Mint-Studie 07. Mai 2020 Von idw/Wolfgang Schmitz

Leistungskurve zeigt abwärts

Wie steht es um die technisch-naturwissenschaftliche Bildung in Deutschland? Wie schneiden deutsche Schüler in Mathematik ab? Auf diese Fragen liefert das neue „MINT Nachwuchsbarometer“ von Acatech und Körber-Stiftung Antworten.


Foto: panthermedia.net / Andriy Popov

Die derzeitige Coronakrise führt der Gesellschaft die Relevanz der Mint-Bildung vor Augen: Wissenschaftler erklären Prinzipien der Virologie und berechnen Modelle zum Verlauf der Pandemie, Unternehmen stellen ihre Produktion auf Medizintechnik und -materialien um. Und die schulische Bildung wird in den digitalen Raum verlagert. Mint ist „systemrelevant“, eine nachhaltige Stärkung der Mint-Bildung und des -Nachwuchses scheint daher dringend notwendig.

Leistungen in Ländern unterschiedlich

Das „MINT Nachwuchsbarometer 2020“ von Acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und der Körber-Stiftung zeigt, dass seit dem Jahr 2012 die mathematischen und naturwissenschaftlichen Leistungen der 15-Jährigen kontinuierlich sinken. „Rund 20 % dieser Altersgruppe zählen zur Risikogruppe, denn sie sind in Mathematik und Naturwissenschaft nicht auf dem notwendigen Niveau, um erfolgreich ihren Ausbildungsweg in Schule oder Beruf fortzusetzen“, heißt es im Kommentar zur Studie. In Mathematik gibt es demnach einen erheblichen Unterschied zwischen den Bundesländern: So entspricht der Abstand zwischen den Schülern der neunten Klasse im leistungsstärksten und schwächsten Land einer Lerndifferenz von etwa zwei Schuljahren.

Bei der digitalen Bildung fehlen grundlegende Kompetenzen im Umgang mit den digitalen Medien. 33 % aller Schüler in der achten Klasse gelten als leistungsschwach. In der Oberstufe wählt nur 1 % der Jugendlichen einen Leistungskurs Informatik. Und nur knapp 14 % der Abiturienten können systematisch nach Informationen im Netz suchen und diese hinsichtlich ihrer Glaubwürdigkeit beurteilen.

Mangel an Informatiklehrern

Die Anzahl der Lehramtsstudierenden im Mint-Bereich wächst. So nahmen im Jahr 2018 rund 6800 junge Erwachsene ein Lehramtsstudium im Fach Mathematik auf – und damit rund 1400 mehr als noch im Jahr 2015. Allerdings: Von allen Lehramtsstudierenden entschieden sich nur 2 % für das Fach Informatik. Es wird laut Studie also weiterhin zu wenig Informatiklehrkräfte geben. Auf den steigenden Bedarf an Mint-Lehrern reagieren viele Schulen mit dem Einsatz fachfremder Lehrkräfte: 10 % der Mathematiklehrkräfte unterrichten in der neunten Klasse an Gymnasien, ohne das Fach studiert zu haben, je nach Region fällt diese Zahl noch deutlich höher aus.

Fortbildung in digitalen Techniken

Olaf Köller, Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) und Studienleiter des MINT Nachwuchsbarometers, bilanziert: „Mit Corona hat die digitale Bildung in den vergangenen Wochen einen Boom erlebt, uns wurde aber auch vor Augen geführt, was wir versäumt haben: das schulformübergreifende Einüben grundlegender computer- und informationsbezogener Kompetenzen – sowohl bei Schülerinnen und Schülern als auch bei Lehrkräften.“ Auch dafür müsste dringend in die Ausbildung und Weiterbildung von Lehrkräften im Mint-Bereich investiert und die Fortbildungen für Lehrkräfte auf den Prüfstand gestellt werden. „Wirksame Fortbildungen münden in einem messbaren Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler.“

Forderung der Fachgesellschaften

„Höchste Aufmerksamkeit“ für Mathematik und Naturwissenschaften im schulischen Unterricht fordern auch die fünf großen mathematisch-naturwissenschaftlichen Fachgesellschaften in einem Positionspapier. Sie verweisen auf die Beiträge, die von Technik und Naturwissenschaften gerade in der aktuellen Coronakrise geleistet werden. Ob es um technische Einrichtungen wie Intensivbetten oder Beatmungsgeräte geht, um die Voraussage künftiger Fallzahlen, für die mathematische, medizinische und epidemiologische Kenntnisse gleichermaßen wichtig sind, um die Erforschung des Virus, die Entwicklung neuer Tests auf Covid-19 bzw. auf Antikörper gegen das Virus oder um die Herstellung der benötigten Schutz- und Desinfektionsmittel – überall sei technisch-naturwissenschaftlicher Sachverstand gefragt.

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