SCIENCE-FICTION 22. Mrz 2018, 11:19 Uhr Jens D. Billerbeck

Wiener Walzer im Weltraum

Vor 50 Jahren kam „2001: Odyssee im Weltraum“ in die Kinos. Ein Jahr vor der ersten Mondlandung setzte er Maßstäbe.

Weg in die Zukunft: Aufwendige Kulissen und realistisch anmutende Requisiten machen den bis heute anhaltenden Reiz des Films „2001“ aus.
Foto: dpa Picture-Alliance/Courtesy Everett Collection

Eine halbe Stunde lang gibt es keinen Dialog. Zur Musik des ungarischen Komponisten György Ligeti und den Eingangstakten von Richard Strauss‘ Tondichtung „Also sprach Zarathustra“ erkunden Urmenschen einen rätselhaften Metallquader. Irgendwann entdecken sie, dass ein Knochen zur Jagdwaffe werden kann, ein erster Schritt der Evolution. Triumphierend wirft einer der Urmenschen den Knochen der über der Szene schwebenden Kamera entgegen. Es folgt einer der berühmtesten Schnitte der Filmgeschichte: Aus dem Knochen wird ein Raumschiff, das zu den Klängen von Johann Strauss‘ Walzer „An der schönen blauen Donau“ durchs Weltall schwebt.

Um ermessen zu können, wie Stanley Kubricks Film „2001: Odyssee im Weltraum“, der mit dieser Sequenz beginnt, bei seiner Premiere am 2. April 1968 auf das New Yorker Publikum gewirkt haben mag, hilft ein Blick in die Geschichte der bemannten Raumfahrt: Nur sieben Jahre war es her, dass US-Präsident John F. Kennedy angesichts der Erfolge sowjetischer Kosmonauten den Mond als Ziel der US-Raumfahrt binnen eines Jahrzehnts proklamiert hat. Es folgten zahlreiche Weltraummissionen, die von einer breiten Öffentlichkeit in meist schlechten Schwarz-Weiß-Bildern am Fernsehgerät verfolgt wurden. Die Weltraumbegeisterung der 1960er-Jahre drückte sich dann auch in Science-Fiction-Serien wie Star Trek (Raumschiff Enterprise) und einer Fülle meist recht billig produzierter utopischer Filme in den USA, in Europa und Japan aus.

Doch wirkliche Bilder aus dem Weltall in brillanter Kinoqualität hatte bis dahin noch kaum ein Mensch gesehen. Erst gegen Ende des Jahres 1968 entstand während der Apollo-8-Mission jenes legendäre Foto der über dem Mondhorizont aufgehenden Erde, das einer breiten Öffentlichkeit bewusst machte, wie zerbrechlich der blaue Planet im Weltall wirkt.

Die Messlatte der Sehgewohnheiten lag also denkbar niedrig, als Kubrick Mitte der 1960er-Jahre den bekannten Science-Fiction-Schriftsteller Arthur C. Clarke kontaktierte: Ob dieser sich vorstellen könnte, die Vorlage für einen richtig guten Science-Fiction-Film zu schreiben, denn ein solcher sei „überfällig“. Kubrick wusste, was er sagte, denn er hatte sich vor allem die japanischen Filme angeschaut, deren Tricktechnik schon zur damaligen Zeit eher lächerlich wirkte. Das sollte in seinem Film anders werden. Kubrick wollte die Ansprüche an gute Science-Fiction über das bis dahin gekannte Niveau emporheben, was ihm ohne Zweifel auch gelungen ist.

Nach „Spartacus“ und „Lolita“ war Kubrick kein Unbekannter in der Filmwelt mehr. Entsprechend aufwendig konnte er zu Werke gehen. Das Hauptset für seine bittere Antikriegssatire „Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“, der gewaltige Hightech-War-Room des Pentagons, setzte bereits szenische Maßstäbe. Übrigens mit Ken Adams als Designer, der auch viele legendäre James-Bond-Kulissen schuf. Für die Spezialeffekte in „2001“ heuerte Kubrick schließlich Douglas Trumbull an. Dieser schuf beeindruckende Szenarien und Raumschiffe von bis dahin nicht gekannter Detailgenauigkeit. Für die das Ende des Films bestimmenden psychedelischen Sequenzen nutzte Trumbull eine spezielle Technik namens Slitscan, die im Zeitalter computergenerierter Effekte fast vergessen ist.

Auch inhaltlich war der von Kubrick und Clarke gemeinschaftlich entwickelte Film anspruchsvoll. Nach 3 min Schwärze beginnt die eingangs geschilderte Szene, der dann eine weitgespannte Geschichte folgt. Zunächst taucht der rätselhafte Quader auf dem Mond auf und wird dort untersucht. Dabei sendet er ein Signal Richtung Jupiter, was dann zu einer Expedition zu diesem Planeten führt.

Markantester Protagonist an Bord des Jupiter-Raumschiffes Discovery One ist der Bordcomputer HAL 9000, eine künstliche Intelligenz, die sich irgendwann gegen die menschlichen Raumfahrer wendet und alle Besatzungsmitglieder bis auf einen – Bowman – tötet. Als es Bowman dann gelingt, HAL endlich doch abzuschalten, erlebt der Zuschauer, wie dessen Intelligenz langsam zerfällt und HAL schließlich nur noch ein einfaches Kinderlied singen kann.

Angesichts heutiger Erfolge in der KI-Forschung ist das auch nach 50 Jahren brandaktuell und so haben es die drei Buchstaben HAL unlängst auch in den Titel einer Tatort-Folge über renitente Computer geschafft. Lange hielt sich das Gerücht, die Buchstaben HAL bezögen sich auf IBM (jeder Buchstabe steht für eine Stelle im Alphabet davor), aber Clarke hat das dementiert.

Die letzte Etappe des Films ist eine rätselhafte, psychedelische Geschichte um Tod und Wiedergeburt. Zu den Klängen von „Also sprach Zarathustra“ betrachtet ein im All schwebender Fötus die Erde und das Sonnensystem.

Mit „2001“ haben Kubrick und Trumbull Maßstäbe für Science-Fiction-Blockbuster der folgenden Jahrzehnte gesetzt. Heute ist dank computergenerierter Grafik fast alles möglich, was Kubrick und seine Spezialeffektemannschaft mühsam quasi „von Hand“ realisieren mussten. Und dennoch hat „2001: Odyssee im Weltraum“ eine Perfektion der Tricktechnik erreicht, die 50 Jahre später nichts von ihrer Faszination eingebüßt hat. Aus Anlass des Jahrestags der Erstaufführung präsentiert das Deutsche Filmmuseum Frankfurt bis 23. September eine Ausstellung mit zahlreichen Originalexponaten aus internationalen Sammlungen und aus dem Stanley-Kubrick-Archiv der University of the Arts London.

Übrigens: Die zeitliche Nähe der Entstehung von „2001“ und der ersten Mondlandung war im „echten“ Jahr 2002 Anlass für eine Grimmepreis-gewürdigte Fake-Dokumentation des tunesisch-französischen Regisseurs William Karel. In „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“ werden real geführte Interviews geschickt gekürzt, umgestellt, neu zusammengeschnitten und z. T. entstellend übersetzt. Im Ergebnis erscheint es dem Zuschauer als Fakt, dass Präsident Nixon Kubrik beauftragte, die Mondlandung auf der Erde zu filmen, weil er nicht an deren Erfolg glaubte. So spielt die Dokumentation geschickt mit den Verschwörungstheorien rund um die Mondlandung und setzt gleichzeitig dem kurz zuvor verstorbenen Kubrick ein Denkmal.

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