Fokus Robotik: 24. Sep 2020 Von Martin Ciupek

Roboter auf Stellensuche

Etablierte Hersteller können immer weniger auf Großaufträge aus der Automobilindustrie bauen. Dafür eröffnen sich Chancen in anderen Branchen.

Perspektive für die Robotik: Insbesondere kleine, leicht zu bedienende Lösungen sind derzeit gefragt – beispielsweise für Laboranwendungen.
Foto: DENSO Robotics

Mehrere Jahrzehnte lang trieb die Automobil­industrie die Entwicklung in der Robotik mit ihren Großaufträgen voran. Seit 2019 befindet sich die Fahrzeugbranche jedoch global in einer massiven Krise und dieses Jahr kommt noch die Corona-Pandemie mit zusätzlichen wirtschaftlichen Einbrüchen dazu. Für Roboterhersteller gilt es daher umso mehr, sich nach neuen Anwendungsfeldern umzusehen. Ausgerechnet die Corona-Krise könnte sich dabei letztlich als Türöffner für neue Anwendergruppen erweisen.

Laut dem diese Woche von der International Federation of Robotics (IFR) veröffentlichten Report „World Robotics 2020“ arbeiten in Fabriken derzeit weltweit etwa 2,7 Mio. Industrieroboter. Das ist ein Anstieg um 12 % gegenüber dem Vorjahr. Der Blick auf die aktuelle Auftragsentwicklung ist dagegen weniger erfreulich. „Wir nehmen in den drei Kontinenten Asien, Europa, Amerika einen zum Teil drastischen Rückgang an Auftragseingängen gegenüber dem Vorjahr wahr“, berichtet IFR-Präsident Milton Guerry.

Laborprozesse durch Roboter beschleunigen

Auch die Elektroindustrie zeigt sich derzeit zurückhaltend. Positive Signale gibt es dagegen aus Branchen, die wegen Corona stärker automatisieren möchten, etwa um Laborprozesse zu beschleunigen. Allerdings räumt Guerry ein: „Anwendungen im Gesundheitssektor und zur Erhöhung der Resilienz in der Produktion sind derzeit meist kleinere Projekte, die die Auftragsrückgänge etwas abmildern, aber nicht komplett ausgleichen können.“

Entsprechend unterschiedlich sind die Erwartungen der Hersteller. Wo das Geschäft stark am Automobil hängt, wird erst in ein bis zwei Jahren damit gerechnet, das Vorkrisenniveau zu erreichen. Andere Anbieter rechnen deutlich früher damit.

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