Raumfahrt 18. Okt 2018, 11:26 Uhr Matilda Jordanova-Duda

Backen im All

Bake in Space will im Weltraum Brötchen backen. Die Bremer Ideenschmiede entwickelt einen Ofen für die ISS – und plant bereits in Mars-Dimensionen.

Der Ofenprototyp von Bake in Space durchläuft inklusive Inhalt die standardisierten Tests der ESA.
Foto: C. Luethen/Bake in Space

Alexander Gerst sollte der Erste sein, der in ein Weltraum-Brötchen beißt. Das war die Idee der Gründer von „Bake in Space“. Das Bremer Start-up, gegründet 2017, will die Astronauten auf der Internationalen Raumstation ISS mit Brötchen frisch aus dem Backofen versorgen. Bei Gerst hat es zwar nicht geklappt, aber es bleibt zu hoffen, dass sich sich seine Nachfolger in den Jahren 2020/21 nicht monatelang nur aus Tuben und Tüten ernähren müssen.

Bake in Space GmbH

Gründung: 2017 in Bremen

Produkte: frische Brötchen für Raumfahrer und die dazugehörige Technik vom Getreideanbau bis zum Backen.

Mitarbeiter: drei.

Brot ist bisher wegen der Krümel tabu. In der Schwerelosigkeit bleiben sie nicht auf dem Teller liegen, sie fliegen überallhin und können Geräte beschädigen und in die Augen oder Atemwege geraten. Die Lebensmittelexperten, die als wissenschaftliche Kooperationspartner für das Start-up arbeiten, experimentieren am Technologietransferzentrum im Bremerhaven deshalb mit Laugenteig, um das absolut krümelfreie Brötchen zu entwickeln. Der Teig muss lange haltbar sein, ohne Hefe auskommen – und schmecken soll das Ergebnis auch noch.

Die Astronauten sollen fürs Erste die Brötchen nur aufbacken. Aber auch das ist Herausforderung genug, denn man kann nicht einfach ein normales Haushaltsgerät ins All bringen. „Es gibt eine Reihe von Sicherheitsfragen zu lösen“, schildert Gründer und Geschäftsführer Sebastian Marcu das Problem. Bake in Space entwickelt einen gut isolierten Backofen, der sich von der Erde fernsteuern lässt. „Weil die Oberflächentemperatur 45 °C nicht übersteigen darf, können wir keinen typischen Backprozess nachbauen.“ Vorheizen ginge nicht, weil eine Heißluftblase beim Aufmachen entweichen könnte, die im Raum stehen bleiben würde. Der Astronaut müsse deshalb die Teiglinge in den kalten Ofen legen und die fertigen Brötchen erst herausnehmen, wenn der Ofen wieder heruntergekühlt worden sei.

„Das Backen dauert länger als auf der Erde, weil wir auf der ISS nur 250 W zur Verfügung haben.“ Damit die Brötchen sich nicht in Zwieback verwandeln, müsse Wasser zugeführt werden. „Deshalb sind die Teigrezepturen auf den Ofen abgestimmt“, so Marketingfachmann Marcu. Der Gerät-Prototyp funktioniere schon und durchlaufe die standardisierten Tests der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Umgesetzt wurde die Bake-in-Space-Idee vom Kooperationspartner OHB, einem Hersteller von Weltraumtechnik. Die Astronauten werden die Brötchen tatsächlich auch essen dürfen – anders als den Salat, den sie zur Untersuchung zurück auf die Erde schicken mussten. Nur müssten sie jedes Mal Auskunft geben, wie es geschmeckt und sich angefühlt und ob es nicht doch gekrümelt hat.

