PORTRÄT DER WOCHE 22. Mrz 2018 Aleksandra Bakmaz/dpa

Der kluge Kopf hinter der Knoff-Hoff-Show

Joachim Bublath hat viele Jahre im ZDF die Welt erklärt. Auch mit 75 schlägt sein Herz noch für die Wissenschaft.

Joachim Bublath legte immer Wert darauf, Wissenschaft im Fernsehen zur besten Sendezeit zu präsentieren.
Foto: imago/Lindenthaler

Er war über Jahrzehnte das Gesicht der Naturwissenschaften im deutschen Fernsehen: Moderator und Physiker Joachim Bublath. Als Leiter der Abteilung Naturwissenschaft und Technik beim ZDF erklärte er seit Anfang der 1980er-Jahre die Welt. Bekannt wurde der preisgekrönte Wissenschaftsjournalist vor allem durch die „Knoff-Hoff-Show“ und „Abenteuer Forschung“. Vor rund zehn Jahren verabschiedete sich Bublath vom Fernsehen. Am Montag vorvergangener Woche konnte er seinen 75. Geburtstag feiern.

Joachim Bublath

wurde am 12. März 1943 in Memel geboren.
studierte Chemie, Mathematik und Physik und promovierte 1971 in München in Theoretischer Physik.
arbeitete in den Semesterferien beim Hessischen Rundfunk, baute später dort eine Wissenschaftsredaktion auf.
wechselte 1981 zum ZDF, wo er bis 2008 verschiedene Sendungen entwickelte, u. a. die „Knoff-Hoff-Show“.
wurde 2007 zum Wissenschaftsjournalisten des Jahres gewählt.

Ihm gehe es gut, sagt er. „Es funktioniert alles noch hervorragend – mit Rollator habe ich überhaupt nichts zu tun“, scherzt der promovierte Physiker, der auch Mathematik und Chemie an der Universität Frankfurt studiert hat. Dort kam er auch zum ersten Mal mit dem Medium Fernsehen in Kontakt: In den Semesterferien arbeitete er als Kameraassistent beim Hessischen Rundfunk. Später wirkte er als Berater beim Schulfernsehen und moderierte im WDR die Wissenschaftsquizsendung „Kopf um Kopf“. 1981 dann der Wechsel zum ZDF nach Mainz.

In einem seiner bekanntesten Formate, der „Knoff-Hoff-Show“, ließ Bublath Menschen übers Wasser schweben, Dinge in die Luft fliegen oder Roboter durchs Studio laufen. „Wir mussten eine sperrige, trockene Geschichte so aufbereiten, dass die Leute das interessant fanden.“

Wichtig sei dabei gewesen, Verblüffung zu schaffen. Am besten habe das eben mit Experimenten funktioniert. Das Ziel: wissenschaftliche Zusammenhänge spielerisch erklären. Die Sendung galt als eine der erfolgreichsten Wissenschaftssendungen im deutschen Fernsehen. Sie wurde nach 13 Jahren 2004 eingestellt.

Vier Jahre später endete auch die Ära Bublath im ZDF. Im gleichen Jahr machte er Schlagzeilen mit einem vorzeitigen Abgang bei der ZDF-Talkshow von Sandra Maischberger. Das Thema: außerirdisches Leben. Nach Geschichten über Engel, Geister und außerirdische Erfahrungen habe er das Studio einfach verlassen müssen. „Ich war da fehl am Platz.“ Bublath war der Erste, der aus dieser Sendung jemals vorzeitig ging. Das Rampenlicht und die Kameras würden ihm nicht fehlen, sagt er. „Um Gotteswillen, überhaupt nicht – es war ja Arbeit.“ Heute sei es entspannter. „Ich galt ja immer als trocken“, sagt er. Persönlich habe er solche Vorwürfe aber nie genommen. Wenn man vor der Kamera stehe, gebe es eben auch immer Menschen, die einen nicht so mögen. Unter den Kritikern seien auch Verschwörungstheoretiker gewesen, die nicht an Wissenschaft glaubten. Doch solche Menschen seien auch ein Ansporn gewesen: „Naturwissenschaft als Teil der Gesellschaft zu etablieren, war das große Ziel“, sagt Bublath.

Und das gehe vor allem in der Primetime, in der die meisten Zuschauer einschalten. Ihm sei deshalb auch immer wichtig gewesen, dass seine Formate im Hauptabendprogramm zu sehen seien. „Heute laufen solche Wissenschaftssendungen ja vor allem in der Nacht“, bemängelt Bublath. „Das geht voll am Zuschauer vorbei.“

Bublath hält Vorträge vor Fachpublikum bei Symposien und Fortbildungen und reist dafür sehr viel. Er hat auch einige Bücher geschrieben. „Ich habe mir geschworen, dass ich das nicht mehr machen will“, sagt er. Wenn man es gut machen wolle, sei Schreiben sehr aufwendig. „Da ist mir die Lebenszeit zu kostbar.“

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