Studie zur beruflichen Entwicklung 13. Jan 2021 Von Peter Steinmüller

Arbeitsmarkt: Medizin gewinnt, Industrie verliert

Das Gesundheits- und Sozialwesen wird bis 2040 die meisten Erwerbstätigen stellen. Am stärksten Schrumpfen wird dagegen das Verarbeitende Gewerbe. Das prognostiziert eine aktuelle Studie des IAB und BIBB.

Das Altern der Bevölkerung ist der Hauptgrund für den wachsenden Bedarf an Arbeitskräften im Gesundheits- und Sozialwesen, schreiben die Forscher von IAB und BIBB.
Foto: PantherMedia / lightwavemedia

Mit 7 Mio. Beschäftigten wird das Gesundheits-und Sozialwesen im Jahr 2040 im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen die meisten Erwerbstätigen stellen. Das wäre ein Zuwachs um knapp 10 % im Vergleich zur aktuellen Beschäftigtenzahl. Hauptgrund ist das Altern der Bevölkerung. Die Corona-Pandemie dürfte das Wachstum der Branche zusätzlich verstärken. Erarbeitet wurde die Studie vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg und dem Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB).

Im Vergleich dazu wird die Zahl der Erwerbstätigen im Verarbeitenden Gewerbe abnehmen. Die Forscherinnen und Forscher rechnen hier mit einem Rückgang von 1,4 Mio. Erwerbstätigen auf 6,1 Mio. Erwerbstätige bis 2040. Dies sei auf die nachlassende Dynamik der Exporte und den Anpassungsdruck zum Beispiel in der Automobilindustrie zurückzuführen. Im Dienstleistungsgewerbe verringern sich vor allem in den Bereichen Handel sowie Instandsetzung und Reparatur von Kraftfahrzeugen die Erwerbstätigenanteile. Der weniger personalintensive Onlinehandel stellt dabei eine Ausnahme dar.

Starker Rückgang in Ostdeutschland

Die Forscherinnen und Forscher haben auch untersucht, wie sich die Zahl der dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehenden Personen entwickelt. Die Zahl der Erwerbspersonen ist bis zum Jahr 2040 in allen Bundesländern außer den Stadtstaaten Berlin und Hamburg rückläufig, insbesondere in den östlichen Bundesländern ist ein starker Rückgang zu erwarten. Damit verbunden nimmt die Zahl der Erwerbstätigen ebenfalls fast überall ab, sodass mit Engpässen in verschiedenen Wirtschaftsbereichen und Berufen zu rechnen ist. Absolut betrachtet werden die meisten Arbeitsplätze in den großen bevölkerungsstarken Flächenstaaten auf- und abgebaut. Relativ betrachtet, also bezogen auf die Zahl der Erwerbstätigen im Jahr 2020, entstehen bis 2040 die meisten Arbeitsplätze in Berlin und Hamburg und die wenigsten in den Flächenstaaten im Osten des Landes.

Rekrutierung wird für Arbeitgeber schwierig

Für Arbeitgeber dürfte die Rekrutierung von Arbeitskräften in vielen Wirtschaftsbereichen und Regionen in der längeren Frist zunehmend schwieriger werden. Wolle man die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft nicht aufs Spiel setzen, seien gut ausgebildete Arbeitskräfte unabdingbar. Die Forscherinnen und Forscher schreiben: „Dies erfordert eine bestmögliche Bildung und Qualifizierung der nachfolgenden Jahrgänge und die Bereitschaft zu lebenslangem Lernen ebenso wie die Attraktivität des Standorts Deutschland für qualifizierte und vom Arbeitsmarkt benötigte Migrantinnen und Migranten.“

Die Analysen basieren auf der sechsten Welle der BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsprojektionen (QuBe-Projekt) und geben einen Überblick über die voraussichtliche Entwicklung des deutschen Arbeitsmarkts bis 2040. Hierbei sind auch die kurzfristigen Effekte der Covid-19-Pandemie abgebildet, sich daraus eventuell ergebende längerfristige Verhaltensänderungen der Unternehmen allerdings nicht.

Die Studie ist abrufbar unter: http://doku.iab.de/kurzber/2021/kb0121.pdf

Tags: Arbeitsmarkt

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