Autos könnten teurer werden 11. Aug 2021 Peter Kellerhoff

„Die europäischen und deutschen Autobauer sitzen durch die Chipknappheit aktuell am längeren Hebel“

Ron van het Hof, DACH-CEO des Kreditversicherers Euler Hermes, sieht für Autohersteller die Gelegenheit, nach 20 Jahren die Preise für Neuwagen deutlich anzuheben.


Foto: panthermedia.net/welcomia

Angebot und Nachfrage klaffen auseinander – die deutschen und europäischen Automobilhersteller könnten deutlich mehr Autos verkaufen, als sie derzeit produzieren können. Der Grund dafür: die noch nie da gewesene und sich verschärfende Materialknappheit, insbesondere bei Halbleitern. Daher sitzen die Autobauer am längeren Hebel und könnten in den kommenden Monaten deutlich an der Preisschraube drehen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Kreditversicherers Euler Hermes.

Preissteigerungen bis 10 % möglich

„3 % – 6 % Preissteigerung sind europaweit deshalb aktuell drin, in Deutschland sogar zwischen 4 % und über 10 %“, sagt Ron van het Hof, CEO von Euler Hermes in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zumindest bis sich der Ausnahmezustand bei den Halbleitern wieder normalisiert habe. Dieser dürfte allerdings laut van het Hof noch bis ins erste Halbjahr 2022 hinein andauern.

Die Automobilbranche profitiert laut Studie bereits von der steigenden Nachfrage aufgrund der großen „Wiedereröffnung der Wirtschaft“ nach dem Lockdown in zahlreichen Ländern. Die Neuzulassungen in Europa stiegen im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25,2 % auf fast 5,4 Mio. Pkw (+1,354 Mio. Einheiten).

Die Branche gibt wieder Gas

„Der Nachholboom ist in vollem Gang und die Branche gibt wieder Gas“, sagt van het Hof. „Zwar längst noch nicht auf Vorkrisenniveau, aber mit deutlich zweistelligen Zuwachsraten bei den Neuzulassungen in allen wichtigen europäischen Märkten, insbesondere in Italien (+51 %) und Spanien (+34 %). Diese Erholung sowie die steigende Preissetzungsmacht seien für die gesamte Branche ein Hoffnungsschimmer für die baldige Rückkehr in eine neue Normalität. Auch für die Zulieferer sei das ein wichtiges Signal. Doch van het Hof warnt, die Branche müsse jetzt auch dringend über den Tellerrand hinausschauen und wichtige Weichen stellen, um bei den Themen Nachhaltigkeit und alternative Antriebstechniken nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten. „Mit höheren Preisen und Margen ist das nicht die schlechteste Ausgangssituation.“

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