früherer Termin ist möglich. Kaeser strebe keine Verlängerung seines Vertrags an, hieß es. Stattdessen soll er als Aufsichtsratschef von Siemens Energy vorgeschlagen werden, dem bisherigen Energiegeschäft. Kaeser ist seit August 2013 Siemens-Chef. Während die Ablösung von Kaeser grundsätzlich erwartet wurde, überrascht der Abgang von Vorstand Michael Sen. Er steht Gas and Power vor und sollte eigentlich erster Vorstandsvorsitzender von Siemens Energy werden. Diese Aufgabe übernimmt vom 1. Mai an der von Linde kommende Christian Bruch. Der Zeitplan für den Börsengang Ende September soll eingehalten werden. Offiziell verlassen Sen und sein Finanzchef bei Gas and Power, Klaus Patzak, Siemens im gegenseitigen Einvernehmen. Aus dem Unternehmensumfeld ist allerdings zu hören, dass Sen gescheitert sei – wohl an unterschiedlichen Vorstellungen zum Geschäftsmodell im Vergleich zum Konzernvorstand. Sen habe unter anderem schneller mehr Eigenständigkeit für Energy gewollt, heißt es dazu von anderer Stelle. Die Verantwortung für Energy im Siemens-Vorstand übernimmt Kaeser, der im Konzern aber schrittweise Kompetenzen abgibt. So übernimmt Busch bereits vom 1. April an zusammen mit seinem neuen Vertrag über fünf Jahre die übergeordnete Verantwortung für Digital Industries, Smart Infrastructure und Mobility, mithin für den Kern des verbleibenden Konzerns. „Roland Busch wird bereits für die Budgetplanung des Geschäftsjahres 2021 und deren Umsetzung verantwortlich sein und ab dem 1. Oktober 2020 alle dazu relevanten Aufgabengebiete im Vorstand übernehmen“, betonte Siemens. Im Konzernumfeld wird Letzteres als de-facto-Übergabe der Führung gesehen. Busch ist 55 Jahre alt und seit 2011 im Siemens-Vorstand. Dort zeichnet er unter anderem für das Tagesgeschäft, die Technologie und die Unternehmensentwicklung verantwortlich. Er war zum 1. Oktober 2019 zu Kaesers Vize ernannt worden und wurde seither als Nachfolger gehandelt. Ursprünglich hatte der Aufsichtsrat angekündigt, die Personalie im Sommer entscheiden zu wollen. Dass die Entscheidung zum Wechsel von Kaeser auf Busch schon jetzt fiel, liegt dem Unternehmensumfeld zufolge am Abgang Sens. Man habe die Personalien dann in einem Zug umsetzen wollen. Siemens befindet sich derzeit in einer Umbruchphase. Der Konzern will im Laufe des Jahres sein Energiegeschäft als Siemens Energy an die Börse bringen. Kaeser hat diesen Transformationsprozess vorangetrieben. Zuletzt war er allerdings unter anderem für seinen Umgang mit den Protesten von Klimaschützern gegen die Lieferung von Zugsignaltechnik von Siemens für ein riesiges Kohlebergbauprojekt in Australien in die Kritik geraten. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Siemens, Jim Hageman Snabe, dankte Kaeser für sein „vorausschauendes Handeln“ sowie die Entschlossenheit und den Mut, Siemens „für die Zukunft neu aufzustellen“.

