BERUFSPROFILE 28. Feb 2014, 12:18 Uhr P. Trechow

TÜV-Ingenieure schätzen Frischluft und Bewegung

Autohersteller stehen in der Gunst von angehenden Ingenieuren weit oben. Doch es gibt viele spannende Karriereoptionen jenseits der Top-Marken. Ein Beispiel: Prüforganisationen. Zwei Ingenieure von Dekra und TÜV Süd berichten, was sie an ihren Jobs schätzen.

Rene Kölling wertet im Dekra-Auftrag Beinahe-Kollisionen aus und liefert den Organisatoren der DTM-Serie damit Entscheidungsgrundlagen.
Foto: Dekra

Nicht Ingolstadt, nicht München und auch nicht Stuttgart. Rene Kölling hat sich für Klettwitz entschieden. Während er berichtet, wird klar: Klettwitz ist Köllings Volltreffer.

Der 31-jährige Ingenieur arbeitet im Automobil Test Center der Dekra direkt am „EuroSpeedway Lausitz“. Er hat eine besondere Verbindung zur Rennstrecke vor der Tür. Nicht nur, weil er seit 15 Jahren in einem Motorrad-Rennteam schraubt, sondern auch, weil er an zehn Wochenenden pro Jahr für seinen Arbeitgeber als Technischer Kommissar in der Rennserie DTM mitwirkt. Neben Rennen im Inland führen ihn Rennen nach Budapest, Moskau, Guangzhou und nach Spielberg in Österreich. Vor der Saison wirkt Kölling bei der Homologation der Rennwagen mit – also der Überprüfung, ob sie regelkonform sind. An den Rennwochenenden wird abermals geprüft.

Köllings Fachgebiet ist die Elektronik. Datenanalyse der Steuergeräte. Auswerten der Umfelddaten und Bordkameramitschnitte. Er wertet Unfälle, Beinahe-Kollisionen oder unfaire Manöver aus und liefert den Sportkommissaren der Serie damit Entscheidungsgrundlagen.

„Der Motorsport ist eine willkommene Abwechslung“, sagt Kölling. Doch er wäre auch ohne den Sport nach Klettwitz gegangen. Während seines Maschinenbau-Studiums mit Vertiefungsrichtung Fahrzeugtechnik in Dresden war er hier Praktikant. „Ich habe schnell gemerkt, dass im Automobil Test Center viele Fäden zusammenlaufen und ich hier mehr mitbekomme, als in einer Entwicklungsabteilung bei einem ein Spezialthema.“

Bei Dekra gibt es Crashanlagen für Fahrzeugkomponenten und jede Menge moderner Prüfstände für die verschiedenen Fahrzeugsysteme. Regelmäßig lassen Autohersteller hier Serienmodelle kontrollieren. Die Prüfer überwachen, ob die Technik noch mit dem Status der aktuellen Genehmigung übereinstimmt. Oft sind auch neue Modelle zur Homologation hier, jener Komplettüberprüfung, ohne die das Kraftfahrtbundesamt keine Genehmigung erteilt.

Kölling testet aktive Sicherheitssysteme. „Ich bin auch für unseren neuen Prüfstand für Fußgängerschutzsysteme verantwortlich.“ Der Ingenieur prüft, ob das Zusammenspiel von Umfeldsensoren, Bordcomputern und den aktiven Systemen fehlerfrei funktioniert. Ob die Stereo-Kameras zuverlässig Fußgänger orten und bei drohender Kollision eine Notbremsung auslösen.

Das Gesamtpaket Klettwitz ist wie gemacht für den 31-Jährigen. „Ich kann mein Motorsport-Hobby zum Beruf machen, habe einen technisch herausfordernden und abwechslungsreichen Alltag, in dem ich ständig dazulerne und ich durfte schnell Verantwortung übernehmen.“

Szenenwechsel. Alexander Würker leitet das TÜV Süd Service Center Starnberg. Der Bergfan lebt in Bad Tölz. Dass es ihn hierher verschlagen würde, war während seines Studiums an der TU Darmstadt und später an der TU München nicht wirklich absehbar. Seine Vorstellung war ein Job in der Industrie. Monatelang arbeitete er als Praktikant bei einem bayerischen Autohersteller, bei dem er nach seinem Abschluss über einen Personaldienstleister einstieg. Dann kam der Anruf vom TÜV Süd.

„Ich hatte zwei Jahre zuvor im Zuge eines Praxistags eine Bewerbung dort gelassen“, berichtet Würker. Als sein Studium endete, war keine adäquate Stelle offen. Aber jetzt war der Münchener Niederlassungsleiter am anderen Ende der Leitung und bot ihm den Einstieg als Sachverständiger an. Anfang 2007 wechselte er.

Der 38-Jährige bereut nicht, dass er die beabsichtigte Industriekarriere ad acta gelegt hat. „Ich habe damals gemerkt, dass mir die ständige Büroarbeit am Rechner nicht so liegt – ich brauche frische Luft und Bewegung.“

Je mehr er nachdachte, desto mehr Gründe sprachen für den Wechsel. „Meine Frau hat einen Job, wo sie örtlich unabhängig ist“, sagt er. Wegen des dichten Filialnetzes ist er das beim TÜV Süd auch. „Egal, wohin es uns verschlägt – selbst in der tiefsten Provinz gibt es adäquate Stellen für Ingenieure“, so Würker. Da das Prüfwesen vergleichsweise unabhängig von Konjunkturschwankungen ist, seien die Jobs zudem sicher.

Sein Karriereweg in der Prüforganisation führt seit einem „Potenzialerkennungstag“ nach oben. Der TÜV Süd klopft hierbei seine Nachwuchskräfte darauf ab, ob sie für Führungsaufgaben geeignet sind. Bei Würker hob die Jury den Daumen. Er bewarb sich auf die Stelle in Starnberg und bekam den Zuschlag. In einem Crashkurs gaben die Personalverantwortlichen ihm das nötigste Rüstzeug für den Leiterposten mit, das er seither in mehreren mehrtägigen Seminaren systematisch vertieft hat.

Reisen muss Würker in seinem Job nicht. „Erstens wohne ich, wo andere Urlaub machen. Und zweitens kommt die Welt zu uns“, schmunzelt er. Die Klientel in der noblen Gegend führt Traumautos vor. Und oft gibt es importierte Flitzer zu begutachten, die keine deutsche Zulassung haben. „Wir suchen in schwierigen Fällen mit den Kunden Wege, wie die Zulassung gelingen kann.“

Der Ingenieur hat früher selbst an Autos geschraubt und kann sich in sein Gegenüber versetzen. Auch das reizt ihn an seinem Beruf. Er hat es mit Menschen zu tun, arbeitet an der frischen Luft – und fährt abends heim in die Berge. P. TRECHOW

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