Sebastian Marcu: „Das Backen dauert im Weltraum länger als auf der Erde.“
Foto: Design &Data GmbH

Mit Unterstützung der regionalen Wirtschaftsförderung WFB siedelte sich Bake in Space am Raumfahrt-standort Bremen an. Die DLR hat das Projekt in die DLR-Mission Horizon“ aufgenommen. Als Berater und Aushängeschild des Jungunternehmens fungiert der ehemalige deutsche Astronaut Gerhard Thiele. Bis zu 3 Mio. € würde es laut Marcu kosten, Brötchen auf der ISS zu backen. Luxus? Nein, Lebensqualität und „ein Stück Heimat“. Das Ganze hat damit angefangen, dass Mitgründer Neil Jaschinski sein deutsches Brot so vermisste. Der Validierungsingenieur arbeitet bei einer niederländischen Maschinenbaufirma und bringt von jeder Reise nach Deutschland mehrere Laibe auf Vorrat mit. „Mensch, das wird Gerst auch vermissen“, dachten Jaschinski und Marcu.

Außerdem ist das Brötchenbacken erst der Anfang für sie. Ihre Ziele sind weit ehrgeiziger. „Eine bemannte Mission, etwa zum Mars, kann nicht ständig von der Erde versorgt werden“, sagt Marcu. „Sie muss ihre Nahrung selber herstellen.“ Bake in Space will deshalb die Wertschöpfungskette vom Ende her aufrollen, vom fertigen Brötchen in mehreren Schritten zurück zum Getreideanbau. Für jeden dieser Schritte – Teig kneten, Mehl mahlen, Getreide ernten – sucht das Start-up Lebensmittel-, Haushaltsgeräte-und Saatguthersteller, die ihre Produkte weltraumtauglich machen wollen. „Wir führen viele Gespräche“, sagt Marcu, der jedoch noch keine konkreten Vereinbarungen nennen will.

Als Vorbild dient dem erfahrenen Wissenschaftskommunikator das Berliner Unternehmen PTScientists. Es wurde 2009 mit dem Ziel gegründet, einen Rover auf den Mond zu bringen, der Bilder zur Erde funkt. Marcu kennt sich in der New-Space-Gründerszene aus. Früher machte er PR für die ESA, heute hat er eine Contentmarketingfirma mit dem Schwerpunkt Raumfahrt und organisiert viele Start-up-Events. Für Bake in Space ist es ihm gelungen, viel Medienresonanz zu erzeugen. Sogar im US-Fernsehen, in der Late-Night-Show von Jimmy Kimmel, war er zu sehen.

Nur, die erhofften Werbesponsoren und Wagniskapitalgeber hat das noch nicht gebracht. „Wir haben kein Startup-freundliches Umfeld in Deutschland und die Raumfahrt steckt hier noch in den Kinderschuhen“, sagt Marcu. „In den USA wären wir schon im Weltall.“ Aber in Europa sei der Weg lang und steinig. Den Berlinern ist es nach jahrelangem Werben gelungen, vor gut zwei Jahren Audi und Vodafone als starke Partner zu gewinnen. Das Thema Nahrungsherstellung im All voranzubringen, ist für Marcu eine Herzensangelegenheit. „Ich habe die erste Mondlandung nicht erlebt, aber ich hoffe, die nächste mitzuerleben.“

Der Gründer resümiert: „Wir machen alles selbst mithilfe von Freiberuflern, bis es mit dem Sponsoring oder Investment klappt. Dann werden wir ein Team zusammenstellen und auf jeden Fall auch Ingenieure brauchen.“ Marcu ist zuversichtlich. So sehr, dass Bake in Space Anfang des Jahres eine Niederlassung in Großbritannien eröffnet hat. Sie befindet sich in der Nähe des British National Space Centre in Leicester. Die Region sei zugleich für ihre Agrar- und Lebensmittelproduktion und die einschlägige Forschung bekannt, so der Start-up-Gründer. Vielleicht kann Marcu das benötigte Kapital dort auftreiben: Dann wird der Brite Tim Peake eben der erste Astronaut sein, der in ein frisches Brötchen beißt.

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