Studie von EY 16. Mai 2019 Claudia Burger

Weiterbildungen steigern die Erwartung ans Gehalt

Eine Studie der Beratungsgesellschaft Ernst Young unter Fach- und Führungskräften macht deutlich: Zwei Drittel möchten, dass sich Weiterbildung monetär auszahlt.

Weiterbildung rechnet sich für Beschäftigte erst, wenn sie sich auch finanziell auszahlt.
Foto: panthermedia.net / Goodluz

Dass sie sich in Zeiten des schnellen Wandels und der Digitalisierung kontinuierlich weiterbilden müssen, ist den Angestellten deutscher Unternehmen bewusst. In einer aktuellen Umfrage der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst &Young (EY) unter 1000 Fach- und Führungskräften erklären 94 % der Befragten: „Wer sich nicht lebenslang weiterbildet, wird abgehängt.“ Als alleiniger Ansporn zur Fortbildung reicht diese Erkenntnis aber offenbar nicht. So erwarten zwei Drittel der Studienteilnehmer als Belohnung für ihre berufliche und persönliche Weiterentwicklung eine Gehaltserhöhung – ein Wunsch, der von Mitarbeitern jeden Alters geäußert wird. So nennen auch die 25- bis 29-Jährigen, denen oftmals eine weniger monetäre Ausrichtung zugeschrieben wird, sogar mit über 77 %  mehr Geld als wichtigste Motivationsspritze von Seiten ihres Arbeitgebers.

„Weiterbildung ist ein absolutes Muss und kann nicht jedes Mal zu einer Gehaltserhöhung führen“, bremst Nelson Taapken, Partner bei der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY und Fachmann für den digitalen Wandel im Personalbereich, die Erwartungen der Mitarbeiter. Dennoch können die Unternehmen ihre Beschäftigten besser als bisher auf ihrem Weg in die digitale Zukunft unterstützen – etwa, indem sie ihnen mehr Orientierung bieten. So kennen laut der Studie viele Mitarbeiter die Auswirkungen des technologischen Wandels auf ihr eigenes Aufgabengebiet nur rudimentär oder gar nicht. Lediglich knapp 30 %  der Befragten wissen sehr genau, wie sich ihr Jobprofil aufgrund der Digitalisierung in den kommenden Jahren entwickeln wird. 46 % haben nur eine vage Vorstellung und 26 % sogar gar keine Ahnung, wohin ihre berufliche Reise gehen wird. Allerdings besteht eine große Kluft zwischen Vorgesetzen und Mitarbeitern: So gibt knapp die Hälfte der Chefs an, ein genaues Bild von ihren künftigen Aufgaben zu haben, aber nur ein Fünftel der Fachkräfte.

Unterstützung für den Kraftakt

„Nur wer die neuen Herausforderungen kennt, kann sich zielgerichtet darauf vorbereiten“, mahnt Taapken. Firmen sollten daher dringend auch mit ihren Fachkräften über mögliche Entwicklungspfade sprechen. Grundsätzlich sind die Mitarbeiter laut der Studie bereit, sich auf neue Gegebenheiten in der Arbeitswelt einzustellen: 73 % der Studienteilnehmer erklären, sie würden ihr Einsatzgebiet und auch die Branche wechseln, wenn sie ihren Job gefährdet sehen oder woanders bessere Chancen für sich erkennen würden. Gleichzeitig empfinden 41 %  eine solche Veränderung als großen Kraftakt, den sie zum Teil auch nur mit Unterstützung ihres Unternehmens bewältigen können. Taapken: „Diese Unterstützung sollten Firmen leisten, um selbst zukunftsfähig zu bleiben. Dazu benötigen sie ein konsequentes Weiterbildungsmanagement, mit dem sie den Bedarf erkennen und ihren Mitarbeitern entsprechende Angebote machen.“

Als beliebteste Formen der Weiterbildung nennen die befragten Fach-  und Führungskräfte mit jeweils 40 % uneingeschränkter Zustimmung den regelmäßigen Wissensaustausch unter Kollegen sowie das Learning on the job. An dritter Stelle stehen mit 34 % bereits kurze Onlinelernsequenzen, die sich zeit- und ortsunabhängig absolvieren lassen. Erst dann folgen klassische Workshops (29 %), Frontalunterricht (20 %) und Fachausbildungen mit anerkanntem Abschluss (20 %). Den beiden letztgenannten Angeboten stehen jeweils über 30 % der Befragten sogar ablehnend gegenüber. „Hier zeigt sich eine deutliche Verschiebung der Präferenzen hin zur Onlineweiterbildung. Diese ermöglicht es den Unternehmen, einer großen Anzahl von Mitarbeitern aktuelle und vergleichsweise günstige Lernangebote zu machen“, folgert Dr. Katharina Luh, Partnerin bei EY und verantwortlich für das Beratungsfeld Learning & Change. 60 % der Befragten erklären zudem, dass ihnen das Onlinelernen oder die Wissensvermittlung per Avatar zumindest ein wenig Spaß macht. Von dieser Gruppe wiederum schätzen 73 %  besonders die zeitliche und räumliche Unabhängigkeit beim Lernen via Internet.

Online Learning: Beliebt und deutlich ausbaufähig

Was die Inhalte betrifft, steht die Entwicklung des Onlinelernens laut der Studie allerdings noch am Anfang. So haben sich 37 % der Befragten bereits auf Fachforen informiert und ausgetauscht, 34 %  haben online Sprachen gelernt. Kurse auf Lernplattformen wie Udacity und Udemy, die ein breiteres Spektrum auch zu digitalen Themen aufweisen, wurden lediglich von 21 % der Befragten absolviert.  27 %  haben bislang keine der genannten Lernformen genutzt. Darüber hinaus zeigt die Umfrage: Ihr Mobiltelefon haben lediglich 18 % der Befragten schon einmal zum Lernen eingesetzt. An diesem Punkt jedoch variieren die Angaben je nach Alter der Befragten deutlich: Während sich 38 % der Mitarbeiter zwischen 25 und 29 Jahren bereits per Smartphone weitergebildet haben, sind es lediglich sieben Prozent der 50- der 59-Jährigen. Luh: „Auch beim Mobile Learning gibt es viel Luft nach oben.“ Insgesamt sei es für die Unternehmen wichtig, bei ihren Weiterbildungskonzepten auch die älteren Mitarbeiter im Blick zu behalten. Wer heute 55 Jahre alt sei, habe noch über zehn Jahre im Unternehmen vor sich. Auch aufgrund der demografischen Entwicklung könnten es sich die Firmen nicht leisten, allein auf das Know-how der Digital Natives zu setzen.

An der EY-Studie „Digital-fit im Job?“ zur Lern- und Veränderungsbereitschaft der Deutschen haben 1000 Angestellte und Führungskräfte aus den Branchen Maschinenbau, Transport und Logistik, Automobilhersteller und -zulieferer sowie Banken und Versicherungen teilgenommen. Durchgeführt wurde die Umfrage im Frühjahr 2019.

 

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