BERUFSPROFIL 02. Mai 2014, 12:15 Uhr K. Heimann

Vom Ingenieur in der Industrie auf den Professoren-Posten

Ingenieure mit Praxiswissen sind an den Hochschulen gefragt. Aus einem Lehrauftrag kann schnell mehr werden. Eine Karriere mit Perspektiven, aber mit weniger Geld.

Viele Ingenieure zieht es an die Uni und in die Professur: Ein interessanter Job, jedoch sind meist weniger finanzielle Mittel vorhanden als in der Industrie.
Foto: panthermedia.net/WavebreakmediaMicro

Alfred Isele trug als Leiter eines Werks der Schaeffler-Gruppe in Lahr zwölf Jahre lang Führungsverantwortung. Im Zuge der Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft klopfte die Hochschule für angewandte Wissenschaften in Offenburg bei ihm an, als sie einen Lehrstuhl für Maschinenbau zu vergeben hatte.

Baden-Württemberg zahlt weit besser als Berlin

– Die Mehrzahl der Professoren an den Hochschulen sind in der Besoldungsgruppe W 2 und W 3. W1 ist die Gruppe für die Juniorprofessur. Das Grundgehalt in den drei W-Stufen schwankt je nach Bundesland beträchtlich. In Baden-Württemberg gibt es die höchsten Grundgehälter. W1: 4288,35 €; W2: 5400,00 €; W3: 6130,00 €. Das Land Berlin im Vergleich: W1: 3667,98 €; W2: 4190,06 €; W3: 5087,92 €. Durch Leistungszulagen können die Gehälter um bis zu 800 € wachsen.

– Professoren sind Beamte und haben ein höheres Netto-Gehalt als andere Arbeitnehmer. Es entfallen die Beiträge zur Arbeitslosen- und Rentenversicherung.  kh

Der Schaeffler-Verbund stand damals vor gewaltigen Veränderungen. Aus einem losen Firmen-Verbund entstand ein zentral und straff geführter Konzern. Isele fürchtete um Eigenständigkeit und Handlungsspielräume. Die Professur war die Lösung. Heute koordiniert er an der Hochschule Offenburg als Dekan die Fakultät Maschinenbau, Verfahrens- und Energiesystemtechnik.

Für viele Ingenieure ist ein Lehrstuhl an einer der 216 Fachhochschulen, heute meist „Hochschulen“ genannt, eine interessante Karriere-Option. Viele starten mit einem Lehrauftrag, einem Workshop oder einer Vorlesung pro Woche. Die Vergütung ist knapp bemessen. Sie schwankt zwischen 18 € und 80 € pro Unterrichtsstunde. Knapp 45 000 Lehraufträge gab es 2012 an Hochschulen, jeder vierte davon entfällt auf die Ingenieurwissenschaften.

Die Zahlen des Statistischen Bundesamtes besagen, dass an Hochschulen rund 17 000 Professoren unter Vertrag stehen, 6500 in den ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten.

Die Bewerber um eine Hochschul-Professur brauchen mindestens fünf Jahre Berufserfahrung, drei davon außerhalb der Hochschule. Ein Doktortitel hilft, Lehrerfahrungen sind nützlich. Hochschullehrer dürfen bei ihrer Einstellung nicht älter als 45 Jahre sein. Im Regelfall müssen sie doppelt so viel Zeit unterrichten (18-Wochenstunden) wie ihre Kollegen an den Universitäten.

Das ist für Carolin Radscheit, Professorin für Schweiß- und Werkstofftechnik am Fachbereich Mechatronik und Maschinenbau an der Hochschule in Bochum kein Problem. Seit 2007 ist sie im Bochumer Professoren-Team. Nach dem beruflichen Einstieg bei Volkswagen in Wolfsburg nahm sie eine Auszeit von der Automobilbranche, um im Bremer Institut für angewandte Strahltechnik (BIAS) zu promovieren.

Zurück in Wolfsburg ging es für Radscheit in der gerade eröffneten Abteilung „Neue Technologien“ weiter. „Vier Jahre spannende Aufgaben in einem technikbegeisterten Team“, erinnert sie sich. Es folgten vier Jahre, in denen sie sich im VW-Werk Bratislava um die Integration der Lasertechnik kümmerte. Kaum in der Heimat, erhielt sie vom Schweißinstitut der TU-Berlin einen Lehrauftrag: Radscheit hielt ihre erste Vorlesung über schweißgerechtes Konstruieren.

2005 fiel ihr in den VDI nachrichten eine Stellenanzeige ins Auge. „Da war zu lesen: ,Professor für Schweißtechnik an der Hochschule Bochum gesucht‘. Ich wollte einfach mal ausprobieren, ob ich in einem Berufungsverfahren bestehen konnte.“ Sie konnte.

Auch die enormen Einkommensunterschiede konnten sie nicht schrecken. „Die Differenz zwischen meinem Jahresgehalt bei Volkswagen und der Hochschule liegt bei einem Golf mit Vollausstattung“, berichtet die Spezialistin für Schweißtechnik. „Ich hatte mir bisher keine Gedanken darüber gemacht: Kaufe ich mir eine neue Hose oder wie finanziere ich den Urlaub? Jetzt musste ich überlegen, wo ich sparen konnte.“ In solchen Situationen kamen Zweifel auf, gesteht die Wissenschaftlerin.

Viele Professoren an Hochschulen stocken ihr Einkommen auf. Das geht über Leistungszulagen, die einige Hundert Euro ausmachen können. Dafür sind besondere zusätzliche Aufgaben im Hochschulbetrieb zu übernehmen. Ein zweiter Weg sind Nebentätigkeiten. Die sind an Hochschulen nicht nur geduldet, sondern erwünscht. Gerade Firmen aus der Region oder Unternehmen, in denen die Hochschullehrer vorher arbeiteten, bieten gute Andockmöglichkeiten.

Im Portemonnaie macht sich auch bemerkbar, in welchem Bundesland die Hochschule ihren Sitz hat. Die Wissenschaftsbesoldung ist Ländersache.

Warum ist eine Professur trotzdem lohnend? Alfred Isele und Carolin Radscheit schätzen ihre Gestaltungsmöglichkeiten. Beide verfügen über hohe Autonomie in der Zeitplanung. „Ich kann eigentlich alles machen, was ich für richtig halte in meinem Schweißlabor. Da bin ich total selbstständig, ohne dass ich das Risiko eines Selbstständigen habe“, resümiert Radscheit. Und dann ist da noch der Spaß mit den Studenten. „Im Betrieb gibt es so etwas nicht.“ K. HEIMANN

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