Forschung 14. Mai 2020 Von Wolfgang Schmitz

5G für innovative Produktion

Namhafte Wissenschaftsinstitute erforschen in Aachen den Einsatz moderner Edge-Cloud-Systeme zur schnellen Datenverarbeitung.


Foto: Jens D. Billerbeck

Das größte industrielle Forschungsnetz für die Mobilfunkgeneration 5G in Europa ist auf dem Campus der RWTH Aachen an den Start gegangen. Der 5G-Industry Campus Europe schaltete am 12. Mai sein Funknetz ein: Mit einer Fläche von knapp 1 km², 19 Antennen und einer Bandbreite von 10 Gbit/s ist es das größte 5G-Forschungsnetz in Europa.

Das vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geförderte Netz verbindet das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie (IPT), das Werkzeugmaschinenlabor (WZL) der RWTH Aachen, das Forschungsinstitut für Rationalisierung (FIR) an der RWTH Aachen sowie zukünftig auch noch weitere Institute der Hochschule mit dem neuen Mobilfunkstandard. Gemeinsam können die Partner am 5G-Industry Campus Europe nun die Einsatzgebiete von 5G in der industriellen Anwendung ausführlich erforschen und erproben.

„Die Zukunft der deutschen Industrie“

Erst im März wurde dem 5G-Industry Campus Europe eine erste 5G-Lizenz im Bereich 3,7 GHz bis 3,8 GHz zugeteilt, nun ging das Netz in den Livebetrieb. Mit rund 6 Mio. € fördert das BMVI das ambitionierte Projekt. Bundesminister Andreas Scheuer: „Mit dem 5G-Industry Campus Europe haben wir das größte 5G-Forschungsnetz Europas geschaffen. Es soll uns dabei helfen, 5G-Forschung und Industrie 4.0 zu vernetzen. Ich bin fest davon überzeugt, dass Projekte wie dieses die Zukunft der deutschen Industrie sind.“

Das Ziel der beteiligten Partner ist es, neue Einsatzfelder der Mobilfunktechnologie 5G in der Produktion zu erschließen. „Hier entsteht die Zukunft für eine innovative Produktion“, freut sich Niels König, der das Projekt auf Seiten des Fraunhofer IPT leitet und koordiniert. „Gemeinsam mit Unternehmen und Forschungspartnern schaffen wir mit dem 5G-Industry Campus Europe eine völlig neue Infrastruktur, in der wir unterschiedliche 5G-Anwendungen in Fertigung und Logistik testen und erproben können. Die bisherigen Anforderungen an die Branchen werden dadurch vollkommen neu definiert.“

Ökosystem zur Forschung

Mit den Projektpartnern von WZL und FIR wird das Fraunhofer IPT in den kommenden drei Jahren Anwendungen und Lösungen für eine digitalisierte und vernetzte Produktion entwickeln und umsetzen. Partner für den Aufbau der 5G-Infrastruktur sind der Mobilfunknetzausrüster Ericsson sowie das IT Center der RWTH Aachen. „Wir freuen uns, dass aus einer gemeinsam präsentierten Idee auf der Hannover Messe 2019 jetzt Realität wird und dass mit dem 5G-Industry Campus Europe weltweit ein einzigartiges Ökosystem zur Forschung, Entwicklung und Anpassung von 5G-Technologien für die Industrie 4.0 entsteht“, erläutert Jan-Peter Meyer-Kahlen, Leiter des Ericsson ICT Development Center Eurolab in Herzogenrath bei Aachen.

Die Infrastruktur des 5G-Industry Campus Europe bietet ein großzügiges Areal zur Erforschung verschiedener Anwendungsszenarien – von 5G-Sensorik für die Überwachung und Steuerung hochkomplexer Fertigungsprozesse über mobile Robotik und Logistik bis hin zu standortübergreifenden Produktionsketten.

Ganzheitliche Umsetzung

Ein weiteres Ziel der Aachener Wissenschaftler ist es, den Einsatz moderner Edge-Cloud-Systeme zur schnellen Datenerarbeitung zu testen, um weitere Potenziale von 5G für eine vollständig vernetzte und adaptive Produktion auszuschöpfen. „Durch das intelligente Zusammenspiel des 5G-Netzes und der lokalen Edge-Cloud-Systeme sind wir in der Lage, durchgängige Echtzeitanwendungen auf eine skalierbare Weise umzusetzen – vom Sensor bis in die Cloud“, erklärt Sven Jung, der den Aufbau auf technischer Seite leitet. Damit entstehe in Aachen ein einmaliges Ökosystem, in dem sich zukunftsweisende Konzepte und Architekturen, wie Prozessanalysen in Echtzeit oder Closed-Loop-Anwendungen, ganzheitlich umsetzen und validieren lassen.

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