Work-Life-Balance 23. Jun 2022 Von Wolfgang Schmitz

Homeoffice wirkt in Familien konfliktmildernd

Beschäftigte mit großzügiger Homeofficenutzung können einer Studie zufolge ihre Arbeitszeit besser kontrollieren und gewinnen durch reduzierte Pendelwege Zeit für die Familie.

Wer durch Homeoffice den Weg zur Arbeit spart, kann sich morgens intensiver um den Nachwuchs kümmern.
Foto: panthermedia.net/halfpoint

Büroarbeit in den eigenen vier Wänden ist seit Beginn der Coronapandemie weit verbreitet. Eine internationale Studie unter Leitung der Soziologin Inga Laß vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB) hat untersucht, wie viel Zeit im Homeoffice Beschäftigten hilft, Konflikte zwischen Beruf und Familie zu reduzieren, und welche Faktoren dabei entscheidend sind.

Homeoffice trifft bei Beschäftigten auf breite Zustimmung

Wie das Forschungsteam am Beispiel australischer Daten für die Zeit vor der Pandemie belegt, kommt es wesentlich darauf an, wie viel Zeit pro Woche die Beschäftigten im Homeoffice arbeiten. „Homeoffice wirkt vor allem dann konfliktmindernd, wenn nicht nur ein kleiner Teil, sondern die meiste Zeit des Arbeitspensums zu Hause erledigt wird“, erklärt Laß. Beschäftigte mit großzügiger Homeofficenutzung verfügen der Studie zufolge über eine bessere Kontrolle ihrer Arbeitszeit und gewinnen durch reduzierte Pendelwege mehr Familienzeit. Allerdings werden diese Vorteile teils dadurch konterkariert, dass Homeoffice auch die Arbeit zu Randzeiten und am Wochenende begünstigt.

Mütter profitieren stärker als Väter von Homeoffice

Mit Blick auf die Reduktion des Konflikts zwischen Beruf und Familie profitieren Mütter insgesamt stärker vom Homeoffice als Väter. Das Autorenteam sieht eine mögliche Ursache in geschlechtsspezifischen Nutzungsmustern von Homeoffice. „So nutzen Mütter den Zugewinn an Flexibilität und die eingesparte Pendelzeit häufiger als Väter auch dafür, familiären Anforderungen gerecht zu werden“, ergänzt Laß. Insgesamt zeigt die Studie bei einer starken Homeofficenutzung aber einen konfliktreduzierenden Effekt – und zwar sowohl für Mütter als auch für Väter. Dies kann sich positiv auf das Wohlbefinden, die Erwerbsbeteiligung und das Familienleben auswirken.

Wie Arbeitnehmende den Wunsch nach Homeoffice durchsetzen

Auch für Deutschland zeigen Umfragedaten aus der Zeit vor der Pandemie, dass Beschäftigte im Homeoffice Arbeit und Privatleben häufig besser miteinander vereinbaren konnten. Großzügige Homeofficeregelungen blieben bis zum Beginn der Pandemie allerdings nur einem kleinen Teil der Beschäftigten vorbehalten. Dies war teils darauf zurückzuführen, dass Homeoffice bei vielen Tätigkeiten nicht möglich ist, teils aber auch darauf, dass es von den Arbeitgebenden häufig nicht angeboten wurde oder Arbeitnehmende es nicht „gewohnt“ waren.

Eine neue Balance zwischen Präsenz und Homeoffice mit verstärkter Homeofficenutzung nach der Pandemie könnte somit vielen Eltern die Vereinbarkeit von Beruf und Familie spürbar erleichtern.

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