ProSiebenSat.1

Das Personalkarussell im Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 dreht sich weiter: Der stellvertretende Vorstandschef Conrad Albert hat die Führungsquerelen öffentlich als „Vorstands-Soap-Opera“ kritisiert und nimmt jetzt vorzeitig seinen Hut. Der Fernsehkonzern teilte mit, Albert verlasse das Unternehmen am 30. April „im gegenseitigen Einvernehmen“. Vorstandschef Max Conze äußerte sich nicht. Aufsichtsratschef Werner Brandt dankte Albert „für seine langjährigen und besonderen Verdienste“. Er habe das Unternehmen mit geprägt und mit seinen medienpolitischen Initiativen für die Branche Maßstäbe gesetzt. Albert war seit 2011 im Vorstand, seit 2017 stellvertretender Chef. Nach dem vorzeitigen Abgang des Konzernchefs Thomas Ebeling im Februar 2018 hatte er ProSiebenSat.1 kommissarisch geleitet, bis zum Amtsantritt Conzes im Juni 2018. Seit Mitte 2018 haben bereits drei Vorstände und mehrere wichtige Manager das Unternehmen verlassen. ProSiebenSat.1 kämpft seit Langem mit sinkenden Erlösen und Gewinnen im Kerngeschäft Werbefernsehen. Unternehmenschef Conze versucht, mit besserem Programm, digitalen Abspielkanälen, einer Streamingplattform sowie mit Onlineshops neue Standbeine aufzubauen. Die Investmentfirma Czech Media Invest (CMI) des Milliardärs Daniel Kretinsky verdoppelte nun ihre Anteile an ProSiebenSat.1 auf 10 %. Eine ProSiebenSat.1-Sprecherin sagte nach der Veröffentlichung der Börsenmitteilung: „Für uns ist das ein schöner Beleg für unsere Strategie und dass CMI diese unterstützt.“

SWR

Der Südwestrundfunk hat erstmals eine Direktorenstelle an zwei Teilzeitmanagerinnen vergeben. SWR-Intendant Kai Gniffke sprach vom „ersten Top-Sharing in der ARD“ auf Direktorenebene. Die Juristinnen Alexandra Köth (47) und Katrin Neukamm (42) übernehmen demnach im Sommer gemeinsam zu je 50 % die Nachfolge des langjährigen SWR-Justiziars Hermann Eicher, der in den Ruhestand geht. Köth ist seit mehr als 15 Jahren im SWR-Justiziariat tätig, Katrin Neukamm kommt vom WDR.

Microsoft

Microsoft-Gründer Bill Gates zieht sich weiter bei dem Softwarekonzern zurück. Der 64-Jährige verlässt den Verwaltungsrat des Windows-Riesen. Gates wolle mehr Zeit für seine verschiedenen wohltätigen Engagements haben, teilte Microsoft mit. Er werde jedoch Vorstandschef Satya Nadella und dem restlichen Führungsteam weiterhin als Berater erhalten bleiben. Gates legte auch das Verwaltungsratsmandat bei Warren Buffetts Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway nieder. Bei Microsoft hatte Gates sich bereits Mitte 2008 aus dem Tagesgeschäft zurückgezogen und war im Februar 2014 zu Nadellas Amtsantritt als Verwaltungsratschef zurückgetreten. Sein Posten in dem Spitzengremium des Konzerns, das dem Vorstand übergeordnet ist, soll zunächst nicht neu besetzt werden.

Das Direktorium schrumpft auf zwölf Mitglieder. Gates hatte Microsoft 1975 zusammen mit Paul Allen gegründet, der 2018 an den Folgen einer Krebserkrankung starb. Zusammen prägten sie die Anfänge der PC-Branche und brachten es so zu großem Reichtum. Mit einem Vermögen von knapp 104 Mrd. $ (rund 93,5 Mrd. €) ist Gates laut Schätzungen des US-Magazins „Forbes“ aktuell nach Amazon-Chef Jeff Bezos der zweitreichste Mensch der Welt. Berkshire Hathaway, das Beteiligungskonglomerat von US-Starinvestor Warren Buffett, gab bekannt, dass als Nachfolger von Gates im Verwaltungsrat Kenneth Chenault nominiert worden sei. Chenault war bis Februar 2017 Chef des Kreditkartenanbieters American Express.

Mitgas

Christian Ohlms ist neuer Aufsichtsratsvorsitzender beim regionalen Gasversorger und Energiedienstleister Mitgas. Der 46-jährige Diplom-Kaufmann aus Essen sei zum Nachfolger von Peter Rüth gewählt worden, wie Mitgas mitteilte. Rüth sei auf eigenen Wunsch aus dem Aufsichtsrat ausgeschieden. Ohlms ist den Angaben zufolge seit 2018 als Bereichsvorstand Finanzen für die Sparte Grid & Infrastructure der Innogy SE zuständig. Er habe seit 2010 im Konzernverbund von RWE in verschiedenen leitenden Funktionen gearbeitet.

