Viele Zweifel an Nutzen und Datenschutz 23. Jun 2020 Von dpa/Jens D. Billerbeck

Corona-Warn-App kann auf 85 % der Smartphones laufen

Die Corona-Warn-App ist mit knapp 12 Mio. Downloads erfolgreich gestartet. Allerdings reißt die Debatte nicht ab, warum die App nicht auf noch mehr älteren Smartphones läuft. Die größten Bedenken der Skeptiker betreffen aber nicht die Systemvoraussetzungen.


Foto: Deutsche Telekom AG

Die Bundesregierung hat Verständnis für die Kritik gezeigt, dass die Corona-Warn-App auf älteren Smartphones nicht läuft. „Natürlich würde man sich wünschen, dass (…) jeder mit jedem alten Smartphone damit arbeiten könnte, aber es gibt da technische Gründe, die durch ein politisches Wollen der Bundesregierung nicht wegzuwischen sind“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert gestern in Berlin. Die App nutze neue Techniken und Sicherheitsverfahren, die ältere Smartphones nicht leisteten. Unter Berücksichtigung dieser Faktoren hätten die Entwickler an der App gearbeitet.

„Sie läuft auf mehr als 85 % der in Deutschland vorhandenen Smartphones“, sagte Seibert. Die Entwickler hätten zugesagt, noch einmal zu überprüfen, ob eine Steigerung möglich ist. Knapp eine Woche nach dem Start wurde die Corona-Warn-App nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen bereits 11,8 Mio. Mal heruntergeladen.

Zweifel am Nutzen der App

Die im Auftrag des Bundes entwickelte Warn-App steht seit genau einer Woche zum Download bereit. Sie soll messen, ob sich die App-Nutzenden mit ihren Smartphones über eine längere Zeit näher als etwa 2 m gekommen sind. Ist eine Person positiv getestet worden und hat dies in der App geteilt, meldet sie anderen Anwendern, dass sie sich in der Nähe einer infizierten Person aufgehalten haben. Dann kann man sich auf Kassenkosten testen lassen.

Viele Menschen in Deutschland zweifeln jedoch daran, dass die Messungen über den Kurzstreckenfunk Bluetooth tatsächlich relevante Ergebnisse liefern und das Verfahren geeignet ist, die Pandemie einzudämmen. Bei einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov äußerten die Personen, die zum Zeitpunkt der Befragung (17. bis 19. Juni) die App nicht installiert hatten, mit 27 % am häufigsten Zweifel daran, dass die App etwas nützt.

Sorge um die Daten

Fast genauso häufig (26 %) nennen Nicht-Nutzer die Sorge, dass ihre Daten nicht sicher sind sowie dass sie sich mit der App durch den Staat überwacht fühlen würden (25 %). Die Sorge vor Überwachung nennen Befragte der Generation Z (18 bis 24 Jahre; 33 %) häufiger als Befragte ab 55 Jahren (20 %). 21 % der befragten Nicht-Nutzer begründen ihre Nicht-Installation damit, dass das Bluetooth ihres Smartphones dauerhaft eingeschaltet sein müsste.

Von den 2066 insgesamt befragten Personen ab 18 Jahren gaben 72 % an, die Corona-Warn-App nicht zu nutzen bzw. nicht installiert zu haben, 25 % hingegen schon. Für eine knappe Mehrheit der Gesamtbefragten (51 %) ist es unwahrscheinlich, dass sie die App (weiterhin) nutzen werden. Nur für 37 % ist es wahrscheinlich. 12 % machten dazu keine Angaben.

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