Corona-Auswirkungen auf Raumfahrt 23. Mrz 2020, 16:00 Uhr von Iestyn Hartbrich/dpa

Corona-Symptome im All

Während einige Raumfahrtunternehmen mit eher geringen Auswirkungen durch die Corona-Pandemie rechnen, sind andere längst im Krisenmodus.


Foto: OHB System AG

Der Rekordumsatz geriet zur Nebensache. 2019 hat der Bremer Raumfahrtkonzern OHB erstmals über 1 Mrd. € eingenommen und damit seinen Wachstumskurs fortgesetzt. Das verkündete CEO Marko Fuchs auf der telefonischen Bilanzpressekonferenz am Mittwoch.

Doch die eigentliche Nachricht war eine andere: Ringsum ließ die Corona-Krise längst die meisten Wirtschaftszweige erzittern, als Fuchs ihre Auswirkungen auf sein Unternehmen als „nicht signifikant belastend“ bezeichnete. Es sei zwar denkbar, dass es zu Verzögerungen bei Projekten komme. „Wir haben aber nicht die Sorge, dass die Aufträge wegbrechen, sondern erwarten eine Welle von Auftragseingängen“, sagte Fuchs. 2020 rechnet OHB mit einem Eingangsvolumen von 2 Mrd. €.

Dass die Raumfahrt vergleichsweise glimpflich davonkommen könnte, begründet OHB mit der langfristigen Auftragsstruktur der Branche. Demnach könnte der Bedarf nach satellitenbasierten Diensten noch zunehmen. Die Corona-Pandemie zeige, wie wichtig funktionierende Telekommunikationsstrukturen seien. „Die Welt nach der Coronavirus-Krise wird digitaler werden“, betonte Fuchs.

Entleertes ESA-Kontrollzentrum

An anderer Stelle in der Satellitenwelt hat das Coronavirus zumindest für leere Räume gesorgt. Die Missionskontrolle der ESA in Darmstadt, von der aus 21 Raumfahrzeuge gesteuert werden, arbeitet nur noch mit einer Rumpfmannschaft vor Ort. Im Moment seien rund 40 bis 50 der insgesamt 900 Mitarbeiter in der Zentrale in Darmstadt, sagte der Leiter des ESA-Missionsbetriebs, Paolo Ferri, der Deutschen Presse-Agentur. Dies solle noch weiter runtergefahren werden, nachdem es auch bei der ESA in Darmstadt einen Fall einer Coronavirus-Infektion gegeben habe. „Aber auf Null können wir nicht gehen.“

Die Mitarbeiter vor Ort würden derzeit in Schichten arbeiten und sich nicht sehen. Innerhalb des Zentrums werde ständig desinfiziert, sagte Ferri. Vom Homeoffice aus würden die anderen Mitarbeiter nun logistisch den Betrieb der derzeit 21 von Darmstadt aus kontrollierten Raumfahrzeuge begleiten. Da gehe es zum Beispiel um Berechnungen und Kalkulationen von Umlaufbahnen. „Wir können die Satelliten nicht von zu Hause aus steuern.“ Technisch wäre das im Prinzip zwar möglich, aber das Risiko sei einfach zu groß.

Airbus im Krisenmodus

Voll angekommen ist die Corona-Krise bei Europas größtem Raumfahrtkonzern Airbus. Der Flugzeugbauer hatte in der vergangenen Woche wegen der Pandemie seine Produktion in Frankreich und Spanien für vier Tage ausgesetzt. Mittlerweile wird an den Standorten aber wieder gearbeitet. Auch in China sei die Produktion im Februar nach einer Pause wieder angelaufen.

Angesichts der Pandemie gibt es neue Hygiene- und Sicherheitsvorschriften, die nun auch an anderen internationalen Standorten gelten, wie der Luft- und Rüstungskonzern am Montag in Toulouse mitteilte. Konzernchef Guillaume Faury sagte, die Airbus-Kunden seien stark von der Krise betroffen. Er forderte deshalb staatliche Unterstützung für Fluggesellschaften, ebenso wie für Zulieferer, die in Schwierigkeiten gerieten. Der Flugzeugbauer selber betont, er wolle aus eigener Kraft durch die Krise kommen. „Wir ersuchen keine direkte Hilfe der Regierungen für Airbus“, sagte Faury.

Airbus hat eine Reihe von Krisenmaßnahmen ergriffen. Der Konzern streicht seine Prognose für das laufende Jahr. Es gebe kurzfristig sehr viel Unsicherheit, für einen konkreten neuen Ausblick auf das Jahr sei es noch zu früh, so Faury. Zudem soll die für 2019 geplante Dividende nicht gezahlt werden. Mit einer neuen Kreditlinie über 15 Mrd. € will sich Airbus weitere Liquidität sichern. Zuvor hatte bereits der US-Erzrivale Boeing angekündigt, in der Krise Chefgehälter und die Dividende zu streichen.

Stellenangebote

Hochschule Merseburg

Professur Fertigungstechnik (W2)

Merseburg
Hochschule Merseburg

Professur Konstruktionstechnik (W2)

Merseburg
THD - Technische Hochschule Deggendorf

Professor oder Professorin (m/w/d) Unternehmensführung und Technologiemanagement (W2)

Pfarrkirchen
Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften

Technische Referendare / Bauoberinspektor-Anwärter (m/w/d)

Hannover
Westsächsische Hochschule Zwickau (FH)

Professor (m/w/d) für Automatisierungstechnik und Mikroprozessor-Systeme W2

Zwickau
Staatliches Baumanagement Niedersachsen

Technische Referendare / Bauoberinspektor- Anwärter (m/w/d)

Hannover
Hochschule Osnabrück

Professur (W2) für nachhaltige Lebensmittel- und Verpackungstechnik

Osnabrück
Hochschule für angewandte Wissenschaften München

W2-Professur für Bauproduktionsplanung und Prozessoptimierung (m/w/d)

München
Hochschule Hannover

W2-Professur Physik und Messtechnik

Hannover
Hochschule Ruhr West

Kanzler der Hochschule Ruhr West (m/w/d)

Mülheim an der Ruhr
Zur Jobbörse

Das könnte Sie auch interessieren

Empfehlungen der Redaktion

Top 10 aus der Kategorie Technik