Abgang von Jennifer Morgan 24. Apr 2020 Von dpa/Claudia Burger

Klein regiert bei SAP allein

Die Woche brachte eine große Überraschung: Jennifer Morgan, erste Frau an der Spitze eines DAX-Konzerns, scheidet am 30. April aus dem Unternehmen aus. Auch bei anderen Firmen gibt es Veränderungen.


Foto: panthermedia.net/kopitin

SAP

Aus der Traum: Die erste Frau an der Spitze eines Dax-Konzerns räumt den Posten. Die US-Amerikanerin Jennifer Morgan war die erste Vorstandschefin eines Dax-Konzerns überhaupt. Über die Hintergründe wird viel spekuliert, auch die Art und Weise des Umgangs des Konzerns mit Morgan wird in den Medien unterschiedlich bewertet. Fakt ist: Damit hat wohl niemand gerechnet. Mitten in der Coronavirus-Krise und nach nur einem halben Jahr an der Spitze des Softwareriesen gibt SAP-Co-Chefin Jennifer Morgan ihren Posten wieder auf. Ihr CEO-Kollege Christian Klein wird den Dax-Konzern künftig allein führen. Die 48-jährige Morgan habe sich mit dem Aufsichtsrat einvernehmlich darauf verständigt, das Unternehmen zum 30. April zu verlassen. „Mehr denn je verlangt die aktuelle Situation von Unternehmen schnelles, entschlossenes Handeln und eine klare, hierbei unterstützende Führungsstruktur“, hieß es in einer Mitteilung. Es ist nicht das erste Mal, dass eine Topmanagerin den Konzern verlässt: 2011 warf Angelika Dammann, die einzige Frau im Vorstand des Softwarekonzerns, nach nur einem Jahr das Handtuch, es wurden persönliche Gründe genannt. Danach diente Luisa Delgado als Personalvorstand, nahm aber ebenfalls nach nur rund zwölf Monaten ihren Hut.

Klein war zunächst als Student bei SAP tätig

Morgan war im Oktober 2019 zusammen mit Klein an die Spitze des größten Softwareherstellers Europas aufgerückt, nachdem sich Vorgänger Bill McDermott überraschend zurückgezogen hatte. Damals hatte SAP die Doppelspitze als bewährtes Modell und bestens geeignet für den Konzern dargestellt. Nun hieß es, man kehre früher als geplant zu einem alleinigen Vorstandschef zurück, um eine starke, eindeutige Führungsverantwortung sicherzustellen. „Der Grund war der Ausbruch der Krise“, sagte Klein. Einen genauen Zeitplan für die Rückkehr zum Einzel-CEO-Modell habe es nicht gegeben. Zugleich stellte er klar: „Das war keine persönliche Sache.“ Morgan und er seien sich einig gewesen, dass die Doppelspitze aktuell nicht geeignet gewesen sei. Der 39-Jährige steht nun allein vor der Aufgabe, den Konzern durch die Corona-Krise zu führen. Für den Weg vom studentischen Mitarbeiter zum Vorstandschef des größten Softwareherstellers Europas hat Christian Klein gerade einmal 20 Jahre gebraucht. SAP kennt der heute 39-Jährige in- und auswendig. Er stammt aus der Region, fing 1999 noch als Student bei dem Konzern an und hat sein ganzes Berufsleben dort verbracht. 2018 rückte der studierte Betriebswirt in den Vorstand auf und war dort für die Kernanwendungen von SAP und das operative Geschäft insgesamt verantwortlich. Bis zu seinem Sprung an die SAP-Spitze war Klein öffentlich kaum in Erscheinung getreten, und auch seither tritt er gerade im Vergleich zu seinem Vorgänger Bill McDermott, der sich vor allem als oberster Verkäufer sah, eher zurückhaltend auf. Trotz aller Schwierigkeiten hat SAP im ersten Quartal einen deutlichen Gewinn eingefahren. Zwischen Januar und März verdienten die Walldorfer 811 Mio. €. Vor einem Jahr war erstmals seit fast 17 Jahren ein Quartalsverlust in Höhe von 108 Mio. € angefallen, weil SAP viel Geld in einen Stellenumbau gesteckt hatte. Auch die aktienbasierte Mitarbeitervergütung fiel dieses Mal deutlich schwächer ins Gewicht, weil der Aktienkurs nicht mehr so stark zugelegt hatte. Viele Mitarbeiter bei SAP werden auch gemäß steigender Kurse der eigenen Aktie vergütet. SAP hatte bereits vorläufige Zahlen vorgelegt und wegen der Corona-Krise seine Jahresprognose zusammenstreichen müssen. Der Umsatz war im ersten Quartal noch um 7 % auf 6,5 Mrd. € gestiegen, gegen Ende hatte der Konzern aber schon die Auswirkungen der Krise zu spüren bekommen. Eine bedeutende Zahl von Neuabschlüssen sei verschoben worden, was sich vor allem in einem erheblichen Rückgang der Erlöse aus dem Verkauf von Softwarelizenzen widergespiegelt habe, hieß es. Für das gesamte Jahr 2020 rechnet SAP nun mit einem Umsatz in der Größenordnung von 27,8 Mrd. € bis 28,5 Mrd. € und einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern von 8,1 Mrd. € bis 8,7 Mrd. €.

