Diversity 08. Mrz 2022 Von André Weikard

Weniger Chefinnen im deutschen Mittelstand

Zum Weltfrauentag gibt es ernüchternde Zahlen: Der Anteil von Chefinnen im Mittelstand ist im vergangenen Jahr wieder gesunken: Von den rund 3,8 Mio. kleinen und mittleren Unternehmen in Deutschland werden aktuell nur 16 % bzw. 608 000 von Frauen geführt (2020: 16,8 %/638 000), wie eine aktuelle Sonderauswertung von KfW Research auf Basis des repräsentativen KfW-Mittelstandspanels zeigt.

Frauen an der Spitze des Unternehmens – das ist insbesondere im Mittelstand noch immer die Ausnahme. Zuletzt ging der Anteil frauengeführter KMUs sogar zurück.
Foto: panthermedia.net/filmfoto

Die Frauenquote liege damit um gut 3 Prozentpunkte bzw. rund 100 000 Unternehmen niedriger als ihr bisheriger Höchststand im Jahr 2013 (19,4 %/700 000), teilt die KfW in einer Pressemeldung mit. Die Entwicklung im Mittelstand entkoppele sich damit von der in den Großunternehmen hierzulande. Denn obwohl die gesetzlich verankerten Frauenquoten nur teilweise erreicht würden, zeige der Trend in größeren Unternehmen klar nach oben. Sowohl in den Vorständen als auch in den Aufsichtsräten börsennotierter Unternehmen, die unter diese Regelungen fallen, legte der Frauenanteil auf zuletzt 14,1 % bzw. 35,9 % zu. Die Hoffnung, dies könnte auch den Einzug von Frauen in die mittelständischen Chefetagen beflügeln, sei bislang unerfüllt geblieben.

Gesunkene Gründertätigkeit von Frauen in Deutschland

Ein wesentlicher Grund für den geringen Chefinnenanteil im Mittelstand ist nach Einschätzung der Studienautoren der generell niedrigen und seit der Jahrtausendwende erheblich gesunkenen Gründungstätigkeit in Deutschland zuzuschreiben. Zuletzt lag die Zahl der Gründerinnen bei 205 000 im Jahr 2020. Dass die Führungsetagen des Mittelstands in kurzfristiger Perspektive stärker weiblicher werden, sei daher wenig wahrscheinlich.

„Wer Chefinnen möchte, der braucht Gründerinnen und Frauen in allen Wirtschaftsfeldern oder Branchen“, sagt Fritzi Köhler-Geib, Chefvolkswirtin der KfW. „Und so müssen wir auch am diesjährigen Weltfrauentag leider feststellen: Der Chefinnenanteil in mittelständischen Unternehmen nimmt auf niedrigem Niveau sogar noch ab. Neben einer häufig weiterhin ‚traditionellen‘ Arbeitsteilung bei Haushalt und Kinderbetreuung beeinflussen weiterhin auch eine geschlechterstereotype Ausbildungs- und Berufswahl die Gründungsneigung von Frauen negativ und sorgen dafür, dass sie oft im Dienstleistungssektor tätig sind, der von der Coronakrise besonders hart getroffen war. An diesen Aspekten muss angesetzt werden.“

Warum Unternehmen mit altem Führungsstil Probleme bekommen

Die wirtschaftliche Bedeutung der frauengeführten Mittelständler in Deutschland ist dennoch nicht zu unterschätzen: Sie beschäftigen 3,4 Mio. Arbeitnehmende, bilden 100 000 junge Menschen aus, erzielen insgesamt 331 Mrd. € Umsatz und investieren 15 Mrd. € in neue Anlagen und Bauten. Damit leisten sie einen substanziellen, gemessen an ihrem Anteil an allen kleinen und mittleren Unternehmen von 16 % jedoch unterproportionalen Beitrag zur gesamten Wirtschaftskraft im Mittelstand. Es ist in den vergangenen zehn Jahren hierbei auch kein Aufwärtstrend zu erkennen. Entscheidend sei dafür der Unternehmenstyp, den Frauen in aller Regel führen: Im Fokus stehen kleine Unternehmen, die vor allem im Dienstleistungssektor angesiedelt sind (89 %). Im verarbeitenden Gewerbe sind hingegen nur 4 % aller frauengeführten Unternehmen zu verorten, so die KfW.

Anteil von Akademikerinnen an der Spitze von KMUs stark gestiegen

Beachtenswert ist allerdings, dass die Leitung eines mittelständischen Unternehmens zunehmend für Akademikerinnen interessant zu sein scheint. 58 % der Chefinnen im Mittelstand verfügen aktuell über einen tertiären Bildungsabschluss. Das ist ein mehr als beachtlicher Zuwachs um 18 Prozentpunkte in den vergangenen acht Jahren. Unter den männlichen Inhabern kleiner und mittlerer Unternehmen hat parallel eher eine Seitwärtsbewegung stattgefunden (43 % in 2021 ggü. 46 % 2013 mit höherem Bildungsabschluss).

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