Umfrage: Wechselwilligkeit schwindet 21. Aug 2020 Von Claudia Burger

Sicherheit statt Jobwechsel im Trend

Arbeitnehmer scheuen im Moment den Jobwechsel und setzen verstärkt auf Sicherheit – das ist die Bilanz einer Umfrage der Jobplattform JobMatch.pro. unter 1000 Arbeitnehmern in Deutschland.


Foto: panthermedia.net/get4net

Bei der deutschlandweiten Online-Erhebung wurden Arbeitnehmer unterschiedlicher Branchen nach ihren Erfahrungen und Erwartungen in Bezug auf den Arbeitsmarkt nach Corona befragt. Die Ergebnisse zeigen zum einen, dass der Recruitingmarkt auf Arbeitnehmerseite an Dynamik verloren hat: Obwohl sich ein Viertel der Befragten einen Job wünscht, bewirbt sich gerade einmal die Hälfte von ihnen aktiv auf neue Stellen. „Das Meinungsbild zeigt deutlich, dass nicht nur Unternehmen vorsichtiger beim Recruiting geworden sind. Auch Arbeitnehmer sind derzeit nicht so wechselwillig und setzen bei einem neuen Job auf Sicherheit“, so Peter Steinbach, Gründer und Geschäftsführer von JobMatch.pro. „Vor allem für junge Unternehmen und unsicherere Branchen wie die Zuliefererindustrie könnte es in Zukunft also schwieriger werden, qualifizierte Fachkräfte zu finden.“

Wer jetzt eine sichere Stelle hat, geht nur ungern ein Risiko zugunsten einer neuen ein, wie die Studie zeigt. Gerade einmal 13 % der Befragten gaben an, sich aktiv auf neue Stellen zu bewerben. 12 % wünschen sich zwar einen neuen Job, bewerben sich aber nicht aktiv. Die Gründe dafür liegen laut Studie vor allem in der aktuellen Situation: 29 % haben Ängste, ihre Stelle aufzugeben, 38 % finden keine interessanten Jobangebote, die restlichen 33 % haben sich noch nicht entschieden, was sie beruflich machen möchten. „Unternehmen, die nach wie vor Stellen besetzen müssen, sollten diese Hintergründe kennen und entsprechend reagieren. Zum Beispiel mit neuen Probezeitmodellen oder mit der aktiveren Ansprache potenzieller Kandidaten“, rät Steinbach.

Von den Befragten, die sich gerade aktiv auf neue Stellen bewerben, gaben 58 % an, dass es derzeit weniger interessante Jobangebote gibt als zur Zeit vor Corona. Und auch der Bewerbungsprozess leidet unter einem Mangel an Angeboten und unterbesetzten Personalabteilungen: Fast die Hälfte der Jobsuchenden erhält zurzeit nur selten oder gar keine Antworten auf seine Bewerbungen. Fast ein Drittel der aktiv Jobsuchenden hat zwischen 10 und 50 Bewerbungen verschickt. 17 % sogar bereits mehr als 50.

Sicherheit geht vor, Homeoffice nur auf Platz fünf der begehrtesten Benefits

Das hohe Sicherheitsbedürfnis spiegelt sich auch in den Ansprüchen wider, die Arbeitnehmer an eine Stelle haben: Ein attraktives Gehalt (74 %) und Jobsicherheit (59 %) zählen laut Umfrage nach wie vor zu den wichtigsten Faktoren bei einem Job. Sinnhaftigkeit im Job, die in der Vergangenheit besonders stark in den Fokus gerückt war, wurde mit 48 % nur auf Platz drei gewählt. „Was mit dem Schlagwort Purpose in den letzten Jahren vom Management über das Marketing bis zum Recruiting heiß diskutiert wurde, scheint in Krisenzeiten wieder an Bedeutung zu verlieren. Erfüllung im Job ist nicht umsonst die Spitze der Bedürfnispyramide. Finanzielle Sicherheit geht in unsicheren Zeiten vor“, erklärt Peter Steinbach. Das zeigt sich auch in den Top drei Benefits, die sich Arbeitnehmer zusätzlich zum Gehalt wünschen. An erster Stelle steht das 13. Gehalt (Weihnachts- und/ oder Urlaubsgeld) mit 67 %, gefolgt von flexiblen Arbeitszeiten (62 %) und betrieblicher Altersvorsorge (42 %). Einen flexiblen Arbeitsplatz wünschen sich trotz der Erfahrungen aus Corona-Zeiten gerade einmal 20 %.

Mehr Gesundheitsvorsorge wird erwartet

Auf die Frage, ob sich die Erwartungen an den aktuellen oder zukünftigen Job durch die Corona-Krise verändert haben, geben rund 11 % an, dass sie jetzt geringere Ansprüche stellen. Für 84 % haben sich die Erwartungen nicht verändert. 5 % haben jetzt sogar höhere Ansprüche. Verändert haben sich die Anforderungen vor allem hinsichtlich Sicherheit und Gesundheitsvorsorge: Für 71 % derjenigen, deren Ansprüche sich durch Corona verändert haben, ist die Sicherheit am Arbeitsplatz wichtiger geworden, 48 % wollen mehr Gesundheitsvorsorge in ihren Firmen. „Die aktuelle Krise verdeutlicht vielen, wie wichtig und gleichzeitig wenig selbstverständlich gerade diese beiden Aspekte bei der Arbeit sind. Hier können Recruiter mit neuen Konzepten und Angeboten jetzt punkten“, so Steinbach. Für jeweils ein Drittel ist zudem die Option auf Homeoffice sowie ein größeres Büro essenziell bei der Suche nach einer neuen Stelle. Geht es dagegen ums Gehalt und Benefits, sind nur wenige bereit, sich einzuschränken. 24 % äußern geringere Gehaltsansprüche, immerhin knapp ein Drittel würde auf zusätzliche Benefits verzichten. Etwa 25 % würden weniger Urlaubstage in Kauf nehmen.

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