STRATEGIE 13. Jun 2014, 08:54 Uhr Chris Löwer

Wer nach oben will, muss auf Augenhöhe mit dem Chef sprechen

Verdiente Führungskräfte bekommen passende Top-Jobs, ab einem bestimmten Punkt erklimmt sich die Karriereleiter wie von selbst. Irrtum! Selten ist der Aufstieg tatsächlich ein Selbstläufer. Ambitionierte Ingenieure sollten deshalb die Weichen richtig stellen.

Wer ganz nach oben will, muss das Gefühl erzeugen, dass er zur Spitze gehört.
Foto: panthermedia.net/gstockstudio

Ich bin gut, fleißig, führungsstark. Und alle wissen es. Deshalb wird der nächste freie Vorstandsposten meiner sein. Bestimmt. Bestimmt nicht! Denn diesen Automatismus gibt es schon lange nicht mehr. „Die Zwangsläufigkeit von Karrieren hat radikal abgenommen“, sagt Topmanagement Coach Dorothea Assig. Wer dann noch, wie es Ingenieure in ihrer eher stillen bescheidenen Art tun, davon ausgeht, ihre Eignung werde schon erkannt, wird oft vergeblich auf den Aufstieg warten. Zumal die Regeln immer subtiler werden. „Wie ist es zu erklären, dass jemand quasi vom Einödhof direkt in den Vorstand berufen wird?“, fragt Dorothea Assig. Sie weiß: „An Leistung oder Logik kann das nicht liegen.“ Sondern an den Spielregeln und daran, sich selbst geschickt in Szene zu setzen.

„Es führt kein Weg daran vorbei, die eigene Karriere strategisch zu planen, statt sich darauf zu verlassen, dass sie ab einem bestimmten Punkt von selbst läuft“, sagt auch Karriereberaterin Nane Nebel. „Top-Positionen werden selten öffentlich ausgeschrieben und auf interne Besetzungen sollte man sich nicht verlassen.“

Verlassen kann man sich nur auf eines: Eigeninitiative! Und die beginnt damit, im Kopf einen Schalter umzulegen: „Gerade Ingenieuren muss klar werden, dass sie mit immer mehr, besserer und effektiverer Arbeit nicht mehr weiter kommen“, sagt Topmanagement-Trainerin Dorothee Echter. „Dass sie ihr Fach beherrschen und führen können, haben sie ja schon bewiesen. Was nun zählt, ist die Persönlichkeit.“ Jetzt komme es auf den Wechsel vom Leistungsmodus des mittleren Managements zum Zugehörigkeitsmodus des Topmanagements an. Echter: „Dieser Übergang ist ein von vielen Top-Talenten, gerade auch leistungsorientierten Ingenieuren, weit unterschätzter Neubeginn.“

Wer ganz nach oben will, kann nicht mehr so weitermachen, wie bisher. Er muss das Gefühl erzeugen, dass er zur Spitze gehört. Echter illustriert das anhand einer Besprechung im Vorstand: Der ambitionierte Ingenieur sollte nun nicht mehr mit langer To-do- und Reportliste erscheinen und diese möglichst zügig abarbeiten. Die Haltung „Ich möchte Ihnen nicht Ihre kostbare Zeit stehlen“ ist nicht mehr adäquat. Ein persönlicher Plausch, etwa die Frage nach den Kindern des Chefs, wirken oft Wunder, sagt Echter: „So begegnet man sich auf Augenhöhe.“ Und darum geht es.

Dabei darf man sich nicht auf das eigene Unternehmen beschränken. Man muss sich auch einen „Resonanzraum“ schaffen, wie Coach Assig sagt. Heißt, keine Gelegenheit auslassen, um persönlich oder schriftlich mit anderen erfolgreichen Topmanagern, Vorständen und Aufsichtsräten in Kontakt zu treten, um sich als Persönlichkeit zu zeigen.

„Erzeugt wird so eine Stimmung von Erfolgsgewissheit, Einfluss und Eigenwillen: Das sind die Zugehörigkeitssignale des Top-Managements“, erklärt Echter. Und: „Gut ist, sich zu zeigen, über den Tellerrand hinauszuschauen, etwa, indem Kontakte zu Wissenschaftlern oder Sportlern aufgebaut werden.“

Weniger subtil sollte man sein, wenn es darum geht, eigene Ambitionen in Worte zu fassen: Was man kann und wo man hin möchte, sollte man in dem illustren Umkreis, wenn immer es passt, als Botschaft beiläufig platzieren.

Stimmt die Haltung, das Umfeld und die Reputation, kann dem Aufstieg noch etwas direkter auf die Sprünge geholfen werden: mit einer Initiativbewerbung. Dazu rät Nane Nebel.

Allerdings spricht sie nicht von der üblichen DIN-A4-Mappe, sondern von einem Standardbriefumschlag, in dem sich nur drei Blätter befinden: Ein Anschreiben, das auf jegliche Floskeln verzichtet, stattdessen kurz und knackig drei bis vier Erfolge darlegt, um neugierig zu machen. Es folgt eine Kurzfassung des Lebenslaufes, der nicht chronologisch, sondern thematisch aufgebaut ist, sich etwa Punkte wie Führungsaufgaben, Projekte, Internationalität finden. Drittens wird aufgezählt, welchen konkreten Beitrag man zu Unternehmenserfolgen geleistet hat, seien es erfolgreiche Projekte, Kosteneinsparungen oder Produktionsoptimierungen.

„Nur wer selbst in den Markt geht, wird Vakanzen aufspüren“, sagt Nebel und betont, „es geht darum, sich anzubieten und nicht anzubiedern!“ Denn das missverstehen oft Ingenieure, weswegen sie sich vor diesem Schritt scheuen. Oder sie haben Bedenken, dass sie sich „im Markt verbrennen“, wenn sich herumspricht, dass man sich bewirbt. Nur passiert das bei vertraulich behandelten Bewerbungen nicht. „Alle indirekten Wege sollte man eher meiden, stattdessen direkt Vorstände, Beiräte oder Eigentümer ansteuern“, rät Nebel.

Finger weg auch von der Personalabteilung: „Dort wissen die wenigsten, welche Vision das Unternehmen verfolgt. Die haben nur die Unternehmenslenker vor Augen. Und nur sie haben auch eine klare Vorstellung davon, welche Menschen sie dafür brauchen“, betont Nebel. CHRIS LÖWER

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