Neuregelung der Vorstandsbezüge geplant

Nach der Abschaffung der Doppelspitze beim Softwareunternehmen SAP könnte der künftige Alleinchef Christian Klein nahezu doppelt so viel verdienen wie bisher. Dies geht nach Informationen der „Welt“ aus der geplanten Neuregelung der Vorstandsbezüge bei dem Walldorfer Konzern hervor. Demnach wird auf der virtuellen Hauptversammlung am 20. Mai vorgeschlagen, die mögliche Maximalvergütung für den Vorstandssprecher auf jährlich 34,5 Mio. € festzulegen. Bislang sollte die Maximalvergütung für jeden der beiden Co-Vorstandschefs nur bei je 18,4 Mio. € liegen. SAP gehörte in den vergangenen Jahren bereits zu den Konzernen, bei denen der Vorstand zu den Top-Verdienern zählte. So kassierte beispielsweise der Amerikaner Bill McDermott, 58, der von 2010 bis Oktober 2019 an der SAP-Spitze stand und auf eigenen Wunsch Mitte November 2019 aus dem Vorstand ausschied, für 2019 eine Gesamtvergütung von gut 15,2 Mio. €. Seine maximal mögliche Vergütung lag bei 36,4 Mio. €.

EVG

Nach nur fünf Monaten hat der Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), Torsten Westphal, sein Amt am Dienstag niedergelegt. Westphal habe dafür persönliche Gründe genannt, teilte die Gewerkschaft in Frankfurt mit, ohne ins Detail zu gehen. Die Aufgaben des Vorsitzenden übernimmt demnach vorerst der Stellvertreter, Klaus-Dieter Hommel. „Das Wichtigste ist: Die EVG ist und bleibt arbeitsfähig“, hob Hommel hervor. Der Posten des Vorsitzenden solle so schnell wie möglich neu besetzt werden. Wann allerdings ein Gewerkschaftstag einberufen werden kann, ist angesichts der Corona-Beschränkungen noch unklar. Der 1966 in Rostock geborene Westphal war rund drei Jahre Bundesgeschäftsführer der Gewerkschaft, bevor er im November ihr Vorsitzender wurde. Im März übernahm er den Vize-Vorsitz im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn, den seit Jahren die EVG besetzt. Sie ist mit knapp 190 000 Mitgliedern die größte deutsche Bahngewerkschaft.

Dürr

Der Anlagenbauer Dürr bekommt einen neuen Oberkontrolleur. Auf den ausscheidenden Karl-Heinz Streibich soll Gerhard Federer folgen, der seit 2016 im Aufsichtsgremium ist. Streibich kandidiert für den Chefposten im Aufsichtsrat der Software AG, wo er bis 2018 Vorstandschef war. Er habe sich daher für ein Niederlegen des Mandats bei Dürr entschlossen, teilte das MDax-Unternehmen am Montag mit. Die ursprünglich für den 8. Mai geplante Hauptversammlung soll nun am 28. Mai online stattfinden. Dürr will für das Vorjahr 80 Cent je Aktie ausschütten, 20 Cent weniger als im Jahr zuvor. Neues Mitglied im Dürr-Kontrollgremium soll Arnd Zinnhardt werden, der zuletzt Finanzchef bei der Software AG war. Gemeinsam mit anderen Maschinenbauern hatte Dürr zusammen mit der Software AG die IoT-Plattform Adamos gegründet, die in der Branche zur Datenvernetzung von Maschinen und Anlagen dienen soll.

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