DLR

Nun ist es offiziell: Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) bekommt ab Oktober eine neue Chefin. Die bisherige Präsidentin der Technischen Universität Braunschweig, Anke Kaysser-Pyzalla, wird den Vorstandsvorsitz der Kölner Forschungseinrichtung übernehmen, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch mitteilte. Die Mitglieder des DLR-Senats hätten die 53 Jahre alte Diplom-Ingenieurin und habilitierte Werkstoffwissenschaftlerin einstimmig zur Nachfolgerin von Pascale Ehrenfreund gewählt. Wirtschaftsminister Peter Altmaier sagte, das DLR stehe „vor enormen technologischen und auch gesellschaftspolitischen Herausforderungen wie dem Klimaschutz“. Kaysser-Pyzalla verfüge über umfassende Erfahrung als Wissenschaftsmanagerin in unterschiedlichen Forschungseinrichtungen. „Sie ist deshalb die richtige Persönlichkeit, um diese Aufgabe zu meistern und damit den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland zu stärken.“ Kaysser-Pyzalla war unter anderem Wissenschaftliche Geschäftsführerin des Helmholtz-Zentrums Berlin für Materialien und Energie sowie Direktorin und Geschäftsführerin des Max-Planck-Instituts für Eisenforschung in Düsseldorf.

Boeing

Die ehemalige US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen, Nikki Haley, ist als Verwaltungsrätin von Boeing zurückgetreten. Grund ist ein Konflikt um staatliche Hilfsgelder in der Coronaviruskrise, wie der Flugzeugbauer am Donnerstag gegenüber der Börsenaufsicht offenlegte. Haley lehne aus Prinzip ab, dass sich Boeing bei der Regierung um Unterstützung bemühe und habe deshalb ihren sofortigen Rücktritt eingereicht. Boeing ist wegen des nach zwei Abstürzen mit Startverboten belegten Flugzeugmodells 737 Max ohnehin schon stark angeschlagen, die Folgen der Ausbreitung des Coronavirus bringen den Airbus-Rivalen weiter in Not. Der US-Luft- und Raumfahrtriese ist auf milliardenschwere Hilfsgelder angewiesen. Die 48-jährige Haley, die zeitweise als große Hoffnungsträgerin der Republikanischen Partei galt, war erst Ende April 2019 von den Aktionären ins Boeing-Direktorium gewählt worden.

Stellenangebote

Hochschule Merseburg

Professur Fertigungstechnik (W2)

Merseburg
Hochschule Merseburg

Professur Konstruktionstechnik (W2)

Merseburg
THD - Technische Hochschule Deggendorf

Professor oder Professorin (m/w/d) Unternehmensführung und Technologiemanagement (W2)

Pfarrkirchen
Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften

Technische Referendare / Bauoberinspektor-Anwärter (m/w/d)

Hannover
Westsächsische Hochschule Zwickau (FH)

Professor (m/w/d) für Automatisierungstechnik und Mikroprozessor-Systeme W2

Zwickau
Staatliches Baumanagement Niedersachsen

Technische Referendare / Bauoberinspektor- Anwärter (m/w/d)

Hannover
Hochschule Osnabrück

Professur (W2) für nachhaltige Lebensmittel- und Verpackungstechnik

Osnabrück
Hochschule für angewandte Wissenschaften München

W2-Professur für Bauproduktionsplanung und Prozessoptimierung (m/w/d)

München
Hochschule Hannover

W2-Professur Physik und Messtechnik

Hannover
Hochschule Ruhr West

Kanzler der Hochschule Ruhr West (m/w/d)

Mülheim an der Ruhr
Zur Jobbörse

Das könnte Sie auch interessieren

Empfehlungen der Redaktion

Top 10 aus der Kategorie Karriere