US-Luftfahrtindustrie in kritischer Lage 17. Dez 2019, 15:26 Uhr Von Dawid Gryndzieluk

Boeing stellt die Produktion der 737 Max ein

Der US-amerikanische Flugzeughersteller Boeing sieht sich gezwungen, die Produktion weiterer Flugzeuge des Typs 737 Max ab Januar 2020 einzustellen. Das gab der Vorstandschef Dennis Muilenburg am vergangenen Montag bekannt.

Boeing/JOHN D PARKER 2018

Die Unsicherheit ist hoch, auch unter Investoren. „Wir werden weitere Finanzinformationen hinsichtlich der Fertigungsaussetzung in Verbindung mit unserem Quartalsbericht Ende Januar veröffentlichen“, heißt es seitens des Unternehmens.

Grund für den Fertigungsstopp sind Spannungen mit der US-Luftfahrtaufsichtbehörde FAA. Die FAA entzog dem Flugzeugmodell die Auslieferungszulassung. Im November äußerte Boeing die Hoffnung, dass eine neue Erlaubnis noch 2019 vergeben werden könnte. Die kassierte die Behörde aber rasch wieder ein. FAA-Chef Steve Dickson bezeichnete solche Zeitpläne als unrealistisch und stellte klar, dass dies vor Neujahr nicht geschehe: „Es gibt eine Anzahl von Prozessen und Meilensteinen, die vollständig durchlaufen müssen. Wenn Sie das nachrechnen, stellen Sie fest, dass das bis 2020 dauern wird.“ Darüber hinaus kündigte Dickson, der selbst Pilot ist, an, die Lizenz nicht zu vergeben, ehe er die Maschine nicht selbst geflogen habe.

Die Boeing 737 Max könnte ein schwerer wirtschaftlicher Schlag werden

Wegen zweier schwerer Unglücke 2018 und 2019 hat die Boeing 737 Max in Großteilen der Welt derzeit keine Starterlaubnis. Das setzt den Hersteller unter Druck. Boeing reduzierte die Produktion im April bereits um zehn Maschinen auf 42 monatlich gebaute Flugzeuge (etwa 20 %), muss aber mittlerweile über 400 Stück bereits produzierter 737 Max lagern. Die zahlreichen Maschinen belegen auch Boeing-Mitarbeiterparkplätze. Zur Lagerungsproblematik kommt hinzu, dass Boeing weiterhin Kosten aufwenden muss, um neue Flugzeuge herzustellen, aber keine Einnahmen durch Verkäufe erzielen kann.

Da neben Boeing auch zahlreiche andere Unternehmen, wie Zulieferer und Fluggesellschaften, am Geschäft mit dem modernen Flieger beteiligt sind, könnten die Nachwirkungen des kommenden Produktionsstopps großflächig in der US-Wirtschaft spürbar sein. Tausende Exemplare der 737 Max sind bestellt und Fluggesellschaften mussten bereits Flüge streichen, da Boeing die Maschinen nicht liefern durfte. Währenddessen stellen Experten fest, dass die Boeing-Krise eine generelle ökonomische Krise werden könnte und schweren Einfluss auf die Konjunktur der USA haben wird.

Immerhin die Arbeitsplätze bei Boeing sind vorerst gesichert: Das Unternehmen aus Seattle stellte klar, dass keiner der 12 000 Mitarbeiter aufgrund der mangelnden Auslieferungslizenz der 737 Max seine Stelle verliere. Die Fertigung anzuhalten sei angesichts der kritischen Situation noch die schonendste Lösung, gab das Unternehmen bekannt.

Bereits 346 Menschen starben in der 737 Max

Die Boeing 737 Max verzeichnet bereits zwei Unglücke mit insgesamt 346 Toten: Im Oktober 2018 fiel eine Maschine der Gesellschaft Lion Air nach dem Start in Indonesien ins Meer. Im März 2019 stürzte ein baugleiches Flugzeug der Ethiopian Airlines ebenfalls kurz nach dem Start zu Boden.

Als Verursacher der beiden Abstürze der 737 Max vermuten Experten das Steuerungsprogramm mit dem Namen MCAS. Nach dem Unglück 2018 versprach Boeing, die Problematik per Softwareupdate nachzubessern. Kurz darauf ereignete sich der zweite Absturz. Das Update wurde nicht aufgespielt, denn es hatte keine Genehmigung durch die Aufsichtsbehörde FAA erhalten. Kritiker werfen Boeing zudem vor, die 737 Max zu rasch auf den Markt gebracht zu haben und in der Sicherheit Abstriche gemacht zu haben.

Tags: Luftfahrt

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