Studie der Hans-Böckler-Stiftung 27. Mai 2022 Von Wolfgang Schmitz

Wenn die Arbeit zur Sucht wird

Vor allem Führungskräfte beuten sich häufig aus und schieben Überstunden, so eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung.
Foto: panthermedia.net/Martin Novak

Rund ein Zehntel der Erwerbstätigen in Deutschland arbeitet suchthaft, ergibt eine von der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung geförderte Studie. Insbesondere Selbstständige und Führungskräfte sind betroffen.

Von suchthaftem Arbeiten Betroffene arbeiten nicht nur sehr lang, schnell und parallel an unterschiedlichen Aufgaben, sie können auch nur mit schlechtem Gewissen freinehmen und fühlen sich oft unfähig, am Feierabend abzuschalten und zu entspannen. Führungskräfte zeigen überdurchschnittlich oft Symptome suchthaften Arbeitens. In mitbestimmten Betrieben kommt suchthaftes Arbeiten seltener vor als in solchen ohne Mitbestimmung, ergab eine Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und der TU Braunschweig, die über gut zwei Jahre mit Unterstützung der Hans-Böckler-Stiftung dem Thema nachgegangen sind.

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„Frühmorgens ins Büro und spätabends wieder raus, zu Hause noch einmal die Mails checken, einfach nicht loslassen können. Suchthaftes Arbeiten ist kein Randphänomen, das nur eine kleine Gruppe von Führungskräften betrifft“, heißt es aus der Hans-Böckler-Stiftung. Tatsächlich sei exzessives und zwanghaftes Arbeiten in allen Erwerbstätigengruppen verbreitet. Das Forschungsteam sei zu überraschenden Ergebnissen gekommen. „Wer bei IT-Berufen etwa an Leute denkt, die bis spät in die Nacht beruflich bedingt vor dem Computer hocken und IT-Probleme lösen, sieht sich getäuscht: Tatsächlich ist der Berufsbereich Informatik, Naturwissenschaft, Geografie am wenigsten betroffen.“

Je höher die Führungsebene, desto höher die Suchtquote

Am häufigsten neigten Menschen in Land-, Forst-, Tierwirtschaft und Gartenbau zu suchthaftem Arbeiten. In der erstgenannten Gruppe seien es 6 %, in der zweiten 19 %. In weiteren untersuchten Wirtschaftsbereichen, unter anderem Verkehr/Logistik, Produktion/Fertigung, Kaufmännische Dienstleistungen/Handel/Tourismus oder Gesundheit/Soziales/Erziehung liegen die Werte laut Studie zwischen 8 % und 11 %.

Insgesamt deute die Studienlage darauf hin, dass die Verbreitung von suchthaftem Arbeiten unter den Erwerbstätigen – wenn überhaupt – nur schwache Unterschiede bezüglich soziodemografischer Merkmale aufweist. Schulabschluss und Familienstatus zeigen demnach keine Zusammenhänge mit der Neigung zu suchthafter Arbeit. Einen kleinen, aber signifikanten Unterschied gibt es zwischen Frauen und Männern, die zu 10,8 % (Frauen) bzw. 9 % betroffen sind. Deutlichere Unterschiede bestehen zwischen Altersgruppen: Bei den 15- bis 24-Jährigen beträgt die Quote 12,6 %, bei den 55- bis 64-Jährigen 7,9 %.

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Wer eine lange vertragliche Wochenarbeitszeit hat, neige leicht überdurchschnittlich zur Arbeitssucht; ob der Vertrag befristet ist oder nicht, spiele dagegen keine Rolle. Auch das Anforderungsniveau erweist sich laut Studie als neutral. Starke Unterschiede zeigen sich dagegen im Hinblick auf Selbstständigkeit und Führungsverantwortung. Unter Selbstständigen liegt die Workaholic-Quote bei 13,9 %. Führungskräfte seien zu 12,4 % arbeitssüchtig, andere Erwerbstätige nur zu 8,7 %. „Unter den Führungskräften ist suchthaftes Arbeiten zudem umso stärker ausgeprägt, je höher die Führungsebene ist“, bilanzieren die Forschenden. Die obere Ebene komme auf einen Anteil von 16,6 %. In vielen Betriebskulturen werden an Führungskräfte wahrscheinlich Anforderungen gestellt, die „Anreize für arbeitssüchtiges Verhalten“ setzen, vermuten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Beispielsweise wenn erwartet wird, dass sie als Erste kommen und als Letzte gehen.

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