ARBEITSWELT 13. Okt 2016 Manfred Bergheim

Keine lange Leitung

Bei der Prysmian Group setzt man auf ein vierjähriges Karriereprogramm.

Zwei in Wuppertal: Dominik Altwasser (l.) heuerte vor zwei Jahren bei der Prysmian Group an. Guido Seelbach absolviert das hauseigene Karriereprogramm.
Foto: Manfred Bergheim

Die Prysmian Group ist in Deutschland als Kabelproduzent und Anbieter von Systemlösungen in der Kabeltechnik eher wenig bekannt. Dort sollen junge Ingenieure von der internationalen Ausrichtung der Gruppe profitieren und gleichzeitig in den deutschen Betriebsstätten verankert sein. So wie Dominik Altwasser.

Historie der Prysmian-Gruppe

Sie entstand, als 2005 der italienische Konzern Pirelli seine Kabel- sparte an Investoren verkaufte, 2008 erfolgte die Übernahme des damals weltweit sechstgrößten Kabelproduzenten Draka aus den Niederlanden. Hauptsitz ist Mailand.

Heute ist Prysmian mit mehr als 19 000 Mitarbeitern in 50 Ländern und 89 Betriebsstätten nach eigenen Angaben Weltmarktführer in der Entwicklung, Produktion und Installation von Kabeln für sämtliche industrielle Anwendungen. Dazu gehören insbesondere die Energieversorgung und die sonstige Infrastruktur, optische Erdungskabel, Glasfasern sowie Glasfaser- und Kupferkabel für die Telekommunikation. In der Anbindung von Offshore -Windparks spielt das Unternehmen weltweit eine Rolle.

Auch bei diesen Bauten mischte Prysmian mit: Wolkenkratzer Burj Khalifa in Dubai, dem Marina Bay Sand in Singapur oder dem neuen World Trade Center in New York, in denen feuerfeste Kabel von Prysmian verbaut wurden. Er wurde vor zwei Jahren von Prysmian angesprochen, ob er nicht ins Unternehmen wechseln wolle. Der 32-jährige Wirtschaftsingenieur in der Fachrichtung Energietechnik hatte für seinen früheren Arbeitgeber große Infrastrukturprojekte betreut. Es ging unter anderem um eine große Offshore-Windkraftanlage, für die Prysmian die Verkabelung zwischen den Konvertern an Land und auf der See-Plattform bewerkstelligte. Hier wurden erstmals Kontakte geknüpft. Heute ist der Absolvent der RWTH Aachen Projektmanager für Kabel- und Systemdesign für die CEE-Region, also Mittel- und Osteuropa, mit der Basis in Wuppertal, einem der deutschen Standorte der Prysmian Group.

Im Studium an der RWTH hatte Dominik Altwasser von seinem jetzigen Arbeitgeber noch nichts gehört. Dieses Versäumnis, dass Prysmian an den Hochschulen für die Studierenden bisher zu wenig präsent ist, möchte Thomas Odenhoven im Auftrag der Berliner Deutschlandzentrale möglichst schnell beheben. „Wir werden eine große Altersfluktuation im Unternehmen haben, deshalb müssen wir jetzt das Employer Branding vorantreiben“, erläutert der HR Manager der zu Prysmian gehörenden Draka Cable Wuppertal GmbH.

„Junges, frisches Ingenieur-Know-how“ soll ins Unternehmen kommen, dazu dient auch das weltweit aufgelegte Make-it-Programm der Group. Guido Seelbach hatte nach seinem Master-Studium der Elektrotechnik, Technischen Informatik und Informationstechnologie an der RWTH Aachen einfach mal im Internet recherchiert, welche Trainee-Stellen für ihn interessant sein könnten und war auf Prysmian und sein auf vier Jahre angelegtes Karriereprogramm gestoßen. „Ich hatte mich schon im Bachelor-Studiengang auf Hochspannungstechnik spezialisiert. Und da ist die Kabeltechnik natürlich ein Thema. Ich habe das dann immer weiter vertieft, fand es spannend. Vielleicht auch, weil ich aus Marl im Ruhrgebiet komme und von klein auf die großen Kraftwerke gesehen habe und mich für deren Technik interessierte“, berichtet der 27-Jährige.

Die erste Station im Programm war die einwöchige Einführung in die Kultur, die Unternehmensziele und globale Strategie von Prysmian, zu der rund 50 Teilnehmer des Programms aus aller Welt in der Mailänder Unternehmenszentrale zusammenkamen. Schon ganz praktisch ausgelegt war die zweite Station im türkischen Mudanya. Dort steht eine wichtige Fabrikationsanlage, an die eine „Fertigungsakademie“ angeschlossen ist. Zwei weitere Treffen in Mudanya sind für das kommende Jahr terminiert, auf dem Programm steht auch ein Besuch von niederländischen Kollegen in Wuppertal, andere Teilnehmer des Programms reisen in die USA. „Der Erfahrungsaustausch über diese internationalen Kontakte nützt mir jetzt schon bei meinem ersten Projekt hier in Wuppertal, da ein Kollege in England ein ähnliches Problem zu bewältigen hat“, sieht Guido Seelbach die ganz praktische Seite des Networking bestätigt.

Es soll zukünftig viel mehr übergreifende Projekte innerhalb des Gesamtunternehmens geben, sodass Know-how-Transfer vereinfacht wird und die weiteren Zusammenkünfte innerhalb des Make-it-Programms sollen Anknüpfungspunkte für die Beteiligten ermöglichen. Eingesetzt werden die Teilnehmer grundsätzlich lokal, durchlaufen alle Abteilungen in ihren Stammwerken. So ist auch Guido Seelbach als „Production Engineer“ für das Draka-Cable-Werk in Wuppertal eingestellt worden, wird nach dem dort gültigen Tarifvertrag für die Metallindustrie bezahlt.

In Deutschland ist Prysmian mit seinen rund 1600 Mitarbeitern vor allem auf Spezial- und Energiekabel für Bergbau-, Hebezeuge-, Automotive- und Medizintechnologie sowie Solar- und Windenergie-Anwendungen ausgerichtet. Für die Zukunft verspricht sich Prysmian viel vom deutschen Markt für Hochspannungskabel.

Die Debatte über die Vor-und Nachteile der Erdverlegung von Stromleitungen im Vergleich zu überirdischen Trassen ist ja in vollem Gange. „Wir gehen davon aus, dass sich der Hochspannungsmarkt erheblich vergrößern wird. Wir rechnen mit neuen Projekten sowohl im 380 kV- als auch im 110 kV-Leitungsbau. Dafür benötigen wir Manpower“ erklärt Thomas Odenhoven.

Das Draka-Werk in Wuppertal ist das letzte, das in Deutschland noch Hochspannungskabel herstellt. Und das soll auch so bleiben. „Im Hochspannungsbereich sind wir sehr nah dran an der Wissenschaft. Die kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Universität Mailand gehört dazu, aber auch deutsche Universitäten begleiten uns“, ergänzt Dominik Altwasser.

Er ist inzwischen in Wuppertal als Heimatbasis angekommen. Drei Tage in der Woche ist er zwar immer noch in seinen Projekten unterwegs, aber immerhin zwei Wochentage verbringt er in seiner neuen beruflichen Routine im Bergischen Land. Und auch Guido Seelbach wird das Pendeln aus dem nahen Ruhrgebiet bald aufgeben und sich eine Wohnung vor Ort suchen.

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